Deutsche Social Collaboration Studie 2020 Digitaler Reifegrad in Unternehmen steigt

Autor: Melanie Staudacher

Mitarbeiter, die häufig Social-Collaboration-Tools nutzen, arbeiten fast 40 Prozent effizienter. Auch die digitale Unternehmenskultur, die Kundenzufriedenheit sowie die Innovationsfähigkeit sollen sich verbessern. Allein an der Einführung der Tools hapert es noch.

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Der Social-Collaboration-Reifegrad in Unternehmen wächst, wodurch sich die Tür zur digitalen Zusammenarbeit öffnet.
Der Social-Collaboration-Reifegrad in Unternehmen wächst, wodurch sich die Tür zur digitalen Zusammenarbeit öffnet.
(Bild: santiago silver - stock.adobe.com)

Vor allem in Zeiten der Coronakrise führt kein Weg an Social Collaboration vorbei. Doch oft verfügen Arbeitnehmer nicht über die passenden Tools und Geräte für die Arbeit von zuhause aus. Zwar war in den vergangenen Jahren ein Fortschritt zu erkennen, doch 60 Prozent der Firstline Worker, also Mitarbeiter, die in direktem Kundenkontakt stehen oder in der Fertigung tätig sind, sehen immer noch erheblichen Verbesserungsbedarf bezüglich der Ausstattung ihres digitalen Arbeitsplatzes. Diese und weitere Erkenntnisse gewann das Management- und Technologieberatungsunternehmen Campana & Schott gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt in der 5. Deutschen Social Collaboration Studie. Für die Studie wurden in diesem Jahr 1.079 Mitarbeiter aus der DACH-Region zu ihren Erfahrungen mit der vernetzten Zusammenarbeit befragt.

Gute Gründe für Social Collaboration

Im Jahr 2016 waren nur 7,2% der Projekte zur Einführung von Social Collaboration überwiegend abgeschlossen. Vier Jahre später sind es bereits 18,1%.
Im Jahr 2016 waren nur 7,2% der Projekte zur Einführung von Social Collaboration überwiegend abgeschlossen. Vier Jahre später sind es bereits 18,1%.
(Bild: Campana & Schott)

Social Collaboration bezeichnet die Zusammenarbeit von Mitarbeitern mithilfe elektronischer Medien und dem Internet. Offensichtlicher Vorteil ist, dass sie so in räumlicher und zeitlicher Unabhängigkeit gemeinsam an einem Projekt tätig sein können. Gewonnene Informationen werden schnell und unkompliziert geteilt, wodurch Datensilos vermieden werden. Nicht nur die Vernetzung mit einzelnen oder wenigen Kollegen und Kolleginnen ist möglich, sondern auch der Austausch von Daten mit dem gesamten Unternehmen an verschiedenen Standorten. Wissen und Erfahrung kann geteilt und Organisatorisches mit wenigen Klicks erledigt werden.

Die Verbesserung der Unternehmenskultur bleibt auch 2020 mit 16 Prozent das wichtigste zu erreichende Ziel durch Social Collaboration. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Innovationsorientierung sowie Veränderungsbereitschaft und Technologieaffinität stehen dabei im Fokus der Unternehmen. Die Steigerung der Kundenzufriedenheit ist in diesem Jahr relevanter geworden. 2016 noch auf dem siebten Platz, ist dieser Aspekt mit 15 Prozent nun am zweitwichtigsten.

Digitaler Bewusstseinswandel

Um diese Ziele zu erreichen und die Arbeitseffizienz zu steigern, müssen Mitarbeiter die Social-Collaboration-Tools, wie zum Beispiel Kommunikations- oder Projektmanagementsoftware, akzeptieren und nutzen. Doch rund 70 Prozent der Unternehmen ergreifen für das Change Management keine Maßnahmen. Nur ein Viertel der Mitarbeiter ist mit dem Ablauf der Einführung der Tools zufrieden. Dabei sollen Unternehmen mit umfassendem Change Management eine höhere Zufriedenheit und eine deutlich gestiegene Arbeitseffizienz erreichen. Die Haupterkenntnis der Studie ist, dass Mitarbeiter, die häufig Social-Collaboration-Tools nutzen, um 39 Prozent effizienter arbeiten. „Unternehmen, in denen digitale Zusammenarbeit vor der Krise bereits etabliert war, sind aktuell im Vorteil“, erläutert Dr. Eric Schott, CEO von Campana & Schott. „Sie konnten ihren Arbeitsalltag sehr schnell und mit weniger Reibung umstellen. All diejenigen, die jetzt Wege finden müssen, sollten von den Erfahrungen der anderen lernen. Dabei können sie vor allem eines direkt besser machen: die umsichtig und kommunikativ gut begleitete Einführung der Tools, denn die war bislang häufig mangelhaft.“

Steigender Reifegrad

Die Arbeitseffizienz wird durch den Einsatz von Social-Collaboration-Tools um 39% erhöht.
Die Arbeitseffizienz wird durch den Einsatz von Social-Collaboration-Tools um 39% erhöht.
(Bild: Campana & Schott)

Seit 2016 sei der Social-Collaboration-Reifegrad fast jedes Jahr gestiegen. Von anfänglich 3,48 Punkten (von maximal 7 Punkten) im Jahr 2016, liegt er 2020 bei 4,08 Bewertungspunkten. Ein hoher Reifegrad ist Indikator dafür, dass häufig aktuelle digitale Technologien für Information und Kommunikation zum Einsatz kommen. Bei einem niedrigen Reifegrad werden weitgehend analoge Lösungsansätze oder etablierte Technologien wie E-Mails verwendet. Anhand dieses positiven Datenverlaufs zeigt die Studie, dass sich die Zusammenarbeit in Unternehmen zunehmend digitalisiert. „Dass die Einführung von Social-Collaboration-Tools sinnvoll für Unternehmen ist, beweist der Zusammenhang zwischen Social-Collaboration-Reifegrad und Arbeitseffizienz der Mitarbeiter“, sagt Boris Ovcak, Director Social Collaboration bei Campana & Schott. „Ein hoher Reifegrad geht ganz klar mit einer erhöhten Effizienz einher. Diese Korrelation ließ sich über die vergangenen fünf Jahre stetig nachweisen. So profitieren Unternehmen ganz konkret davon, wenn Mitarbeiter intensiv Social-Collaboration-Tools verwenden.“

Firstline und Information Worker

Der Reifegrad bei Firstline Workern, ist mit 3,77 Punkten insgesamt niedriger als bei Information Workern, also Arbeitnehmern, die vorwiegend im Büro arbeiten (4,20 Punkte). Dies soll vor allem an der mangelnden Ausstattung liegen: Laut Campana & Schott fehlt jedem sechsten Firstline Worker ein digitales Endgerät, um auf Social-Collaboration-Tools zuzugreifen. Wodurch sie um rund 26 Prozent ineffizienter sein sollen als Kollegen, die solche Tools nutzen können. 86 Prozent der Mitarbeiter ohne Zugriff auf Social-Collaboration-Tools sind unzufrieden mit der Ausstattung ihres Arbeitsplatzes.

KI als Türöffner

In fast zwei Dritteln der befragten Unternehmen werden Social-Collaboration-Tools durch agile Methoden, vor allem Scrum, Kanban und Design Thinking, unterstützt. Knapp 70 Prozent sind der Meinung, dass dies die Effizienz der Mitarbeiter-Kommunikation erhöht und sich Projekte schneller anpassen lassen. Als größte Hindernisse für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Business Intelligence oder Analytics-Tools gelten IT-Security, Datenschutz und die hohe Komplexität der Technologie. So verzichten fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer auf den Einsatz von KI.

Dennoch sehen die Studienteilnehmer aufkommende Einsatzszenarien im Bereich KI. Chatbots, Anwendungen für Computer Vision und maschinelle Übersetzung werden zunehmend bedeutsamer. Folglich sehen Unternehmen künftig vor allem intelligente Software-Lösungen, die mit wenig Aufwand einen hohen Nutzen versprechen. Auch Prof. Dr. Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt sieht die Bedeutung von KI: „Algorithmen im Bereich der KI sind auf dem besten Weg zur Basistechnologie des 21. Jahrhunderts zu werden. KI-Anwendungen können dabei zu Kosten- und Zeiteinsparungen, aber auch zu besseren Entscheidungen führen.“

Anhand des Datenverlaufs verzeichnet Campana & Schott einen deutlichen Fortschritt bei der Einführung und Nutzung von Social-Collaboration-Tools. Immer mehr Initiativen seien zumindest geplant, häufiger schon gestartet oder bereits abgeschlossen.

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH