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Lindemeyer hatte sich im Kaufrausch der Boomjahre kaum die Mühe gemacht, die Firmen genauer zu durchleuchten, die er sich einverleibte: 2001 umfasste das Imperium neben dem hauseigenen Kerngeschäft der PC-Fertigung mehrere Firmensoftware-Anbieter, zahlreiche IT- und CE-Großhändler (unter anderem Batavia, Intenso und RFI) sowie einen Motherboard-Fertiger (FastFame) und einige Dienstleister. Damit nicht genug gehörte auch der digitale Fotodienstleister Pixelnet samt Tochter Photo Porst zur Familie, und sogar die Beteiligungsgesellschaft für Risiko-Kapital MVC Capital AG. Diese hielt wiederum Mehrheitsanteile an Postzusteller PIN AG, Security-Hersteller G-Data und der Dresdner Factoring.
Lindemeyer ließ die zugekauften Unternehmen praktisch unkontrolliert gewähren und so fiel zunächst kaum auf, wie viele faule Eier er sich ins Nest geholt hatte. Eine Strategie für den Gesamtkonzern gab es ohnehin nie. Kollegen aus Gründungstagen bescheinigten Lindemeyer zu diesem Zeitpunkt »handfesten Größenwahn«.
Spätestens 2001 zeigten sich die ersten tiefen Risse im trügerischen Erfolgsbild. Lintec rutschte tief in die roten Zahlen. Lindemeyer holte Ende 2001 Thomas Goletz als Vorstand an Bord, er solle »mal nach dem Rechten sehen«.
Ära Goletz: Erst schockiert, dann saniert, schließlich jongliert
Welches faule Erbe er angetreten hatte, enthüllte sich Goletz bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt. Denn inzwischen ermittelte die Staatsanwaltschaft Landshut gegen Lintec-Tochter Batavia wegen Umsatzsteuerbetrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit einem europaweiten Umsatzsteuerkarussell. Gegen den Pixelnet- und Photoporst-Vorstand wurde überdies wegen des Verdachts auf Kurs- und Kapitalanlagebetrugs ermittelt. »Jeder Faden, den ich in die Hand nehme ist völlig verfilzt«, sagte Goletz damals frustriert und erwog in besonders üblen Stunden sogar, den Konzern gleich wieder zu verlassen.
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