Zum 14. Mal kamen 100 Führungsköpfe der IT-Branche auf dem malerischen Petersberg zusammen. Unter dem Motto „Rethink. Shape. Supercharge.“ wurde eifrig in zahlreichen Keynotes und Roundtables über KI-Mehrwerte für MSP und digitale Souveränität debattiert.
Der Service Provider Summit der Vogel IT-Akademie ist seit Jahren der Hotspot der Service Provider Community.
(Bild: Vogel IT-Medien)
Während Tech-Giganten aus den USA und China massiv in Künstliche Intelligenz investieren, bleibt Europa bislang zurückhaltend – doch jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt. Der Service Provider Summit stellt diese Dringlichkeit in den Mittelpunkt und informierte darüber, wie MSP am besten von der Technologie profitieren können.Vertriebliche und außenpolitische Schützenhilfe erhalten europäische Service Provider derzeit durch die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Verbale Drohungen und die US-Handelszollpolitik lassen viele Kunden vermehrt über die digitale Souveränität und Alternativen zu den Angeboten der US-Hyperscaler nachdenken.
Insgesamt 100 Vertreter der Service Provider Community kamen am 15. und 16. Mai zum Gipfeltreffen im Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg zusammen. Die Teilnehmer lauschten den Keynotes und beteiligten sich an diversen Workshops und Roundtables. Ein beherrschendes Thema war natürlich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und wie sie zum Umsatztreiber für Service Provider werden kann. Denn Kunden brauchen mehr als nur GPU as a Service. Auch über die Entwicklung neuer Strategien in den Unternehmen muss mit dem KI-Boom nachgedacht werden, wie Julian Kawohl (Ecosystemizer, Henrik Hasenkamp (Gridscale) und Dries Faems (WHU) in ihrem Roundtable zeigten.
Die KI macht Fehler, Menschen aber auch
Damit das gelingt, müssen überzeugende Business-Cases gefunden und Bedenken für den KI-Einsatz ausgeräumt werden. Insbesondere im Mittelstand muss dazu viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
In seinem Vortrag mit dem provokanten Titel „Souveräne KI oder digitales Kolonialgut? Letzte Chance oder Untergang?“ machte Yves Sandfort, CEO von Comdivision, deutlich: Angst ist kein überzeugendes Verkaufsargument, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Zwar sei bekannt, dass KI-Systeme halluzinieren können und neue, autonome KI-Agenten potenziell ausbrechen – doch solange der Mensch selbst das größte Sicherheitsrisiko im Unternehmen darstellt, gebe es noch viel grundlegende Arbeit zu leisten.
Ein zentrales Thema beim zunehmenden Einsatz von KI, so Sandfort, ist vor allem die Data Security. Viele Kunden seien bereit, dafür gutes Geld zu bezahlen. Für Service Provider eröffnen sich dadurch attraktive Geschäftschancen.
Dabei, so betonte er, gehe es den Kunden vor allem um den konkreten Mehrwert, den KI-Technologie schaffen kann – nicht um technische und moralische Belehrungen darüber, welche Lösung die richtige sei. Comdivision reagiert auf diese Marktentwicklung mit dem gezielten Ausbau des eigenen KI-Knowhows und entwickelt mittlerweile eigene Lösungen, überwiegend an einem neuen Standort in Dubai.
Europäische KI-Alternativen
Neben den bekannten großen Sprachmodellen rücken zunehmend auch europäische Alternativen in den Fokus. Dr. Christoph Schmidt vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) präsentierte in diesem Zusammenhang das multimodale KI-Modell Teuken-7B – eine Open-Source-Initiative, die speziell im europäischen Kontext entwickelt wurde.
In seinem Vortrag betonte Schmidt, dass viele der gängigen Modelle, wie etwa ChatGPT, einen kulturellen Bias aufweisen – bedingt durch die überwiegend englischsprachigen Trainingsdaten. Teuken-7B wurde daher bewusst mit Quellen aus 24 europäischen Sprachen trainiert, um ein ausgewogeneres Sprachverständnis zu ermöglichen.
Das Modell steht frei über die Plattform Hugging Face zur Verfügung und soll laut Schmidt einen wichtigen Beitrag zur digitalen Souveränität Europas im Bereich generativer KI leisten.
