Günther Schiller im Interview ACP: Die Schul-IT braucht professionelle Betreuer

Autor Michael Hase

In Schulen stoßen Dienstleister auf wenig IT-Fachkompetenz. Teils fehlt sogar Basiswissen. Wegen dieses Mangels ist das Geschäft beratungsintensiv. Günther Schiller, Vorstand bei ACP, beschreibt die Herausforderungen des Bildungsmarkts für Systemhäuser.

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Bei Schulen werden Support-Mitarbeiter häufiger mit Rückfragen zur Bedienung von Geräten konfrontiert als bei gewerblichen Endkunden.
Bei Schulen werden Support-Mitarbeiter häufiger mit Rückfragen zur Bedienung von Geräten konfrontiert als bei gewerblichen Endkunden.
(Bild: deagreez - stock.adobe.com)

ACP betreut Schulen seit langer Zeit und kennt diese Kundengruppe daher gut. Ist beim DigitalPakt somit alles wie gewohnt oder stellt er ein Systemhaus vor neue Herausforderungen?

Schiller: Die jetzige Situation ist anders. Wir erleben auf Seiten der Schulen und Schulverwaltungen viel Unsicherheit darüber, was genau gefördert werden soll oder welche Technologie dann auch die richtige ist. Zudem stehen viele Einrichtungen noch vor der Herausforderung, die Schul-IT fachmännisch zu betreiben. Es fehlt einfach an Personal. Durch die massive Zunahme an Geräten und Infrastruktur kann der Betrieb der Schul-IT nicht mehr nebenher zum bestehenden Tagesgeschäft erledigt werden. Daher ist das Geschäft für Berater sehr ressourcenintensiv. Denn wir übernehmen viel von dem, was ansonsten klassisch die hausinterne IT abdecken würde.

Günther Schiller, Vorstand der ACP-Gruppe, sieht Modernisierungsbedarf bei Backendsystemen und Netzwerken von Schulen.
Günther Schiller, Vorstand der ACP-Gruppe, sieht Modernisierungsbedarf bei Backendsystemen und Netzwerken von Schulen.
(Bild: ACP)

Worin liegen die Besonderheiten für ein Systemhaus, wenn es Schulen und deren Träger als Kunden betreut und sie bis hin zum laufenden Betrieb unterstützt?

Schiller: Im Gegensatz zur Industrie oder zu größeren Behörden treffen Systemhäuser bei Schulen und Schulverwaltungen meist auf wenig Fachkräfte aus der IT. Teilweise fehlt es am Basiswissen. Das macht das Geschäft sehr beratungsintensiv. Beratungsgespräche müssen sehr detailliert und mit viel Hintergrundinformationen versehen sein. In Bezug auf den Support haben wir noch keine Erfahrung, ob Endgeräte in Schulen häufiger ausfallen. Wir vermuten, dass wir einen leichten Anstieg sehen werden. Ansonsten fällt die IT-Infrastruktur nicht öfter aus als in anderen Segmenten. Rückfragen zur Bedienbarkeit kommen jedoch häufiger vor.

Voraussetzung für die Förderung im Rahmen des DigitalPakts ist ein Medienentwicklungsplan. Braucht man als IT-Dienstleister pädagogische Berater, um Schulen dazu beraten zu können?

Schiller: Im Optimalfall unterstützen wir Schulen bereits vor der Erstellung des Medienentwicklungsplans. Unsere Leistungen beginnen bei der Ist-Aufnahme: Welche IT ist in der Schule überhaupt vorhanden? An diesen ersten Schritt schließen wir eine Beschreibung des Soll-Zustandes an, aus der wir später ein Konzept inklusive eines Betriebskonzepts ableiten. Letzten Endes muss beim technischen Teil des Medienentwicklungsplans auch die Kostenseite betrachtet werden. Der pädagogische Teil wird überwiegend von den Lehrkräften und der Schule erarbeitet. Mit unserem Schwesterunternehmen EduWerk sind wir aber auch in der Lage, Schulen zum Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht aus pädagogischer Sicht zu beraten und gemeinsam mit ihnen Unterrichtskonzepte zu entwickeln.

Welche Auswirkungen hatte der DigitalPakt bislang auf das Geschäft von ACP?

Schiller: Die Anfragen haben sich bedingt durch Covid-19 schnell gehäuft. Die Sondermaßnahmen wie die Sofortausstattung der Schüler oder die Vergabe von Leihgeräten an Lehrer mit begrenzten Beantragungs- und Abruffristen haben die Nachfrage befeuert. Wir haben bisher eine deutliche Zunahme der Bestellungen von Endgeräten verzeichnet. Erschwert wird die Situation allerdings durch die derzeitige globale Lieferkrise. Wochen- oder sogar monatelange Lieferzeiten sind derzeit keine Seltenheit.

Endgeräte machen nur einen Teil der IT-Landschaft aus. Nach zweieinhalb Jahren DigitalPakt ist der größte Teil der bereitgestellten Gelder noch nicht abgerufen. Auf welche Technologiefelder sollten Schulen ihr Augenmerk bei der weiteren Modernisierung richten?

Schiller: Wir befinden uns noch mitten in der Digitalisierung der Schulen. Durch Covid-19 haben wir einen schnellen Schub bei der Ausstattung der Einrichtungen mit Endgeräten erlebt. Jetzt geht es allerdings vor allem darum, die richtige Infrastruktur zu schaffen. Die vorhandenen Netzwerke und zentralen Systeme sind sehr oft veraltet und für die Masse an neuen Endgeräten nicht ausgelegt. Um einen hochwertigen Unterricht veranstalten zu können, muss das Netzwerk ausreichend Kapazität haben, und die zentralen Services und Applikationen müssen performant laufen. Was viele Schulen noch gar nicht auf dem Radar haben, ist eine professionelle Security. Auch hier sehen wir noch Nachholbedarf.

IT-Produkte sind keine Anschaffungen für die Ewigkeit, sondern unterliegen Erneuerungszyklen. Außerdem brauchen viele Schulen dauerhaft Service und Support, die Geld kosten. Was passiert, wenn der DigitalPakt ausläuft? Braucht das Schulwesen in Deutschland auch darüber hinaus öffentliche Förderung, damit dessen Digitalisierung nach 2024 nicht im Sande verläuft?

Schiller: Nach dem Kraftakt der Digitalisierung wird die IT aus den Schulen nicht mehr verschwinden. Das wäre im Sinne der Bildung auch überhaupt nicht empfehlenswert. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Wir tun also gut daran, zukünftig Schulen von staatlicher Seite im Bereich der IT finanziell zu unterstützen, und zwar mit Hardware, mit Software sowie mit Service und Support.

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