Industrie- und IT-Kompetenz Axians sieht sich als Systemhaus mit erweitertem Gen-Pool

Von Michael Hase 4 min Lesedauer

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Als Tochter des Industriespezialisten Vinci Energies nimmt Axians eine doppelte Rolle wahr: Der Dienstleister agiert als Digitalisierungspartner seiner Kunden und treibt die Vernetzung im eigenen Konzern voran – eine komplexe Aufgabe, vor der der neue Axians-Chef Jacques Diaz steht.

In der Digitalschmiede der Vinci-Energies-Marken Axians und Actemium entstehen Prototypen für IoT-Szenarien.(Bild:  Anthony Rakusen, GettyImages)
In der Digitalschmiede der Vinci-Energies-Marken Axians und Actemium entstehen Prototypen für IoT-Szenarien.
(Bild: Anthony Rakusen, GettyImages)

Mit der Digitalisierung dringt IT in neue Welten vor: in Produktionsanlagen, Gebäudetechnik, Verkehrssysteme und Versorgungsinfrastrukturen. Für Systemhäuser eröffnen sich damit neue Geschäftschancen. Zugleich stellen sich ihnen neue Herausforderungen. Der Industriedienstleister Vinci Energies verfolgt mit seiner Marke Axians das Ziel, eine Gruppe von ITK-Spezialisten zu formen, die für genau diese Herausforderungen gerüstet ist.

In jüngster Zeit machte Axians insbesondere durch Personalmeldungen von sich reden. Unter anderem schied Deutschlandchefin Diana Coso Anfang März nach nur elf Monaten aus dem Unternehmen aus. Ihr folgte der langjährige Cancom-Manager Jacques Diaz nach, der die Position als CEO von Axians Deutschland zum 1. April antrat. Nach rund 100 Tagen im Amt äußert sich der Systemhausprofi erstmals zu seinem Aufgabenspektrum.

Jacques Diaz, CEO von Axians Deutschland, attestiert der IT-Branche einen Gen-Defekt in puncto Digitalisierung.(Bild:  Privat)
Jacques Diaz, CEO von Axians Deutschland, attestiert der IT-Branche einen Gen-Defekt in puncto Digitalisierung.
(Bild: Privat)

Eines gleich vorab: Durch den Wechsel im Management ändert sich nichts an der langfristigen Strategie des ITK-Verbunds, die sich teils aus dessen Rolle innerhalb von Vinci Energies ergibt. Zu den Kernkompetenzen des Dienstleisters, der wiederum eine Division des französischen Baukonzerns Vinci bildet, zählen Industrie-Automation, Energienetze, Brandschutz, Isolierungen und Facility-Management. In dieser Konstellation übernimmt die ITK-Sparte mit Blick auf die Digitalisierung eine wesentliche Funktion. „Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, die Vernetzung zwischen den Vinci-Energies-Bereichen zu beschleunigen“, erläutert Diaz.

Von Cancom zu Axians

Der Industriedienstleister Vinci Energies hat mit Jacques Diaz einen erfahrenen Systemhausmanager für die Leitung seines ITK-Netzwerks verpflichtet. Der neue CEO von Axians Deutschland, der die Position zum 1. April übernahm, war zuvor mehr als zwölf Jahre lang beim Mitbewerber Cancom in Führungspositionen tätig. Zuletzt zeichnete der Informatiker beim Münchner Systemhaus als Executive Vice President für das Cloud- und Managed-Services-Geschäft verantwortlich. Zu Cancom kam Diaz im Frühjahr 2005 durch die Akquisition des Dienstleisters ECS Enterprise Consulting Solution, bei dem er geschäftsführender Gesellschafter war.

Axians ist in Deutschland an 25 Standorten vertreten und beschäftigt 1.850 Mitarbeiter. 2017 erzielte der ITK-Verbund, zu dem zwölf Gesellschaften gehören, einen Umsatz von 518 Millionen Euro. Damit zählt er hierzulande zu den zehn größten Systemhäusern. Weltweit ist die Gruppe, die 2017 auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro kam, mit 9.000 Mitarbeitern in 22 Ländern präsent.

Digitalisierungspartner

Allerdings darf man Axians nicht als internen Dienstleister missverstehen. Denn zu den Kernaufgaben des Unternehmens zählt es, Zukunftsthemen wie IoT und Analytics „nach draußen zum Markt hin als ­Digitalisierungspartner unserer Kunden“ voranzutreiben, wie der CEO ausführt. Dabei sieht er einen Wettbewerbsvorteil darin, dass Axians einer Familie von Industriespezialisten angehört.

Der klassischen IT attestiert der Manager in puncto Digitalisierung „einen Gen-Defekt“. So fehle IT-Experten oft ein Verständnis dafür, wie die Produktion beim Kunden arbeitet. „Im Zweifelsfall sprechen wir nicht einmal deren Sprache.“ Denn Core-IT sei horizontal, nicht vertikal. Axians profitiere daher von der Industriekompetenz der Konzernschwestern. „Als Tochter von Vinci Energies besitzen wir einen erweiterten Gen-Pool, den wir nutzen werden.“

Innerhalb der IT deckt Axians ein breites Themenspektrum ab, zu dem Infrastruktur, Workplace, Business-Anwendungen, Analytics, Unternehmens- und Carrier-Netze sowie Security zählen. Der Gruppe gehören zwölf Gesellschaften an, von denen acht die Dachmarke im Namen führen. Prominenteste Tochter ist Axians IT Solutions, die aus dem im Herbst 2014 übernommenen Systemhaus Fritz & Macziol (Hauptsitz Ulm) hervorgegangen ist.

Der Infrastrukturspezialist wird Diaz zufolge auch künftig eine wichtige Rolle innerhalb des Verbunds spielen. Denn Konzeption und Aufbau von Backend-Systemen zählen nach seiner Überzeugung zu den Kernleistungen der Gruppe. „Kunden mit Infrastruktur zu beliefern, bleibt ein integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Entscheidend dabei ist, dass wir die Infrastruktur veredeln, indem wir sie mit intelligenten Service-Konzepten versehen.“

Integration und Managed Services

So stellt Axians IT Solutions etwa standardisierte, automatisierte Stacks bereit, in deren Entwicklung eigenes Knowhow eingeflossen ist. Als weiteren Mehrwert nennt Diaz spezifische Analyse-Software, mit der sich Infrastrukturen permanent verbessern lassen. Immer häufiger übernimmt der Dienstleister zudem als Managed Service Provider die Betriebsverantwortung für Systeme der Kunden. „Systemintegration und die Fähigkeit, Infrastrukturen zu betreiben, sind Kompetenzen, die in unserem Geschäft zunehmend gebraucht werden.“

Dagegen hat Axians IT Solutions den reinen Produktverkauf stark zurückgefahren, was Spuren in der Bilanz hinterließ. So ging 2016 das Handelsgeschäft der Gesellschaft um 55 Prozent auf 132 Millionen Euro zurück. Der Umsatz sank gegenüber 2015 von 347 Millionen auf 189 Millionen Euro. Wie Reinhard Schlemmer, Deutschlandchef von Vinci Energies, versichert, hat das Unternehmen den Rückgang bewusst in Kauf genommen. „Das Durchschieben von Handelsware ist nicht unser Geschäft. Wir verstehen uns als Integrator, der einen Mehrwert liefern muss.“

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Infrastruktur heißt für Axians nicht nur On Premises, sondern auch Infrastructure as a Service. „Das Computing-Modell ist heute hybrid, und die Public Cloud ist die logische Erweiterung der Infrastruktur“, so Diaz. Entsprechend habe der Dienstleister sein Spektrum erweitert. Er beherrsche die Übergänge zu den Hyperscalern und könne somit die Welten verbinden. „Diese Kompetenz stellen wir ­unseren Kunden als Managed Service zur Verfügung.“

Umgekehrt rechnet der Axians-Chef nicht damit, dass Kunden ihre IT komplett in die Cloud verlagern werden. Nach seiner Beobachtung differenzieren sie genau, welche Workloads sie wo betreiben. Niemand lasse Kernprozesse bei ­einem Hyperscaler laufen. Zudem erwartet Diaz durch Edge Computing einen steigenden Bedarf an On-Premises-Infrastruktur. „Wir haben uns daher entschieden, die volle Fertigungstiefe anzubieten in einem 360-Grad-ICT-Stack.“

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