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DigitalPakt Schule „Die Lehrer ticken anders“

Autor: Melanie Staudacher

Mit dem DigitalPakt Schule stehen den Schulen finanzielle Mittel bereit, um die Digitalisierung voranzutreiben. Eine Chance, aber auch eine Herausforderung für Systemhäuser. Was Sie bei den Projekten beachten sollten, erfahren Sie hier.

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Wollen Systemhäuser in den Bildungsmarkt einsteigen, sollten sie sich bewusst machen, dass es bei den Projekten um mehr als reine Technik geht.
Wollen Systemhäuser in den Bildungsmarkt einsteigen, sollten sie sich bewusst machen, dass es bei den Projekten um mehr als reine Technik geht.
(Bild: © archideaphoto - stock.adobe.com)

Overhead-Projektor, Kreidetafel und Stift und Papier: Diese Werkzeuge von Lehrern und Schülern verschwinden nach und nach aus den deutschen Klassenzimmern und machen Platz für digitale Whiteboards, Schul-Clouds und mobile Endgeräte. Denn dank des DigitalPakt Schule stehen finanzielle Fördermittel von Bund und Ländern zur Verfügung, um Schulen damit auszustatten. Doch die Aufgaben, die mit den Projekten auf Systemhäuser und IT-Dienstleister zukommen, beinhalten mehr als nur die Bereitstellung von Soft- und Hardware.

Voraussetzung der Förderung

Dirk Hetterich, Director Public bei Lancom
Dirk Hetterich, Director Public bei Lancom
(Bild: LANCOM)

Erster Schritt und zwingend notwendig, bevor die Projekte starten können, ist der sogenannte Medienentwicklungsplan. Dieser ist die Voraussetzung für die Förderung durch den DigitalPakt und soll den Ist-Zustand sowie die gewünschten Ziele der Schulen beschreiben. Doch die bestehende digitale Ausstattung ist erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich, was die Erstellung des Plans erschwert, wie Dirk Hetterich, Director Public bei Lancom, erklärt: „Vom privat gespendeten Home-Router über von Elterninitiativen beschaffte Geräte unterschiedlichster Hersteller bis hin zu dem vom Sachaufwandsträger verbauten „offiziellen“ Netzwerkequipment war schon alles dabei.“ Im besten Fall kann diese heterogene Gerätelandschaft zusammengeführt werden. Meist müsse jedoch die gesamte Netzwerkinfrastruktur neu beschafft werden, um einen zuverlässigen Betrieb und eine DSGVO-konforme Nutzung zu ermöglichen. Dadurch gestaltet sich der Beantragungsprozess für die Fördermittel sehr komplex. Wie die Stadt Böblingen beispielsweise berichtet, haben die dortigen Schulen mit der Erstellung der Pläne im September 2019 begonnen. Erst im Juli 2020 war die Mehrzahl der Schulen fertig.

Technik ist nicht alles

Patric Raiber, Head of Sales Public Sector bei ACP
Patric Raiber, Head of Sales Public Sector bei ACP
(Bild: ACP)

Die technischen Komponenten, die im Medienentwicklungsplan aufgeführt werden, müssen auch in das pädagogische Konzept der Schule integriert werden – für viele Schulen eine Herausforderung. ACP, ein Systemhaus und IT-Dienstleister mit Hauptsitz in München, betreut seit vielen Jahren Schulen bei der Digitalisierung und hat sich bereits das notwendige Knowhow für den Bildungssektor angeeignet. Dennoch integriert ACP zusätzliche Berater mit pädagogischem Hintergrund in die Projekte im Rahmen des

Günther Schiller, Vorstand bei ACP
Günther Schiller, Vorstand bei ACP
(Bild: ACP)

DigitalPakt, berichtet Patric Raiber, Head of Sales Public Sector bei ACP. „Wenn ein Unternehmen zum Beispiel ein Storage-System benötigt, ist es relativ egal, aus welcher Branche es kommt. Bei einer Schule jedoch macht es meiner Meinung nach nur Sinn, in ein Projekt reinzugehen, wenn man das entsprechende Knowhow zu den spezifischen Herausforderungen hat“, erläutert Günther Schiller, Vorstand bei ACP. Es sei eine zwischenmenschliche Herausforderung für die Systemhäuser, den Schulen alles richtig zu vermitteln. „Die Lehrer ticken anders“, bestätigt Raiber.

