Von KI reden alle, richtig umsetzen können es nur wenige. Der Kyndryl Readiness Report zeigt: Die meisten Firmen bleiben in der Pilotphase stecken und sind schlecht auf die Herausforderungen vorbereitet. Was trennt die Vorreiter von den Nachzüglern?
Unternehmen stehen an einem Kipppunkt: Die ersten KI‑Erträge sind deutlich sichtbar, doch viele Projekte bleiben in der Pilotphase stecken.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Alle wollen KI, aber kaum ein Unternehmen ist wirklich bereit dafür: 72 Prozent haben mehr Pilotprojekte, als sie realistisch skalieren können, und nur 31 Prozent fühlen sich auf externe Geschäftsrisiken vorbereitet. Der neue Kyndryl Readiness Report zeigt: KI soll zwar ein Innovationstreiber sein, doch bei der Umsetzung hapert es gewaltig. Als größte Einflussfaktoren für bestehende IT- und Geschäftsmodelle identifiziert die StudieKünstliche Intelligenz selbst sowie eine aktuell sehr fragmentierte regulatorische und geopolitische Welt.
Methodik der Studie „Kyndryl Readiness Report 2025
Die Erkenntnisse des Kyndryl Readiness Report 2025 stammen aus der der KI-gestützten, offenen digitalen Integrationsplattform von Kyndryl (Kyndryl Bridge). Dafür wurden 3.700 Führungskräfte und Entscheidungsträger aus 21 Ländern befragt – die Hälfte der vertretenen Unternehmen hatte einen Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar oder mehr. Insgesamt wurden 24 Branchen befragt, acht Branchen wurden mit jeweils über 100 Befragten priorisiert: Finanzen, Energie, Gesundheitswesen, Versicherungen, Fertigung, Einzelhandel, Technologie und Telekommunikation. Die Umfrage wurde als Online-Umfrage und Telefoninterview von Edelman DXI im Auftrag von Kyndryl durchgeführt und fand zwischen dem 20. Juni und 15. August 2025 statt.
Sind IT-Infrastrukturen bereit für Sicherheit und die Herausforderungen der kommenden Jahre?
Unternehmen setzen auf ihre IT, wenn es darum geht externe Risiken zu mindern und dem Wettbewerb vorauszubleiben. Kein Wunder, warum 42 Prozent gezielt in eine Modernisierung der IT investieren: 82 Prozent der Befragten erlebten 2025 einen cyberbedingten Ausfall. Als Hauptverursacher wird aber nicht etwa Cyberkriminalität, sondern menschliches Versagen (35 Prozent), gefolgt von Netzwerkproblemen (30 Prozent) genannt. Reine Cyberangriffe landen auf Platz drei (28 Prozent).
Drei von vier Unternehmen investieren in KI-gestützte Sicherheitslösungen – mehr als in jeden anderen KI-Bereich. Dabei wirkt KI paradox: Sie deckt strukturelle Schwächen schonungslos auf, liefert aber zugleich die Technologie zur Behebung. Wer modernisiert, profitiert messbar: 87 Prozent berichten von höherer Effizienz, 69 Prozent von verbesserter Innovation und 54 Prozent von besserer Kunden- und Mitarbeitererfahrung.
Können Daten- und Cloudstrategien trotz des globalen Flickenteppichs bestehen?
Der Grund für dieses Chaos ist nicht zuletzt der geopolitische Druck. 65 Prozent passten ihre Cloud-Strategie bereits an – sie achten vermehrt auch Data-Governance-Richtlinien, nehmen die Daten aus der Cloud zurück oder nutzen globale Anbieter. 86 Prozent achten verstärkt auf Herkunft und Regulierung der Cloud-Provider, 75 Prozent sorgen sich um geopolitische Risiken beim Datenmanagement. Wenig überraschend zeigen USA und China die geringste Sorge um ihre Daten, Deutschland liegt mit 81 Prozent Besorgnis allerdings auf Platz vier.
Dennoch kann sich die Cloud auszahlen. 91 Prozent berichten von mehr Agilität, 89 Prozent nutzen KI tatsächlich vereinfacht. Doch Vorsicht vor versteckten Kosten: 63 Prozent unterschätzten die Migrationsaufwände, 62 Prozent mussten Workloads wieder zurückholen.
