Weshalb dem einstigen Börsenstar die Luft ausging Endstation für Lintec – die Geschichte eines langen Sterbens

Redakteur: Regina Böckle

Knapp acht Jahre währte der Kampf des PC-Fertigers und Distributors Lintec ums Überleben. Nach dem Insolvenzantrag Anfang April ging dann alles ganz schnell. Binnen einer Woche konstatierte der Insolvenzverwalter das endgültige Aus. Für die jüngsten Lintec-Töchter Chiligreen und HSC gibt es noch einen Hoffnungschimmer.

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Den letzten Lauf um den Lintec-Konzern hat Vorstandsvorsitzender Thomas Goletz am 8. April im Amtsgericht Leipzig selbst beendet. Verloren war er schon vorher. Doch offenbar war es dem leidenschaftlichen Marathonläufer erst möglich aufzugeben, als buchstäblich nichts mehr ging. Dabei war Goletz Ende 2001 mit viel Enthusiasmus als Vorstand bei Lintec eingestiegen, um hier Arbeitsplätze zu sichern. Das ist nun vorbei.

Der Konzern ist nicht zu retten und steht mit knapp drei Millionen Euro in der Kreide. Die 70 Lintec-Mitarbeiter haben seit März kein Gehalt mehr gesehen, die Mietzahlungen stehen seit Monaten aus und für die 55 Beschäftigten des Lintec-Partners Chiligreen ist die Zukunft ungewiss. Soweit die Bilanz.

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Der Gang zum Amtsgericht dürfte schweren Schritts erfolgt sein, gleichzeitig aber in letzter Sekunde vor der Insolvenzverschleppung. »Ich habe selten so wenig Substanz vorgefunden«, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Volkhard Frenzel nach der Bestandsaufnahme am Firmensitz in Taucha erklärt. Sämtliche Anlagen- und Vermögenswerte sind vollständig aufgebraucht, das Konto praktisch leer. Was zu verkaufen war, wurde seit 2002 schrittweise zu Geld gemacht und in einen Betrieb gesteckt, der so nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war.

Größenwahn der Gründerjahre

Frenzel kennt den Pleite-Kandidaten, hatte er doch schon das Insolvenzverfahren der ehemaligen Lintec-Tochter Pixelnet AG und Orwonet abgewickelt – zwei von insgesamt rund 15 Unternehmen, an denen die 1990 von Hans-Dieter Lindemeyer gegründete Lintec mit bis zu 100 Prozent beteiligt war.

Zugekauft hatte Lindemeyer die Firmen während der Hochphase des Internet-Hypes, nach dem Börsegang 1998. Im Boomjahr 2000 setzte das Firmenkonglomerat mit insgesamt 460 Mitarbeitern knapp 430 Millionen Euro um, die Aktie erreichte mit 340 Euro pro Stück ihr Allzeit-Hoch. Danach ging es stetig bergab. Zum Schluss war die Aktie nur mehr um die 40 Cent wert. Die Ursachen dafür sind vorrangig hausgemacht.

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