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#ITfightsCorona Arbeitnehmer sind nicht in Krisenstimmung

Autor: Sarah Gandorfer

Die Umfragen von Kantar und Stepstone zeigen, dass die Deutschen etwas optimistischer in der Coronakrise sind, als andere Nationen. Natürlich herrscht auch hier Sorge um die Gesundheit und viele Arbeitnehmer sind gestresst. Dennoch funktioniert die Zusammenarbeit aus dem Homeoffice meist gut. Auch die Angst vor Einkommensverlusten ist in Deutschland nicht so hoch wie anderswo.

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Trotz Stress klappt die Arbeit von Zuhause ganz gut.
Trotz Stress klappt die Arbeit von Zuhause ganz gut.
(Bild: vchalup - stock.adobe.com)

Glaubt man Studien von Stepstone und Kantar, dann herrscht in Deutschland eine Krise ohne Krisenstimmung. Das liegt zum einen an dem hierzulande bisher milden Verlauf der Pandemie, zum anderen an den Maßnahmen der Bundesregierung. Laut der Kantar-Befragung von rund 7.000 Erwachsenen (16+) in den G7-Staaten (Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien, USA) sticht der Bundesbürger dabei nicht durch deutsche Gründlichkeit hervor.

Angst um die Gesundheit machen sich nur 62 Prozent der Deutschen. In den anderen G7-Staaten fürchten mehr als drei Viertel der dortigen Bürger zu erkranken. Gleiches gilt für Bedenken, dass Familienangehörige sich mit Covid-19 anstecken könnten. Diese im internationalen Vergleich fehlende Angst führt allerdings dazu, dass die Bundesbürger nachlässiger werden bei Schutzmaßnahmen vor Corona.

Mit Grund für diese relative Gelassenheit ist das Vertrauen von fast zwei Dritteln der Bundesbürger (64 %) in die öffentliche Infrastruktur. In anderen Staaten sieht es diesbezüglich schlechter aus. So liegt das Vertrauen in Großbritannien bei 63 Prozent, in Kanada bei 62 Prozent, in Frankreich bei 29 Prozent und in Japan bei 34 Prozent. Gerade in den beiden letztgenannten Ländern kann die Infrastruktur nur eine Minderheit von ihrer bisherigen Leistungsfähigkeit überzeugen.

Einkommensauswirkungen in Deutschland

Auch bei der Frage nach den Auswirkungen auf das eigene Einkommen sticht Deutschland im Vergleich der G7-Staaten hervor. Hierzulande berichten fast drei Fünftel (58 %), dass sich das Coronavirus bereits auf das eigene Einkommen ausgewirkt hat (24 %) oder es zukünftig wohl tun wird (34 %). Beim Blick über den nationalen Tellerrand hinaus fällt auf, dass in den anderen G7-Staaten mit 72 Prozent mindestens zwei Drittel der Bürger solche negativen Erfahrungen berichten oder erwarten.

In Bezug auf die Höhe der Einkommensverluste greifen in Deutschland Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld für abhängig Beschäftigte als soziale Absicherung, die dazu führen, dass im Vergleich der G7-Staaten weniger als jeder Fünfte mit Einkommensverlusten (19 %) zu kämpfen hat, die über die Hälfte des früheren Einkommens ausmachen. Auch in Frankreich (15 %) reißt Corona solche großen Lücken seltener, als dies vor allem in Kanada (34 %) und den USA (33 %) zu sehen ist.

So sind in Deutschland fast zwei Drittel der Bürger (64 %) damit (sehr) zufrieden, wie die Bundesregierung Menschen unterstützt, die Einkommensverluste durch Corona zu verzeichnen haben. Doch auch die Belange der Wirtschaft werden aus Sicht einer ebenso breiten Mehrheit der Bundesbürger (65 %) hinreichend berücksichtigt. Betriebe, die wegen Corona schließen mussten oder Umsatzeinbußen hatten, werden entsprechend unterstützt. Beim Blick auf die G7-Staaten kommen aus Sicht der Bürger ebenfalls in Kanada und Großbritannien die so ergriffenen Maßnahmen umfassend an. In Japan und Italien ist die Sicht darauf jedoch deutlich kritischer.

Wie geht es weiter?

