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Bitkom-Umfrage Der Traum vom Smart Home

Autor: Heidemarie Schuster

Von einem vernetzten Zuhause träumen laut einer Bitkom-Studie 49 Prozent der Deutschen und mehr als ein Drittel nutzt auch schon Smart-Home-Anwendungen. Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz sind die häufigsten Beweggründe für ein smartes Zuhause.

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25 Prozent der vom Bitkom Befragen Personen aus Deutschland sind bereit, für ein Smart Home mehr Miete zu bezahlen.
25 Prozent der vom Bitkom Befragen Personen aus Deutschland sind bereit, für ein Smart Home mehr Miete zu bezahlen.
(Bild: © Black Jack - stock.adobe.com)

Staubsaugerroboter, intelligente Heizkörper oder vernetzte Sicherheitssysteme – die Deutschen wohnen im Jahr 2020 so smart wie noch nie. 37 Prozent der vom Bitkom befragten 1.465 Personen in Deutschland nutzen Smart-Home-Anwendungen. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2019 (31 %) und 11 Prozent mehr als 2018 (26 Prozent %). 49 Prozent würden am liebsten alle technischen Geräte im Haushalt miteinander vernetzen und digital steuern.

„Das Zuhause der Zukunft ist smart. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Lampe, die per App gesteuert wird, oder um einen Rasenmäher, der autonom das Gras kurz hält – es geht um die durchgängige Vernetzung der Geräte untereinander und ihre Steuerung über eine gemeinsame Plattform“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Was wünschen sich die Verbraucher?

Die Offenheit der Verbraucher für Smart-Home-Lösungen ist der Umfrage zufolge groß und viele können sich vorstellen, sie auch in sehr persönlichen Bereichen einzusetzen: So würden es 72 Prozent gut finden, wenn das Zuhause beim Aufstehen automatisch den Kaffee zubereitet. 48 Prozent würden sich einen Backofen anschaffen, der lernt, wie kross die Bewohner ihren Braten mögen. 27 Prozent würden in einem Zuhause leben, das Paketboten und Handwerker erkennt und sie automatisch einlässt, wenn niemand anwesend ist. Jeder Sechste (12 %) könnte sich sogar vorstellen, Kinder oder ältere Menschen von einem intelligenten Zuhause betreuen zu lassen, das sie zum Beispiel unterhält, ihnen Essen zubereitet oder sicherstellt, dass sie sich nicht verletzen.

Smarte Leuchten sind der Renner

Intelligente Lampen und Leuchten, die von 23 Prozent der Befragten genutzt werden, sind die meist verwendeten Smart-Home-Lösungen. 15 Prozent nutzen intelligente Heizkörperthermostate, 13 Prozent verwenden smarte Steckdosen. Auch im Bereich Sicherheit sind digitale Technologien beliebt: So besitzen 18 Prozent der Befragten eine intelligente Alarmanlage und 16 Prozent ein intelligentes System zur Videoüberwachung. Auch die übrigen Bereiche von Haus und Garten werden zunehmend smart: 11 Prozent lassen ihre Rollläden automatisch öffnen und schließen, 9 Prozent besitzen einen Staubsaugerroboter, 8 Prozent smarte Gartengeräte wie autonome Rasenmäher oder digital gesteuerte Rasensprenger.

Mehr Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz

Zu den Hauptgründen für die Nutzung von Smart-Home-Anwendungen zählen mehr Komfort und Lebensqualität (72 %), mehr Sicherheit (65 %) sowie der Wunsch, energieeffizienter zu leben (52 %). Teilweise gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Fast jede dritte Smart-Home-Nutzerin (28 %) will mithilfe der Anwendungen Geld sparen – bei den Männern sagt dies jeder Fünfte (20 %). Zugleich haben mit 13 Prozent mehr als doppelt so viele Männer Spaß daran, sich mit der Technik zu beschäftigen – bei den Frauen sagen dies lediglich 5 Prozent. Zwar geben insgesamt nur 6 Prozent der Nutzer an, mithilfe von Smart-Home-Anwendungen länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu wollen, bei Nutzern jenseits der 65 sind es jedoch 38 Prozent.

„Ein smartes Zuhause kann ältere Menschen effektiv unterstützen und ihnen ermöglichen, länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Auch wenn die Berührungsängste mit dem Alter steigen: Gerade für Senioren haben Smart-Home-Lösungen enorm viel zu bieten“, betont Rohleder.

Die meisten Verbraucher sehen in Smart-Home-Lösungen zudem einen guten Weg, um nachhaltiger und klimafreundlicher zu leben. 60 Prozent der Menschen in Deutschland sind grundsätzlich der Ansicht, dass Smart-Home-Anwendungen die Energieeffizienz verbessern können. 66 Prozent meinen, es sollten keine neuen Gebäude mehr gebaut werden, die nicht über eine intelligente und umweltschonende Technologie verfügen. Diejenigen Befragten, die in den kommenden 12 Monaten den Kauf von Smart-Home-Lösungen planen – unabhängig davon, ob es sich um Erst- oder Folgeanschaffungen handelt – setzen ebenfalls vor allem auf ein besseres Energiemanagement: Je 35 Prozent aus dieser Gruppe wollen Anwendungen zum smarten Heizen oder Beleuchten kaufen, gefolgt von intelligenten Verbrauchszählern (29 %) und Funk-Steckdosen (23 %).

Anschaffungskosten schrecken ab

Befragte, die noch keine Smart-Home-Anwendung einsetzen, äußern häufig finanzielle oder technische Bedenken: 42 Prozent halten die Geräte für zu teuer, 41 Prozent die Bedienung für zu kompliziert. 34 Prozent fürchten Hacker-Angriffe und 33 Prozent haben Angst vor einem Missbrauch persönlicher Daten. 12 Prozent haben bisher keine Smart-Home-Anwendungen, weil sie diese nicht selbst reparieren oder warten könnten.

Zwar hatten 59 Prozent in den vergangenen 12 Monaten keinerlei Probleme mit ihren Smart-Home-Technologien und 23 Prozent hatten selten Ausfälle. Aber 12 Prozent berichten von gelegentlichen und 2 Prozent sogar von häufigen Schwierigkeiten beim Einsatz smarter Technologien in ihren vier Wänden. Zu den häufigsten Gründen für die Ausfälle zählen eine Störung der Internetverbindung (90 %), eine Störung im Gerät (43 %) oder ein Stromausfall (40 %).

Und was ist mit Sprachassistenten?

Schon jeder zweite Nutzer (52 %) steuert sein Smart Home per Sprachbefehl – darunter eine große Mehrheit von 85 Prozent per stationärem Sprachassistenten wie Amazon Echo, Apple HomePod oder Google Home. Drei Viertel (74 %) derjenigen, die per Sprache steuern, tun dies per Sprachassistent auf dem Smartphone. Die übrigen verwenden den Sprachassistenten auf der Smartwatch (12 %) oder ein Smart Display wie Amazon Echo Show oder Google Nest Hub (6 %). Die meisten Smart-Home-Besitzer bedienen ihre Anwendungen jedoch noch per Fingertipp in einer Smartphone-App (78 %), jeder Dritte (31 %) nutzt eine Fernbedienung.

„Das Smartphone ist nach wie vor die wichtigste Steuerungszentrale für das Smart Home“, erläutert Rohleder. „Doch die Sprachsteuerung kann die Bedienung der Geräte deutlich vereinfachen. Gerade ältere oder mobil eingeschränkte Menschen können so in ihrem Alltag unterstützt werden.“

Gleichwohl sind es aktuell eher Jüngere, die Sprachbefehle verwenden: 71 Prozent der 16- bis 29-jährigen Smart-Home-Nutzer tun dies, jeder zweite 30- bis 49-jährige (50 %) und 47 Prozent der 50- bis 64-jährigen. Bei den über 65-jährigen sind es mit 33 Prozent deutlich weniger.

„Wir müssen die Berührungsängste gegenüber dieser noch jungen Technologie abbauen und den Zugang zu diesem Teil der digitalen Welt gerade auch für ältere und weniger technikaffine Menschen erleichtern“, betont Rohleder.

Die Zukunft ist smart

63 Prozent der vom Bitkom Befragen gehen davon aus, dass Smart-Home-Anwendungen in ein paar Jahren in jedem Haushalt zu finden sein werden. Bei jedem Dritten (33 %) werden Smart-Home-Anwendungen eine Rolle spielen, wenn eine Entscheidung für die nächste Wohnung oder das nächste Eigenheim getroffen werden muss. Jeder Vierte (25 %) ist sogar bereit, für Wohnungen mit Smart-Home-Ausstattung grundsätzlich mehr Miete zu bezahlen.

„Smart-Home-Lösungen steigern den Komfort immens – und sie schonen häufig Umwelt und Geldbeutel. Wir müssen dafür sorgen, dass eine Smart-Home-Ausstattung möglichst bald zum Standard gehört“, erklärt Rohleder.

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