Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Siegbert Wortmann »Das Retail-Geschäft hat sich für Wortmann nicht bewährt«

Redakteur: Regina Böckle

Der Hersteller und Distributor Wortmann hält auch künftig am Produktionsstandort Deutschland fest. IT-BUSINESS wollte vom Vorstandsvorsitzenden Siegbert Wortmann wissen, wie er es geschafft hat, hierzulande seit mehr als 20 Jahren profitabel zu fertigen und weshalb er von der Multi-Channel-Strategie abgerückt ist.

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Siegbert Wortmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Wortmann AG
Siegbert Wortmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Wortmann AG
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Seit 2005 prangt auf allen Produkten aus dem Hause Wortmann der Zusatz »IT Made in Germany« auf dem Logo. Wie schaffen Sie es angesichts des rapiden Preisverfalls der IT und der ständig beklagten hohen Lohnkosten seit mehr als 20 Jahren hierzulande profitabel zu fertigen?

Wortmann: Der Lohnanteil pro PC oder Notebook ist mit etwa fünf Prozent relativ klein: eine halbe Stunde für die Fertigung und eine halbe Stunde für den Testlauf. Würden wir in Asien fertigen, könnten wir eventuell drei Prozent bei diesen Kosten sparen, hätten aber viele Nachteile hinzunehmen.

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ITB: Welche Nachteile wären das?

Wortmann: Beispielsweise könnten wir nicht so flexibel und schnell auf Kundenwünsche reagieren und obendrein keinen direkten Einfluss auf die Qualität nehmen, wie es jetzt der Fall ist. Die Mitarbeiter hier vor Ort identifizieren sich sehr stark mit dem Unternehmen und den Produkten, das ist durch eine kleine Einsparung bei den Lohnkosten niemals aufzuwiegen.

ITB: Wenn Firmen wie Siemens, Nokia oder BMW trotz hoher Gewinne hierzulande in großem Maße Stellen abbauen, ist die Empörung groß. Doch inwiefern beeinflusst dies Ihrer Erfahrung nach im IT-Umfeld tatsächlich das Kaufverhalten – können Reseller mit dem Verkauf von Systemen Made in Germany stärker punkten?

Wortmann: Wir werden häufig darauf angesprochen. Abgesehen davon, dass wir mit der Fertigung in Deutschland hohe Qualitätsstandards und guten Service sichern können, gewinnt die Tatsache, dass wir hierzulande Menschen beschäftigen und unsere Steuern zahlen, schon als zusätzliches Verkaufsargument an Gewicht. Ob sich das künftig stärker auf das Kaufverhalten auswirken wird, kann ich momentan nicht beurteilen.

ITB: Parallel zur Abwanderung ins Ausland klagen viele Firmen über Fachkräftemangel. Die Wortmann AG hat auch in den sehr schwierigen Jahren zwischen 2001 und 2006 weit überdurchschnittlich viele Jugendliche ausgebildet, in der Regel alle übernommen und klagt nicht über Fachkräftemangel. Wie kann das funktionieren?

Wortmann: Wir haben von Anfang an konstant unsere Ausbildungsquote von 20 Prozent gehalten. Das funktioniert, weil bei uns Auszubildende im Rahmen eines klaren Ablaufplans sofort in die Prozesse integriert und damit produktiv sind – von Wareneingang über Montage, Lager und Versand bis hin zu Abwicklung, Service, Retourenbearbeitung, Buchhaltung, Einkauf, Verkauf und Marketing. Sie lernen also die Produkte und die Abläufe von der Pike auf bis hin zur Kundenbetreuung.

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