Weshalb dem einstigen Börsenstar die Luft ausging

Endstation für Lintec – die Geschichte eines langen Sterbens

Seite: 3/4

Anbieter zum Thema

Doch dann siegte offenbar der Marathonläufer in ihm, und Goletz versuchte, sich durchzubeißen – verhandelte mit Banken, Staatsanwaltschaften, Finanzämtern, Landesvertretern, trennte sich von fast allen Firmen und Beteiligungen.

Der Umsatz sackte angesichts dieser Verkäufe und mangels neuen operativen Geschäfts weiter ab – von 204 Millionen Euro im Jahr 2002 auf 94 Millionen Euro im Jahr 2003. Der Verlust vor Steuern halbierte sich ebenfalls auf knapp 14 Millionen Euro, die Rückstellungen für Forderungen der Finanzämter im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer-Affäre von Batavia beliefen sich ebenfalls auf mehrere Millionen Euro. Ende 2003 nahm Lintec-Gründer Lindemeyer Reißaus, seine Ex-Ehefrau Renate blieb als Personalchefin an Bord. Nun hatte Goletz freie Hand.

Auf schwankendem Fundament gebaut

Anfang 2004 übernahm Goletz den Lintec-Vorstandsvorsitz und versuchte, parallel zur Abtragung von Altlasten, für Lintec ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell zu finden: die »Drei-Säulen-Strategie«.

So sollten zusätzlich zur Fertigung eigener PCs erstens neue Technologien, wie beispielsweise Lösungen zum vernetzten Haus, mit den Eigenmarken Safaya und Spiffy vorangebracht werden. Zweitens sollten Open-Source-Aktivitäten und drittens Produktions- und Service-Dienste für Dritte neues Geschäft ins Haus bringen. Im Sommer 2004 kam noch die Mitgliedschaft im Distributorennetzwerk VADnet Europe hinzu, das sich für Mobility-Lösungen stark machte.

Auf der Hausmesse des selben Jahres flackerte noch einmal richtig Hoffnung auf, die Lieferanten erwiesen dem angeschlagenen Tauchaer Unternehmen die Treue.

Erfolgreich war jedoch kein einziges Modell aus der Drei-Säulen-Strategie: Die Auftragsfertigung für Yakumo Mitte 2004 blieb projektbezogen, die im Frühjahr gestartete Endmontage von LCD-TVs für Gericom wurde nach einem halben Jahr eingestellt. Und die im September 2006 angeleierte DVD-Recorder-Fertigung für die singapurianische »Contel Investment« ebenso wie die Flat-TV-Endmontage für die chinesische THTF Digital Co. manifestierten sich eher auf dem Papier als im realen Leben. Gleiches galt offenbar für die Ende 2007 angekündigten Reparaturservice für die LCD-TVs von Daewoo. Auch sonst gab es keine Aufträge mehr.

Folglich brach der Umsatz weiter ein: aus dem für 2005 angepeilten Umsatzziel von 32 Millionen Euro wurden am Ende nur 7,5 Millionen Euro. Gleichzeitig hatte Goletz begonnen, das Tafelsilber zu verkaufen, um den Betrieb über Wasser zu halten. Doch nicht nur das:

(ID:2012253)