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Alipay & Co: Integration neuer Zahlungsdienste

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Heidemarie Schuster

Das Modehaus Breuninger startete im Juni 2018 mit Alipay in Zusammenarbeit mit Wirecard.
Das Modehaus Breuninger startete im Juni 2018 mit Alipay in Zusammenarbeit mit Wirecard. (Bild: E.Breuninger GmbH & Co.)

Neben Apple Pay und Google Pay kommt auch Alipay nach Deutschland. Der stationäre Handel und Online-Shops profitieren von der Integration der neuen Zahlungslösungen. Deshalb sind Systemintegratoren für den Handel gefragt.

In deutschen Online-Shops stehen im Schnitt sieben Zahlungsverfahren zur Auswahl, wie die ECC-Payment-Studie Vol. 22 des IFH Köln (Institut für Handelsforschung) zeigt. Am häufigsten bieten die befragten Onlinehändler ihren Kunden an, per PayPal oder Vorkasse zu zahlen. Diese Payment-Optionen sind in fast acht von zehn Online-Shops verfügbar. Die Nummer eins der Konsumenten – der Rechnungskauf – folgt im Angebotsranking der Händler dagegen erst auf dem dritten Rang (71 Prozent).

„Die Mehrheit der Online-Shop-Betreiber optimiert den eigenen Payment-Mix zwar laufend, trotzdem besteht immer noch eine Diskrepanz zwischen den Wünschen der Online-Shopper und dem Angebot der Online-Händler. Denn schlussendlich ist nicht die Anzahl der verfügbaren Zahlungsverfahren entscheidend, sondern die Auswahl der richtigen Optionen passend zur eigenen Kundengruppe“, rät Mailin Schmelter, Teamleiterin am ECC Köln (IFH Köln).

Online-Shops müssen eine Reihe von Zahlungsoptionen unterstützen, weitere werden hinzukommen.
Online-Shops müssen eine Reihe von Zahlungsoptionen unterstützen, weitere werden hinzukommen. (Bild: IFH Köln)

Die Handelsforscher glauben jedoch nicht daran, dass sich viele neue Bezahldienste etablieren werden. „Trotz ständiger Innovationen im Payment-Markt kann aus Konsumentensicht kein Zahlungsverfahren die Rechnung und PayPal vom Thron stoßen. Im Gegenteil: Die Präferenzen festigen sich bei der Mehrheit der Online-Shopper weiter erkennbar. Sieben von zehn befragten Konsumenten bezahlen im Netz sogar immer mit ihrem präferierten Verfahren, sofern dieses angeboten wird“, so Prof. Dr. Malte Krüger.

Es könnte aber eine Ausnahme geben, die in der Studie noch nicht in Erscheinung tritt: Alipay, der stark wachsende Bezahldienst aus China. Wer mit seinem Online-Shop auch den chinesischen Markt ansprechen will, sollte an eine Integration von Alipay denken. Dies wiederum eröffnet neue Projektchancen für die IT-Dienstleister der Shop-Betreiber.

Stationäre Händler reagieren bereits auf chinesische Kunden

Neben den Online-Shops müssen sich auch die stationären Geschäfte auf neue Bezahlwünsche der Kunden einstellen. Nicht nur Google Pay wird bereits in verschiedenen Geschäften akzeptiert, auch für Apple Pay wird dies zunehmend zu beobachten sein. Ein weiterer Player ist Alipay.

Alipay wird von der Ant Financial Services Group betrieben, wurde 2004 gegründet und hat derzeit über 520 Millionen aktive registrierte Nutzer. In China akzeptieren mittlerweile über 40 Millionen stationäre Händler den Bezahldienst. In Übersee deckt Alipay aktuell über 38 Länder und Regionen ab, um chinesischen Touristen, die ins Ausland reisen, Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.

Der Bezahldienst aus der Alibaba Group hat auch bereits Einzug gehalten im DACH-Raum:

  • Ende 2017 hatte Concardis die QR-Code basierte Alipay-Applikation bereits bei mehr als 250 Händlern mit insgesamt 1.000 Verkaufsstellen in Deutschland implementiert. „Wir waren von Anfang an vom Erfolg Alipays in Deutschland und Österreich überzeugt, die aktuellen Zahlen haben unsere Erwartung aber noch übertroffen“, sagte Concardis CEO Marcus W. Mosen. „Die Akzeptanz von Alipay wird in Europa mit steigenden Touristenzahlen aus China immer wichtiger für den stationären Handel.“
  • Die Wirecard AG hat die Dirk Rossmann GmbH, eine Drogeriemarkt-Kette, als Kunden für Alipay gewonnen. Wirecard hat das Alipay Barcode Payment in das zentrale Kassensystem von Rossmann integriert und übernimmt die Abwicklung dieser Zahlungen. Die mobile Alipay-Bezahlung mittels Barcode ist damit in über 2.000 Rossmann-Filialen in Deutschland verfügbar. Zudem wird der Bezahldienst als Zahlungsmethode auch die Payment-Auswahl im Onlineshop von Rossmann ergänzen. Damit öffnet sich die Drogeriemarkt-Kette für den boomenden chinesischen Tourismus-Markt.
  • Seit Januar 2018 können die TITLIS Bergbahnen in Zusammenarbeit mit SIX Payment Services ihren zahlreichen chinesischen Gästen, die jedes Jahr auf den Titlis fahren, Alipay anbieten. Dies ist aber nur ein Beispiel von vielen: SIX Payment Services hat das mobile Zahlungsmittel aus China in das Akzeptanzangebot für Händler in der Schweiz und in ganz Europa integriert.
  • Weitere Partner von Alipay auch für den deutschen Markt sind zum Beispiel der Zahlungsplattform-Anbieter Adyen und Ingenico Payment Services.