Können Mitarbeitende mit der Innovations-Geschwindigkeit mithalten?
Es gibt viele Bedenken, wenn es darum geht, ob die Mitarbeiter den aktuellen Entwicklungen standhalten können. 87 Prozent der Befragten bestätigen, dass KI die Rollen und Verantwortungen in Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten komplett transformieren werde. Die größten Sorgen der Mitarbeiter sind hierbei fehlendes technisches Knowhow (41 Prozent), mangelnde Grundfähigkeiten beim Umgang mit KI (39 Prozent) und die Umschulung von ersetzten Mitarbeitenden (38 Prozent). Hinzu kommt eine kulturelle Trägheit. Entscheidungen werden laut 45 Prozent zu langsam getroffen, nur wenige berichten von einer dynamischen Kultur. Zwar investieren 91 Prozent der Führungskräfte in Trainings für KI-Tools, aber diese Investition verpufft ohne einen Kulturwandel.
Schaffen es Pilotprojekte vom Test in den produktiven Betrieb?
Ist eine kulturelle Anpassung in Unternehmen aber möglich, dann kann es zu einer Risikominimierung, einem positiven ROI und zu Skalierung kommen. Neben KI-geschützten Cybersecurity-Tools (75 Prozent), wird KI unter anderem auch in Enterprise-Anwendungen wie CRM- oder ERP-Systemen (71 Prozent), für eine verbesserte Costumer Experience (66 Prozent) oder als Chatbots für Kunden (62 Prozent) eingesetzt. Hier greift allerdings noch ein anderes Problem: Viele Unternehmen sind der Meinung, dass Tech-Innovationen oft nur schwer aus der Piloten-Phase herauskommen, wobei Komplexität, Compliance und organisatorische Belangen als größte Hürden genannt werden.
Stand: 08.12.2025
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Entscheidungen unter Zeitdruck ist der neue Normalzustand – gerade, wenn es um neue Technologien geht. 60 Prozent kommen kaum mit dem Innovationstempo mit. Besonders betroffen ist die Telekommunikation (71 Prozent), Technologiebranche (64 Prozent) und Energie-,Finanz- und Versicherungsbranche (je 61 Prozent).
Viele berichten sogar davon, dass CEO und CFO oft keinen langzeitigen Wert sehen, wenn es um Investitionen in der Technik geht (65 Prozent) – dabei berichten 95 Prozent davon, dass sie ihre Cloud-Strategie mittlerweile wieder anders aufsetzen würden. Gründe dafür sind der verstärkte Fokus auf Sicherheit und Compliance, ein besseres Verständnis davon, wie die Integration funktioniert und eine verbesserte Kommunikation zwischen den Bereichen.
Resilienz und Agilität bauen Infrastruktur auf
Was führt nun dazu, dass sich ein Unternehmen bereit für KI und technische Innovationen fühlt? Ganz klar gibt es drei Aspekte, an denen man zunächst ansetzen kann:
Eine dynamische Unternehmenskultur, um der Geschwindigkeit standzuhalten, in welcher sich unser aktueller Markt bewegt.
Eine klare Führungsvision, um dem Unternehmen ein Ziel vor Augen zu führen, auf welches die Mitarbeiter hinarbeiten können.
Ein Budget für die IT, um mehr in Innovation investieren zu können. Ohne die richtige Investition, bleibt ein Wettbewerbsvorteil meist aus.
Entsprechend teilt die Studie Unternehmen in drei Kategorien: Die Vorreiter (13 Prozent) haben ihre IT-Infrastruktur zu 63 Prozent zukunftsbereit und erzielen zu 89 Prozent positiven KI-ROI. Die Mitläufer (47 Prozent) schaffen 44 Prozent Infrastruktur-Readiness und 78 Prozent KI-ROI. Nachzügler (40 Prozent) erreichen nur 28 beziehungsweise 66 Prozent – Budget- und Skills-Probleme bremsen sie aus. Trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte eint alle ein gleiches Problem. Wie kommen Pilotprojekte endlich in den produktiven Betrieb? Häufig zeigt sich: Unternehmen profitieren von strategischen Cloud-Konzepten und abteilungsübergreifender Zusammenarbeit, statt planlosen Strukturen und Silos.