Der Tanz zwischen Abgrenzung und Kooperation
Die großen internationalen Cloud-Anbieter wie AWS, Google und Microsoft haben in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und teilen sich fast zwei Drittel des Cloud-Marktes. Unterstützt durch ambitionierte Investitionsprogramme wie Stargate und politische Rahmenbedingungen wie US-Handelszölle, konnten sie ihre Position weltweit festigen. Diese Dynamik stellt europäische Service Provider vor neue Herausforderungen – eröffnet ihnen aber auch Chancen zur Differenzierung.
In einer von Michael Hase (EuroCloud) moderierten Diskussionsrunde sprachen führende Vertreter europäischer Anbieter über ihre Strategien im Wettbewerb mit den großen US-Plattformen: Melanie Schüle (Bechtle Clouds), Falk Weinreich (OVHcloud), Markus Noga (Ionos), Stephan Ilaender (Stackit) und Thomas Weber (Open Telekom Cloud).
Dabei herrschte Einigkeit darüber, dass sich die europäischen Anbieter keineswegs verstecken müssen. „Wir sind in der Lage, fast alle Technologien und Anforderungen zu erfüllen. Entweder mit Funktionen der jeweiligen Cloud-Plattformen oder durch Einsatz von Open Source in einem kontrollierten containerisierten Umfeld“, betonte beispielsweise Noga selbstbewusst.
Stand: 08.12.2025
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Auch Stephan Ilaender berichtete von einem Rennen mit den Hyperscalern und zeigte sich überzeugt, dass Stackit – gestützt von der Investitionskraft der Schwarz-Gruppe – weiter aufholen und künftig vergleichbare Angebote bereitstellen werde. Die Vision: ein europäischer Hyperscaler mit Vertrauensvorsprung.
Vertrauen war ohnehin ein zentrales Thema der Diskussion. Gerade im europäischen Kontext sahen die Panel-Teilnehmer hier einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil. Falk Weinreich berichtete zudem von wachsendem Interesse – auch im Bereich Künstliche Intelligenz – und stellte fest, dass die Lücke zu den US-Anbietern zunehmend kleiner werde. Melanie Schüle rief dazu auf, das aktuelle Momentum zu nutzen, Kunden gezielt aufzuklären und Kräfte zu bündeln.
Open Source als strategischer Eckpfeiler
Einigkeit herrschte darüber, dass echte digitale Souveränität nur mit einem eigenen Stack möglich ist. Die breite Nutzung von Open Source sei ein entscheidender Baustein, um technologische Lock-Ins zu vermeiden. Das offene Ökosystem aus Partnern und ISV bringe nicht nur Innovationskraft, sondern spreche mit Open Source auch überwiegend dieselbe technologische Sprache.
Trotz der Marktmacht der Hyperscaler bleibt der Bedarf an maßgeschneiderten IT-Dienstleistungen – insbesondere im Mittelstand – hoch. Hier können regionale Anbieter mit Werten wie Verlässlichkeit, Datensouveränität und Vertrauen punkten.
Allerdings bereitet die zunehmende Überregulierung in Europa den Anbietern Sorgen. Diese könnte sich als Bremsklotz im globalen Wettbewerb erweisen. Markus Noga forderte in diesem Zusammenhang ein Umdenken: Die weit verbreitete „Vollkasko-Mentalität“ – etwa beim Bau und Betrieb von Rechenzentren – müsse überwunden werden, um Innovation nicht zu behindern.
Am Abend stand dann das gemeinsame Dinner in Rotunde und die Verleihung der Service Provider Awards an. Die Leser der IT-BUSINESS stimmten in 12 Kategorien für ihre Favoriten ab. Nach der Verleihung ging es dann ab an die Bar.
An Tag 2 standen noch weitere Roundtables und Workshops und eine Live-Aufnahme mit Ulrich Irnich und Markus Kuckertz vom Digital Pacemaker Podcast zu den Themen des Summits an. Prof. Dr. Olaf Plötner von der European School of Management and Technology ordnete die aktuelle Situation des Welthandels ein und sprach über den anhaltenden Trend zur Regionalisierung.
Der nächste Service Provider Summit findet am 20. und 21. Mai 2026 auf dem Petersberg statt.