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Eine pragmatische Strategie Exeon will in den deutschen Markt einsteigen

Autor: Melanie Staudacher

Mit der Software des Security-Herstellers Exeon Analytics können Unternehmen ihre IT-Landschaften mit KI-gesteuerten Sicherheitsanalysen schützen. Nun möchte das Schweizer Unternehmen auch im deutschen Markt durchstarten – gemeinsam mit dem Channel.

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Will auch auf dem deutschen Markt halten was er verspricht: David Gugelmann, Gründer des Schweizer Sicherheitsunternehmens Exeon. Hier spricht er bei den Top100 Swiss Startup Awards 2020.
Will auch auf dem deutschen Markt halten was er verspricht: David Gugelmann, Gründer des Schweizer Sicherheitsunternehmens Exeon. Hier spricht er bei den Top100 Swiss Startup Awards 2020.
(Bild: Exeon Analytics)

Kernprodukt von Exeon Analytics ist die Plattform ExeonTrace. Sie nutzt NDR-Funktionen (Network Detection and Response), um Bedrohungen zu erkennen, zu bekämpfen und im Nachgang zu analysieren.

Eine Alarmanlage für IT-Netzwerke

ExeonTrace visualisiert komplexe Netzwerke. Unternehmen können somit Sicherheitslücken wie nicht autorisierte oder veraltete Geräte, Schatten-IT und Datenlecks ausfindig machen und Maßnahmen ergreifen.
ExeonTrace visualisiert komplexe Netzwerke. Unternehmen können somit Sicherheitslücken wie nicht autorisierte oder veraltete Geräte, Schatten-IT und Datenlecks ausfindig machen und Maßnahmen ergreifen.
(Bild: Exeon)

David Gugelmann, Gründer und CEO von Exeon, vergleicht die Lösung mit einer Alarmanlage: „Wir ersetzen nicht das Schloss an der Tür, sondern wir reagieren, wenn jemand daran vorbeigekommen ist.“ Somit kann ExeonTrace bereits vorhandene Prevention- und Protection-Lösungen ergänzen. Für die Überwachung des Firmennetzes setzt der Hersteller selbst entwickelte Machine-Learning- und Big-Data-Algorithmen ein. Diese werden auf die gesammelten Datenpunkte angewandt, Gugelmann spricht von mehreren Milliarden pro Tag. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), lernt das System, welches ein normales und legitimes Verhalten im Netzwerk ist.

„Unser System ist wie ein Gehirn. Es merkt sich, was es bereits gesehen hat. Und wenn etwas auftaucht, dass es noch nie gab, dann ist das für uns das Zeichen, dass gerade ein potenzieller Angriff stattfindet“, erläutert Gugelmann. Solche Anomalien kann ExeonTrace also auch erkennen, wenn ein Angreifer neue Techniken verwendet, welche noch nicht allgemein bekannt sind. Erkannte Abweichungen des normalen Netzwerkverhaltens werden an das Security Operation Center (SOC) gesendet. Dort können Analysten die Anomalien visualisiert untersuchen, ähnlich wie bei einer Überwachungskamera, wie Gugelmann ergänzt. Besonderheit der Lösung ist, dass der Betrieb ohne Sensor- oder Hardware-Installation auskommt und rein Software-basiert angeboten wird.

Die Strategie: pragmatisch und sympathisch

In der Schweiz gehört Exeon bereits zu den Top 5 des Swiss Startup Awards 2020. Nun soll auch der deutsche Cybersecurity-Markt angegangen werden. Dazu will das Unternehmen mit Channel-Partnern zusammenarbeiten. Den Ansatz, den Exeon verfolgt, bezeichnet Gugelmann sowohl als pragmatisch, aber dennoch sympathisch. Seiner Devise „Lieber direkt machen, als lange darüber reden“ folgend, werden Hersteller und Partner die ersten Projekte zu Beginn gemeinsam betreuen. Vom Sales-Prozess bis zur Implementierung der Lösung. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es am einfachsten ist die neuen Partner einzuweisen, wenn wir am Anfang Kunden gemeinsam betreuen. Wenn die Partner dann entsprechende Erfahrung haben, übernehmen sie das alles alleine.“ Bisher gibt es nur den Hauptsitz in Zürich und einen externen Dienstleister, der den Vertrieb in Deutschland übernimmt. Eine Niederlassung in Deutschland ist auf lange Sicht jedoch geplant. Zu den Channel-Partnern in der Schweiz gehören Six und Ensec sowie TCSS in Österreich. Auch ein klassisches Partnerprogramm mit Schulungen und Discounts gibt es bereits.

Für Gugelmann ist bei der Auswahl der Partner wichtig, dass sie ein gutes Verständnis für das sehr technische Produkt mitbringen. Im Idealfall gibt es im Team einen Experten für Network Security und jemanden, der bereits Erfahrungen mit SIEM-Lösungen gemacht hat. Vorrangig müsse jedoch die Chemie stimmen. „Wir möchten Partner finden, die unser Image weitergeben und unsere Lösung sympathisch vertreten.“

Die Entscheidung, trotz der vorherrschenden Corona-Pandemie in den deutschen Markt einzusteigen, sei dem CEO nicht leichtgefallen. Doch Gugelmann ist überzeugt, dass die Lösung in Deutschland großes Potenzial bietet. Mit der europäischen Lösung habe Exeon einen Vorteil gegenüber US-basierten Lösungen. Als Schweizer Unternehmen würde es ein besseres Verständnis für die deutsche Kultur und insbesondere auch deutsche Datenschutzrichtlinien mitbringen als ein US-Unternehmen. Beispielsweise ist die Software von Exeon so gebaut, dass sie, falls vom Kunden gewünscht, komplett offline im Kundendatencenter betrieben werden kann.

Gugelmann fasst zusammen: „Mit dem fachlichen Hintergrund, den unser gesamtes Team hat, kann ich garantieren, dass wir auch liefern was wir versprechen. Das wissen bereits unsere Kunden in der Schweiz zu schätzen und ich bin sicher, dass auch deutsche Kunden von unserer Zuverlässigkeit profitieren werden.“

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An der Quelle des Fachwissens

Gugelmann hat das Unternehmen 2016 in Zürich gegründet. Von Anfang an widmete es sich dem Schutz von Unternehmens-IT durch KI-gesteuerte Sicherheitsanalysen. Die dafür entwickelten Algorithmen basieren auf Forschungen an der technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule ETH Zürich, an der Gugelmann selbst geforscht hat. Von dort holt sich das Unternehmen auch immer wieder neuen Zuwachs. „Das ist ein Punkt, der uns auszeichnet“, sagt Gugelmann. „Wir haben ein sehr gut ausgebildetes Team.“ Fachkräftemangel kennt er also nur teilweise. „Nachwuchstalente gibt es an der ETH zwar zu Genüge. Wenn es aber darum geht Fachpersonal mit viel Erfahrung zu rekrutieren, spüren wir den Fachkräftemangel schon auch.“

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH