Der Dienstleister Axians beschäftigt fast die Hälfte seiner Mitarbeiter im Netzwerkgeschäft. Deutschlandchef Jacques Diaz betrachtet 5G als Beschleuniger der Digitalisierung. Ein dedizierter Geschäftsbereich für mobile Netze soll Kunden nun helfen, die Potenziale zu heben.
Der Mobilfunkstandard 5G liefert die Basis für neue digitale Geschäftsmodelle.
(Bild: Tierney - stock.adobe.com)
„Bagger kappt Telefonkabel.“ Die Meldung ist ein Klassiker der Lokalpresse. Tiefbauexperten schätzen die Höhe der Schäden, die jährlich in Deutschland durch Bauarbeiten an Versorgungs- und Netzwerkleitungen entstehen, auf anderthalb bis zwei Milliarden Euro. Ein Problem, das nach einer intelligenten Lösung schreit. Der ITK-Dienstleister Axians hat daher einen Augmented-Reality-Service entwickelt, der Geoinformationen sowie Planungs- und Steuerungsdaten aus getrennten Systemen zueinander in Beziehung setzt. Auf dieser Basis wird der digitale Zwilling einer Baustelle erzeugt, der auf mobilen Endgeräten auch die Infrastruktur unter der Erde sichtbar macht.
Für die Lösung wurde Axians im Dezember beim Innovationswettbewerb „Funkensprung 2021“ des Energieversorgers EWE ausgezeichnet. Das Oldenburger Unternehmen, das mit der Tochter EWE Tel auch als Carrier agiert, gehört zu den Kunden des Dienstleisters. Der IoT-Service dient nicht nur der Visualisierung von Verborgenem, sondern auch der automatisierten Steuerung von Baumaschinen. Voraussetzung dafür sind stabile und performante Verbindungen über Funknetz. Genau dort, im Aufbau und Betrieb drahtloser Netze, liegt eine Kernkompetenz der französischen ITK-Gruppe. Erst zum Jahresbeginn hat Jacques Diaz, CEO bei Axians Deutschland, die Business Area Telecom Infrastructures aufgeteilt und eine dedizierte Area für Mobile Networks etabliert.
Deutschlandchef Jacques Diaz positioniert Axians als Architekt und Betreiber digitaler Infrastrukturen.
(Bild: Axians)
Der Markt berge „derzeit so viel Potenzial“, begründet der Manager den Umbau. „Von der Aufteilung in zwei agile, fokussierte Geschäftsbereiche verspreche ich mir, dass wir uns noch mehr Aufträge sichern können. Denn jetzt stehen die großen Projekte an.“ Zu den Kunden in diesem Geschäft gehören zum einen Carrier unterschiedlicher Größe und Reichweite, zum anderen Unternehmen, für die Axians mobile Campus-Netze aufbaut. Auch wenn bei letzteren sowohl WLAN als auch Mobilfunk von Belang sind, sieht Diaz doch 5G als eigentlichen Innovationstreiber an. Mehr als 130 Unternehmen haben inzwischen Lizenzen dafür von der Bundesnetzagentur erhalten. „Dank viel größerer Bandbreiten und niedrigerer Latenz geben 5G-Netze dem digitalen Wandel einen neuen Antrieb.“ Nach seinen Worten bietet der Mobilfunkstandard in verschiedenen Branchen wie Automobil, Gesundheitswesen, Handel, Produktion oder Transport & Logistik ganz neue Möglichkeiten der Vernetzung. Weil Daten in Echtzeit übertragen werden, lassen sich Prozesse wesentlich präziser steuern. Dadurch wird die technische Voraussetzung für neue Szenarien aus Feldern wie Machine-to-Machine-Kommunikation, Robotik, Adaptive Manufacturing oder Augmented Reality geschaffen.
ITK-Gruppe unter dem Dach eines Mischkonzerns
Plan, build, run – dieser Dreiklang ist in den Genen des französischen Bauriesen Vinci angelegt. Von A bis Z, von Autobahnen bis Zero-Trust-Konzepten, realisieren die Konzerneinheiten die unterschiedlichsten Infrastrukturen und erbringen dabei Planungs-, Integrations- und Betriebsleistungen. Mit der DNA ist auch die ITK-Tochter Axians ausgestattet, die seit Anfang 2017 unter diesem Namen im deutschen Markt agiert. Zu jenem Zeitpunkt fasste die Dienstleistungssparte Vinci Energies mehrere Beteiligungen unter der Marke Axians zusammen. Im ITK-Geschäft engagieren sich die Franzosen hierzulande seit 2005, als sie das Kölner Systemhaus NK Networks & Services kauften. Später übernahm Vinci Energies auch den TK-Spezialisten GA Netztechnik (2012), das Systemhaus Fritz & Macziol mit dem Public-Software-Anbieter Infoma und den IT-Sicherheitsspezialisten Crocodial (alle 2014).
Nach dem Rebranding erwarb Axians weitere Service- und Software-Anbieter wie den Abfallwirtschaftsspezialisten Athos, das SAP-Beratungshaus Lynx oder den TK- und Netzwerkdienstleister OFM. Heute gehören 13 Gesellschaften zur Gruppe. Dabei gliedert das Unternehmen sein Geschäft in fünf Business Areas: IT & Managed Services, Business Applications & Data Analytics, Public Software sowie zwei Areas für Telecom Infrastructures (Fixed und Mobile Networks). In Deutschland beschäftigt Axians an 28 Standorten knapp 2.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2020 bei 511 Millionen Euro. International erwirtschaftete die Gruppe, die in 25 Ländern agiert, mit 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Axians-Schwestern unter dem Dach von Vinci Energies sind Actemium (Automationstechnik), Omexom (Energienetze) und Vinci Facilities. Die Konzernsparte beschäftigt rund 84.000 Mitarbeiter und kommt auf Erlöse von 14 Milliarden Euro.
Networking as a Service
Networking sticht im Leistungsspektrum von Axians hervor. Fast die Hälfte der knapp 2.000 Mitarbeiter in Deutschland arbeitet in diesem Geschäft. Zu den 700 Fachkräften, die in den Areas für Fixed und Mobile Telecom Infrastructures beschäftigt sind, kommen noch einmal 150, die sich im Geschäftsbereich IT & Managed Services mit Unternehmensnetzen befassen. „Wir agieren nah am Markt“, begründet Diaz, warum das Thema derart präsent ist. „Für ihre Transformation brauchen unsere Kunden digitale Infrastrukturen, und momentan gibt es einen überproportional großen Bedarf im Netzwerk.“ Dabei sieht sich der Dienstleister nicht nur als Technologielieferant und Systemintegrator, sondern auch als Managed Service Provider, der Infrastrukturen für Kunden betreibt. So bildet Network as a Service (NaaS) einen Kern des Portfolios, wobei Axians die Felder LAN, WiFi, Datacenter-Netzwerke, SD-WAN, Security und Collaboration abdeckt.
Weitere Schwerpunkte des Unternehmens liegen auf Cloud- und Datacenter-Infrastrukturen, Cybersecurity und Modern Workplace. Die Themen fallen in die Business Area IT & Managed Services. Darüber hinaus widmen sich jeweils eigene Geschäftsbereiche den Schwerpunkten Business Applications & Data Analytics sowie Public Software, was die strategische Bedeutung von Anwendungen für Axians unterstreicht. Die Gruppe verfolgt nach eigenen Angaben einen 360-Grad-Ansatz und bildet mit ihren Leistungen den ITK-Stack von der passiven Infrastruktur bis zur Applikationsebene, von der Glasfaser bis zum SAP-System ab.
Eigene Intellectual Property
Im Software-Geschäft implementiert der Dienstleister nicht nur Produkte von Drittanbietern, sondern auch selbstentwickelte Lösungen. Hierzulande erzielt er ein Fünftel des Umsatzes mit eigener Intellectual Property, darunter Anwendungen zur Digitalisierung von Prozessen in der Abfallwirtschaft, der Schüttgutlogistik oder der öffentlichen Verwaltung. „Die Transformation unserer Kunden drängt uns massiv in die vertikale Lösungskompetenz“, sagt der Deutschlandchef. Das Software-Geschäft wird weiter ausgebaut. So übernahm Axians im Sommer 2020 den Schweizer Spezialisten Müllerchur, der Anwendungen zur Verwaltung öffentlicher Verkehrsinfrastrukturen anbietet und dessen Lösungen auch bei deutschen Kommunen im Einsatz sind. 2021 hat die Gruppe im Kosovo einen Nearshoring-Standort mit Entwicklern aufgebaut, die eng mit Teams in der DACH-Region zusammenarbeiten.
Der ganzheitliche Ansatz von Axians bedeutet nicht, dass der Dienstleister sich mit allem befasst. Und er hat auch nicht den Anspruch, mit seinem Leistungsangebot die gesamte Breite des Markts widerzuspiegeln. Im Zuge der eigenen Transformation hat das Unternehmen sogar sein Herstellerportfolio gestrafft. „Wir machen Geschäfte nur noch selektiv mit den Technologien, die wir richtig gut beherrschen und bei denen wir den Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten können“, betont Diaz. So ist Cisco ein Hersteller, mit dem Axians bevorzugt im Infrastrukturgeschäft zusammenarbeitet. Produkte betrachtet der frühere Cancom-Manager nicht als Handelsware, sondern als Material, das zu Lösungen verbaut wird. „Wir reden nicht mehr von Reselling. Für uns als ICT-Dienstleister und MSP steht die Kundenanforderung im Vordergrund.“
Stand: 08.12.2025
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Augenmerk auf Profitabilität
Die Umsetzung dieser Strategie war damit verbunden, dass Business Units umstrukturiert und neu ausgerichtet wurden. Dabei mussten Mitarbeiter die Organisation verlassen. Der Umbau betraf vor allem die Einheit Axians IT Solutions. Sie ging aus dem Ulmer Systemhaus Fritz & Macziol hervor, das 2014 zur Gruppe stieß, als der Mutterkonzern Vinci die ITK-Beteiligungen des niederländischen Bauriesen Royal Imtech in sieben Ländern übernahm. Die Einheit heißt inzwischen Cloud & IT Automation. Durch Verzicht auf Produktdeals mit niedriger Marge gingen die Erlöse zeitweise um zweistellige Millionenbeträge zurück. Dafür hat sich die Profitabilität deutlich verbessert, wie Diaz versichert, der seit April 2018 die Geschäfte in Deutschland führt.
Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr erweist es sich als Vorteil, dass Axians über den Mutterkonzern auf komplementäre Kompetenzen zugreifen kann. So entwickelt der ITK-Dienstleisters, der zur Sparte Vinci Energies gehört, zusammen mit den Schwestern Actemium und Omexom, Spezialisten für Automation und Energienetze, smarte Lösungen für die Industrie. Gemeinsam mit Actemium betreibt Axians seit vergangenem Oktober in Basel ein Security Operations Center (SOC), das IoT-Szenarien vor Cyberangriffen schützen soll. Im Übrigen ist auch die eingangs beschriebene AR-Lösung in Kooperation mit einer Konzernschwester entstanden: und zwar mit Eurovia, einem Spezialisten für Verkehrswegebau.