Google Translate im Test Deutsche Sprache, schwere Sprache

Von Ann-Marie Struck

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Wie viele Sprachen sprechen Sie? Der durchschnittliche Europäer spricht mindestens zwei. Um im Ausland auch ohne Sprachkenntnisse zurecht zukommen, gibt es Übersetzungssoftware. Diese haben laut einer Umfrage von Preply mit einigen Sprachen noch Probleme.

Apps für maschinelle Übersetzungen gibt es viele. Doch jede Sprache hat seine Tücken.
Apps für maschinelle Übersetzungen gibt es viele. Doch jede Sprache hat seine Tücken.
(© gesrey - stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz soll das Leben erleichtert. Ein aktueller Trend im ITK-Channel: synchrone Übersetzungen. Diverse UCC-Anbieter haben die Funktion bereits für ihre Videokonferenz-Lösungen gelauncht, um internationale und bilinguale Meetings zu vereinfachen. Doch kann eine solche Software wirklich mit den Fähigkeiten von menschlichen Dolmetschern mithalten?

Vorreiter mit Übersetzungssoftware ist Google. Seit Google Translate 2006 auf den Markt kam, hat sich die Software deutlich verbessert. Mit monatlich 338 Millionen Suchanfragen gehört sie zu den weltweit beliebtesten Übersetzungs-Tools. Eine Studie der Online-Sprachlernplattform Preply zeigt, wie genau Google 2022 die bekanntesten europäischen Sprachen übersetzen kann. Untersucht wurden Englisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch. Um die Genauigkeit der maschinellen Übersetzung zu prüfen, haben zweisprachige Sprachlehrer die Übersetzungen gecheckt. Jede Sprache wurde dann anhand der Anzahl falscher Wörter, der Lesbarkeit und der Genauigkeit bewertet, um so die europäischen Sprachen zu ermitteln, die für Google am schwierigsten zu übersetzen sind.

Es hapert mit Italienisch und Deutsch

Der Studie zufolge ist die größte Herausforderung für Google Translate mit einer Genauigkeit von 94 Prozent Italienisch. Im Durchschnitt kommen auf 10 ins Italienische übersetzte Wörter 0,59 Fehler und eine niedrige Bewertung der Lesbarkeit von 4,5 von 10, was auf eine schlechte Satzstruktur zurückzuführen ist.

Deutsch folgte mit einer Genauigkeit von 95 Prozent, da im Durchschnitt 0,54 Übersetzungsfehler pro 10 Wörter auftreten. Preply zufolge erfordert Deutsch ähnlich wie andere europäische Sprachen ein gutes Verständnis des Kontexts, in dem es gesprochen wird. Dieser wird vom Google-Algorithmus teilweise nicht gut genug verstanden.

Spanisch war für Google die am zweitleichtesten zu übersetzende Sprache mit einer hohen Trefferquote von 97 Prozent. Es traten nur 0,34 Fehler pro 10 übersetzte Wörter auf und die Übersetzungen wurden mit einer beeindruckenden Lesbarkeitsbewertung von 7,4 von 10 bewertet.

Am besten schneidet die Software mit Englisch ab. Nur 0,28 von 10 übersetzten Wörtern sind falsch. Trotz des Fehlermangels schnitt die durchschnittliche Lesbarkeit aber nur mit 5,74 von 10 Punkten in Bezug auf Genauigkeit und Klarheit nicht so gut ab. Dass Google Translate Englisch so gut beherrscht, liegt der Studie nach daran, dass es die am häufigsten verwendete Sprache im Internet ist. Der Algorithmus von Google hat daher Zugang zu mehr englischen Dokumenten als zu Dokumenten anderer Sprachen und kann aus diesen Inhalten lernen.

Maschinen verstehen Umgangssprachen nicht

Des Weiteren hat die Studie auch die Textarten genauer untersucht. Für jede Sprache wurden mehrere Inhalte aus drei verschiedenen Kategorien übersetzt. Ihre Genauigkeit wurde dann von Sprachexperten bewertet. Zu den Textarten zählen:

  • Literatur: Auszüge aus Romanen wie Cervantes „Don Quijote“ oder Emily Brontës „Wuthering Heights“
  • Geschäftliche Texte: Inhalte von den größten Unternehmenswebsites der einzelnen Länder
  • Umgangssprachliche Ausdrücke: Alltägliche Redewendungen aus dem jeweiligen Land, wie Hals- und Beinbruch

Der Studie zufolge hapert es am meisten bei umgangssprachlichen Ausdrücken. Die Genauigkeit liegt dabei bei 72 Prozent, gefolgt von literarischen Texten mit 94 Prozent. Geschäftliche Texte übersetzt die Software mit 96 Prozent Genauigkeit. Das Problem mit der Umgangssprache liegt in den sprachlichen Nuancen. Für das KI-Tool ist es schwierig, die einzigartigen menschlichen Nuancen zu verstehen, die erforderlich sind, um die Bedeutung regionalspezifischer Wörter und Sätze in die Zielsprache zu übertragen.

Von den vier untersuchten Sprachen war die Übersetzung literarischer Texte ins Englische für Google Translate mit einer Trefferquote von 97 Prozent am einfachsten. Dagegen erwies sich die Übersetzung englischer Umgangssprache in andere Sprachen am schwierigsten; die Genauigkeit lag bei nur 72 Prozent.

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