Fast jeder fünfte Bundesbürger hofft, Ende Juli wieder zur altgewohnten Lebensweise zurückkehren zu können. Im gleichen Umfang (20 %) geht gleichzeitig ein nicht unwesentlicher Anteil der Deutschen davon aus, dass dies erst frühestens im nächsten Jahr der Fall sein wird. Hier treffen politische Entscheidungsträger auf sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen in der Bevölkerung, die es in der politischen Kommunikation der erforderlichen Maßnahmen, den notwendigen Zwischenbilanzen und dem Gesamtzeitplan zu berücksichtigen gilt.

Zudem verdeutlicht die Kantar-Studie, dass die Deutschen im Vergleich der G7-Staaten in ihren Verhaltensanpassungen nicht die vielleicht stereotypische deutsche Gründlichkeit an den Tag legen. Denn bei der Umsetzung von Verhaltensregeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus nehmen es die Deutschen weniger genau als die Bürger in den meisten anderen G7-Staaten. Egal ob es beispielsweise um die Selbstisolierung zu Hause(41 %), das Tragen eines Mundschutzes (27 %) oder um das häufigere und längere Hände waschen (73 %) geht – die Bundesbürger fallen hier in ihrem Verhalten jeweils deutlich hinter den anderen G7-Staaten zurück.

Besonders hervorstechend beim Einhalten der Maßnahmen sind die Italiener. Hier isolieren sich fast drei Viertel (74 %) zu Hause. Noch mehr (81 %) tragen inzwischen einen Mundschutz und fast neun von zehn Italienern (86 %) geben an, sich häufiger und länger die Hände zu waschen.

Mit der nun in Deutschland ins Auge gefassten Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus wird die genaue Beobachtung der Entwicklung der Infektionszahlen einhergehen. Sind die Deutschen bislang in breiter Mehrheit (73 %) der Auffassung, dass die Bürger in Deutschland (sehr) gut an der Eindämmung mitwirken, so wird es gerade bei der Lockerung darum gehen, die nun neuen sinnvollen Verhaltensregeln zu befolgen.

Die Arbeitswelt in der Corona-Krise

Dass die Arbeitswelt trotz aller Widrigkeiten passabel weiterläuft, zeigt eine Studie von Stepstone mit 6.000 Teilnehmern, die hierzulande arbeiten. 95 Prozent Befragten sind davon überzeugt, dass die Corona-Krise unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Über die Hälfte sieht Produktivitätsverluste beim eigenen Arbeitgeber aufgrund der derzeitigen Situation. Dennoch sehen zwei Drittel die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens nicht in Gefahr. Als einen wichtiger Faktor hierfür identifiziert Stepstone, dass sich die Menschen sich weiterhin gebraucht fühlen. Sie erkennen den Wert der eigenen Arbeit. Über 90 Prozent können weiterhin arbeiten und zum gemeinsamen Erfolg beitragen. Die überwiegende Mehrheit davon ohne größere Einschränkungen. Von den Befragten arbeitet circa die Hälfte der Befragten aktuell von zu Hause aus. Dies gilt ganz besonders für ITler und Marketing-Experten (je zu 72 Prozent). 94 Prozent der Handwerker, 93 Prozent der Ärzte und 92 Prozent der Pflegekräfte dagegen werden an ihrem Arbeitsplatz gebraucht.

Wegen den Auswirkungen der Pandemie sorgt sich allerdings etwas mehr als jeder Dritte um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes. Bei der Frage nach der Sorge um die eigene Gesundheit sowie die der Mitmenschen, sind die Zahlen bei Stepstone ein wenig höher als bei Kantar. So sorgen sich 68 Prozent der befragten um für sie wichtige Menschen (Kantar: 62 %). Besorgt blicken 63 Prozent der Teilnehmer auch auf die deutsche Wirtschaftssituation. Gleichfalls fürchten sich 41 Prozent vor möglichen finanziellen Schwierigkeiten, etwa aufgrund von Kurzarbeit. Die individuellen Karriereziele, die Auswirkungen auf private oder gesellschaftliche Highlights, rücken für die meisten demgegenüber in den Hintergrund

Überwiegend funktioniert die Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist eines der wichtigsten Themen für Fach- und Führungskräfte. Über 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie mit ihren Kollegen weiterhin gut und effizient kooperieren. Die Zusammenarbeit läuft demnach in den meisten Fällen zuverlässig ab, es wird hinreichend kommuniziert und die Aufgabenverteilung ist klar. Voll und ganz stimmen dem allerdings nur noch gut vier von zehn Befragten zu.

Über 40 Prozent geben allerdings an, dass die Zusammenarbeit aufgrund der aktuellen Situation eingeschränkt ist. Auf die gesamte Volkswirtschaft übertragen, ist dies ein bedeutender Einschnitt. Dem begegnen fast zwei Drittel, indem sie gerade jetzt mehr individuelle Leistung in die Waagschale werfen, um den gemeinsamen Erfolg sicherzustellen. 75 Prozent empfinden die Stimmung in ihrem Team beziehungsweise. ihrer Abteilung nach wie vor als gut. Dabei findet jeder Zweite, dass Menschen mehr emotionale und soziale Unterstützung während des Homeoffices brauchen. Deshalb sei es wichtiger denn je, regelmäßig miteinander zu sprechen, sagen 81 Prozent der Befragten.

Um die Stimmung unter den Kollegen aufrecht zu erhalten, greifen Fach- und Führungskräfte zu verschiedenen Mitteln. Am häufigsten sagten die Befragten, sie fragten jetzt einfach regelmäßig nach, wie es den Kollegen geht. Ebenfalls über die Hälfte der Menschen tauscht sich aktuell verstärkt über Persönliches aus, wie beispielsweise die Familie oder Freunde. Jeder Vierte verschickt lustige Bilder oder andere Inhalte an die Kollegen, um ihnen eine Freude zu machen. Nur jeder Zehnte greift zu keinen besonderen Maßnahmen, um den Zusammenhalt im Team zu stärken.

Mitarbeiter gestresst, aber nicht einsam

Insgesamt zeigt sich ein relativ ausgeglichenes Bild zwischen positiven und negativen Gefühlen. Fast vier von fünf Teilnehmern sind aktuell engagiert, drei Viertel fühlen sich produktiv. Besonders erfreulich ist, dass sich trotz der aktuellen Ausnahmesituation eine Mehrheit von über 60 Prozent sozial verbunden und nicht einsam fühlt. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt allerdings auch an, aktuell besonders gestresst zu sein.

Die Befragungsergebnisse lassen die Arbeitgeber angesichts der einmaligen aktuellen Herausforderungen in einem relativ guten Licht dastehen. Über verschiedene Aspekte hinweg ist eine Mehrheit der Mitarbeiter mit dem eigenen Arbeitgeber zufrieden. Für Spitzennoten reicht es indes nicht, überträgt man die Zustimmungswerte in Schulnoten. Das macht deutlich, dass in allen Bereichen noch nachgebessert werden kann und sollte – vor allem, da unklar ist, wie lange die aktuelle Situation anhalten wird.

70 Prozent finden, dass ihr Chef hinreichend zu Vorgaben und Maßnahmen in der aktuellen Situation informiert. Dass sich die deutliche Mehrheit gut informiert fühlt, ist ein gutes Ergebnis. Allerdings ist eine gute Kommunikation mit und an die Mitarbeiter aufgrund der hohen Dynamik der Situation und der damit verbundenen Unsicherheit wichtiger denn je. Außerdem fühlen sich rund zwei Drittel gut von ihrem Arbeitgeber unterstützt. Auch dieser Wert zeigt, dass viele Unternehmen sich schnell auf die neue Situation und die damit einhergehenden Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einstellen konnten.

Etwa drei von vier Fach- und Führungskräften sind mit der technischen Ausstattung durch ihren Arbeitgeber zufrieden. Dass ist unter den aktuellen Umständen natürlich von besonderer Bedeutung, um die Produktivität der Unternehmen zu erhalten. Immerhin ist gut die Hälfte der Befragten von zu Hause aus tätig.

Vier von fünf Beschäftigten sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber trotz der Corona-Krise gute Zukunftsaussichten hat. Ein guter Wert, der das Vertrauen der Mitarbeiter in die eigene Leistungsfähigkeit sowie Geschäftsmodell und Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens untermauert.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS