Gebrauchtsoftware-Händler U-S-C im Interview und Entgegnung von Microsoft Die Hürden und Chancen des Gebrauchtsoftware-Handels
Peter Reiner, Geschäftsführer von U-S-C, bricht im Gespräch mit IT-BUSINESS eine Lanze für Second-Hand-Software. Doch es gibt für Reseller auch Stolperfallen. Microsoft-Justitiarin Dr. Swantje Richters erläutert, wie Microsoft mit dem Thema Gebrauchtsoftware umgeht und warum sich der Hersteller zur "Aufklärung" verpflichtet sieht.
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Peter Reiner, Geschäftsführer des Händlers U-S-C, der gebrauchte und neue Software anbietet, ist überzeugt, dass er wegen des von Herstellerlinie abweichenden Vertriebsmodells den Microsoft-Partnerstatus verlor. Im Interview schildert er die Hintergründe aus seiner Sicht.
ITB: Sind die Zeiten für Verkäufer gebrauchter Software härter geworden, seitdem einige Gerichtsurteile in erster Linie die Hersteller erfreuen?

Reiner: Es wird derzeit für Weiterverkäufer gebrauchter Software nur scheinbar schwieriger. Denn es existiert keineswegs eine vermeintlich neue Rechtslage, durch das etwa unser Geschäftsmodell gefährdet wäre. U-S-C vertreibt gebrauchte Lizenzen im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern immer nach Herstellervorgaben und überträgt in einem zertifizierten Übertragungsprozess die Softwarelizenzen auf den neuen Eigentümer. Wir garantieren dadurch schon heute 100-prozentige Rechtssicherheit. Vielmehr erschwert die bewusste Verunsicherung der Käufer durch die Hersteller den Alltag erheblich.
ITB: Inwiefern?
Reiner: Das betrifft beispielsweise die tendenziöse und fadenscheinige Auslegung der Rechtslage durch die Hersteller. So klammert man sich beispielsweise an einen bloßen Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt zur Ablehnung von Prozesskostenbeihilfe aus dem Mai dieses Jahres, in dem es um COAs, Echtheitszertifikate, ging. Dieser Beschluss (Aktenzeichen: 11 W 15/09) wird als richtungweisend dafür verkündet, dass über den Handel mit COAs hinaus der ganze Handel mit Volumenlizenz unrechtens wäre. Einen Monat später fällte dasselbe OLG dagegen ein Urteil, in dem die Richter den Vertrieb eines gebrauchten PCs mit COA als Lizenz-Sticker erlaubten und schmetterten die Einsprüche eines Herstellers ab. Dieser Entscheidung (Aktenzeichen: 11 U 71/08) zufolge kann der Endkunde mit einer beliebigen CD die Software wieder installieren, wenn diese gelöscht war. Dieses Urteil interpretiere ich als richtungsweisend.
ITB: Was bedeuten die Entscheidungen?
Reiner: Hier zeigt sich unter anderem beispielhaft, wie unterschiedlich die Rechtsprechung ausfallen kann. Außerdem gibt es grundsätzlich kein explizites OLG-Urteil, das sich dem Teilverkauf von Lizenzen aus Open- oder Select-Verträgen beispielsweise von Mirosoft widmet. Dennoch vertreibt U-S-C zugunsten der Rechtsicherheit nach wie vor nur unaufgesplittete Volumenlizenzen.
ITB: Welche weiteren Hürden existieren?
Reiner: Beispielsweise rät Microsoft Kunden bei Interesse an Gebrauchtsoftware, sich an autorisierte Partner zu wenden. An diesem Punkt beißt sich jedoch die Katze in den Schwanz. Nachdem U-S-C seit Anfang 2009 wegen seiner gebrauchten Software nicht mehr den Status „Microsoft Gold Certified Partner“ führen darf, kenne ich keinen weiteren Microsoft-Partner, der Used-Lizenzen anbietet – zumindest offiziell. Durch eine AGB-Klausel in neueren Volumenverträgen Microsofts wird außerdem der Verkauf erschwert. Darin wird die Lizenzübertragung an Dritte verboten. Weil bislang keine Klarheit darüber existiert, ob ein solches Verbot in den AGBs überhaupt rechtswirksam ist, sind uns bei diesen Verträgen die Hände gebunden. Wir lassen dies derzeit auf europäischer Ebene klären.
ITB: Wie verloren Sie den Partnerstatus?
Reiner: Im Oktober 2008 fand ein Gespräch mit Microsofts Channel-Verantwortlichen für Deutschland über unsere Zusammenarbeit statt. Im Vorfeld hatten wir einem Microsoft-Reseller einen Enterprise-Agreement-Volumenvertrag streitig gemacht. Dem Kunden ermöglichten wir bei 1.500 Lizenzen einen Preisvorteil von rund 200.000 Euro nur durch den Einsatz neuer, unbenutzter OEM-Lizenzen. Der EMEA-Channel für OEM unterstützte uns bei dem Verkauf, für den wir sogar eine Auszeichnung und einen Sonderbonus erhielten. Wir kollidierten aber mit dem Microsoft-Kanal in Deutschland, der Enterprise-Agreement-Verträge anstrebte. Dieser Deal war wahrscheinlich der Tropfen, der das Fass für uns hierzulande überlaufen ließ.
ITB: Das Fass, das gefüllt war mit Bedenken gegen Ihre Angebote?
Reiner: Wir störten meines Erachtens grundsätzlich in der Partnerlandschaft, die dazu verpflichtet ist, dem Kunden nur solche Lizenzangebote zu machen, die die Umsatzvorgaben erfüllen. Allerdings ist die Kombination von gebrauchter Software, neuer Software als OEM und Volumenlizenzen aus meiner Sicht erst das optimale Angebot. Dadurch wurden wir zunehmend zur direkten Konkurrenz für Mirosoft-Partner, vor allem für solche ohne Gebrauchtsoftware-Angebot. Gemäß dem Gespräch im Oktober des vergangenen Jahres hätten wir den Vertrieb gebrauchter Software unterlassen müssen. Das wollten wir nicht erfüllen. Trotzdem kündigten wir den Vertrag nicht selbst und aktiv. So beendete Microsoft unseres Wissens nach erstmals die Partnerschaft mit einem Goldpartner – ohne rechtlichen Anlass, wie wir meinen. Nach der Trennung von uns ist die Partnerlandschaft offiziell wieder sauber. Zumal Microsoft Befürchtungen hegte, dass unser System, das uns beispielsweise im vierten Quartal 2008 ein Umsatzplus im Quartalsvergleich von 40 Prozent bescherte, auch anderen Partnern gefallen könnte.
ITB: Welche Nachteile hat der Verlust der Partnerschaft für Sie?
Reiner: Ohne Partnerschaft büßten wir natürlich auch Privilegien ein, wie Werbekostenzuschüsse oder weitere Marketingunterstützung. Daneben verschaffte uns der Status und die SAM-Zertifizierung Zugang zu wichtigen Informationen von Microsoft, die wir aber dadurch auch heute besitzen. Natürlich steht unseren Kunden weiterhin das gesamte Microsoft-Lizenzportfolio und auch die günstigeren OEM-Lizenzen zur Verfügung, die Microsoft-Partnerhändler – so wenigstens unsere Erfahrung – wohl nicht anbieten sollen.
ITB: Gibt es auch Vorteile?
Reiner: Unsere jahrelange Microsoft-Partnerschaft verdeutlicht unsere fachliche Kompetenz und hohe Qualität. Seit 2009 sind wir unabhängiger zertifizierter Lizenzgutachter und Mitglied des Bundesfachverbandes der IT-Sachverständigen und Gutachter. Das ist von entscheidendem Vorteil, denn oft wollen die Kunden ihre Lizenzsituation von einem unabhängigen Gutachter beurteilen lassen und nicht von einem Hersteller-Partner. Wir hatten in den ersten Monaten einen enormen Zuwachs in der Lizenzberatung. Denn Kunden können nun mehr denn je darauf vertrauen, dass wir – weil wir keine Absatzvorgaben für Neuware verfolgen müssen – noch genauer ihre Lizenzierungsbedürfnisse erfüllen.
ITB: Welche Strategie verfolgen Sie nun?
Reiner: Wir wollen ständig unser Portfolio erweitern. Wir sind mittlerweile Citrix-Partner und haben neben der Lizenzberatung einen weiteren wichtigen Bereich etabliert. Über unseren U-S-C-Shop im Web können nun Wiederverkäufer und Endverbraucher gebrauchte und günstige neue Lizenzen kaufen. Wir fordern dabei keine Mindestbestellmenge vom Kunden, wie mancher Wettbewerber.
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