Integrationen von Bezahldiensten stehen an

Damit ein Händler Alipay unterstützen kann, bietet unter anderem Wirecard mehrere Optionen an: eine Box mit Hand-Scanner zur Installation zwischen Kasse und Bon-Drucker, die Scan Alipay App, die der Händler über sein Smartphone nutzen kann, und die SDK & API Integration ins Kassensystem.

Alipay hat zudem im Mai 2018 eine Systemintegrator-Partnerschaft in Europa bekannt gegeben. Blue Code kann europäischen Händlern seinen Service als Systemintegrator für Alipay anbieten. Eine technische Integration in die Registrierkasse eines Händlers ermöglicht es chinesischen Nutzern von Alipay, bei Händlern in ganz Europa zu bezahlen, genauso wie in Europa lebenden Blue Code-Nutzern.

Christian Pirkner, CEO von Blue Code International: „Wir freuen uns sehr, mit Alipay zusammenzuarbeiten, um beide unsere Präsenz auf dem europäischen Markt auszubauen. Unsere Zahlungslösungen haben viele Parallelen und die Zusammenarbeit wird sowohl unseren Acquirern als auch unseren Handelspartnern Vorteile bringen.“
Christian Pirkner, CEO von Blue Code International: „Wir freuen uns sehr, mit Alipay zusammenzuarbeiten, um beide unsere Präsenz auf dem europäischen Markt auszubauen. Unsere Zahlungslösungen haben viele Parallelen und die Zusammenarbeit wird sowohl unseren Acquirern als auch unseren Handelspartnern Vorteile bringen.“ (Bild: Blue Code)

Blue Code ist eine optische Zahlungslösung für europäische Banken und Händler. Europäische Banken können innerhalb ihrer Banking-Apps Blue Codes (blaue Barcodes) ausgeben, damit ihre Kunden direkt von ihren Girokonten bezahlen können.

Li Wang, Head of Alipay EMEA: „Die Registrierkassen-Integration ermöglicht es den Händlern auch, an die Marketing- und Promotion-Systeme von Alipay anzuknüpfen, wodurch sie ihre Zielgruppe noch besser erreichen.“
Li Wang, Head of Alipay EMEA: „Die Registrierkassen-Integration ermöglicht es den Händlern auch, an die Marketing- und Promotion-Systeme von Alipay anzuknüpfen, wodurch sie ihre Zielgruppe noch besser erreichen.“ (Bild: Alipay)

Li Wang, Head of Alipay EMEA, sagte zur neuen Partnerschaft: „Unsere Erfahrung zeigt, dass das Scannen des Barcodes auf dem Smartphone eines Nutzers die beste mobile Zahlungslösung für jeden in der Wertschöpfungskette ist, insbesondere für den End-User. Chinesische Kunden brauchen während des Bezahlvorgangs kein Mobilfunk-Roaming, was für Händler besonders wichtig ist, wenn in Zukunft mehr chinesische Touristen erwartet werden.“

Tipp: Payment-Services um Sicherheits- und Datenschutzlösungen erweitern

Payment-Dienste sind grundsätzlich ein Thema für Datenschutz und IT-Sicherheit, das sehen auch viele Nutzer so. Jeder zehnte Online-Shopper war bereits von Zahlungsdatenbetrug betroffen, wie das Institut für Handelsforschung erklärt. „Dass die Zahlung sicher abläuft und die eigenen Daten vor Missbrauch geschützt sind, ist für Konsumenten das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Zahlungsverfahrens. Wie zufrieden Shopper mit der Bestellung insgesamt sind, wird zudem direkt von der Zahlungssicherheit beeinflusst. Diese müssen Payment-Anbieter und Onlinehändler also in jedem Fall gewährleisten“, so Mailin Schmelter, Teamleiterin am ECC Köln.

Für IT-Dienstleister bedeutet das zum einen, neben der Integration von Payment-Diensten immer auch Security- und Datenschutz-Lösungen anzubieten. Zudem macht es Sinn, neben den neuen Bezahldiensten aus USA und China auch neue, deutsche Bezahl-Lösungen in Projekte einzubringen. Ein gutes Beispiel dafür ist die App „Mobiles Bezahlen“, die viele Sparkassen in Deutschland in ihr Portfolio aufgenommen haben.

„Wenn es um Geld geht, sind die Kunden in Deutschland traditionell sehr vorsichtig und eher konservativ eingestellt. Wir erleben aber derzeit, wie sich die Finanz- und Bankenlandschaft grundlegend verändert. Das wird auch die Art und Weise verändern, wie wir im Geschäft bezahlen“, sieht Bitkom-Präsident Achim Berg die weitere Entwicklung. IT-Dienstleister sollten deshalb diese Veränderungen beobachten und aktiv auf die resultierenden Projektchancen im Handel eingehen.

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