How to: DigitalPakt

Eugen Gilgenberg, Account Maager bei AirITSystems
Eugen Gilgenberg, Account Maager bei AirITSystems
(Bild: AirITSystems)

Wie kommen IT-Dienstleister an die Projekte? Die Vergabe der DigitalPakt-Projekte läuft über öffentliche, neutrale Ausschreibungen. „Man kann natürlich selbst Vorarbeit leisten, den Kunden intensiv beraten und die Vor- und Nachteile der Hersteller aufzeigen“, sagt Eugen Gilgenberg, Account Manager bei AirITSystems. „Hier sind weitere Möglichkeiten sehr begrenzt.“ Das Team von ACP hingegen hat mit Werbung via E-Mail und Social Media auf sich aufmerksam gemacht. Bei den Schulträgern sind verschiedene Kriterien für die Entscheidung ausschlaggebend. Das Angebot muss vor allem den Anforderungen des Medienentwicklungsplans entsprechen. Aber trotz finanzieller Unterstützung spielt auch der Preis eine große Rolle, und oft bekommt das Systemhaus mit dem angemessensten Preis den Zuschlag. Auch die Größe der zu betreuenden Schule macht hinsichtlich ihrer Anforderungen einen Unterschied. Raibers Erfahrungen zeigen, dass kleine Schulen meist einen Dienstleister benötigen, der den kompletten Support übernehmen kann und außerdem Schulungen zu Hard- und Software anbietet.

Entscheidend bei der Umsetzung der Projekte ist laut Gilgenberg vor allem viel Flexibilität für individuelle Konzepte. „Die Digitalisierung, die gerade passiert, ist ein Paradigmenwechsel“, stellt Raiber fest. Lehrer, die möglicherweise jahrzehntelang mit der klassischen Ausstattung gearbeitet haben, müssen jetzt umdenken. Laut dem Manager ist es wichtig, Geduld mitzubringen und den Lehrern ein technisches Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben.

Ergänzendes zum Thema
Kleine Schulen bleiben auf der Strecke

Der DigitalPakt Schule kommt nur schleppend voran. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde bis Ende August eine Viertelmilliarde Euro von den zur Verfügung stehenden fünf Milliarden für Schulen bewilligt. Doch das entspricht erst einem Anteil von fünf Prozent. Günther Schiller, Vorstand bei ACP, sieht neben der komplexen Antragstellung noch einen weiteren Grund, warum bisher so wenig Geld beantragt wurde: Für die Erstellung des Medienentwicklungsplans benötigen die meisten Schulen Unterstützung von Systemhäusern. Die Beratung ist mit einem sehr hohen Aufwand an Zeit und Ressourcen verbunden, und erst danach erfolgt die öffentliche Ausschreibung der Projekte. „Nur weil ein Systemhaus die Beratung im Vorfeld übernommen hat, wird es nicht automatisch auch das Schulprojekt betreuen,“ erläutert Schiller. Dadurch hätten kleine Schulen, die nicht zu einem großen Schulträger gehören und somit weniger rentabel sind, Schwierigkeiten einen IT-Dienstleister zu finden. Systemhäuser sollten sich also fragen, ob sich die Investition lohnt, da das Risiko besteht, den Auftrag trotz Beratung nicht zu bekommen. Trotzdem betreut ACP auch viele kleinere Schulen. „Wir als Unternehmen fühlen uns verpflichtet zu helfen. Vor allem die kleinen Schulen haben Bedarf und sind sehr dankbare Kunden.“

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH