Künstliche Intelligenz Wie Stress in der Mensch-KI-Interaktion vermieden wird

Redakteur: Katharina Juschkat

Forscher untersuchen, wie Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt werden muss, damit es nicht wegen Überforderung zu stressigen Situationen zwischen der KI und Menschen kommt. Menschliche Bedürfnisse müssen dabei im Mittelpunkt stehen.

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Um zunächst einmal zu messen, wann Interaktion mit KI stressig wird, kommen Smartwatches zum Einsatz.
Um zunächst einmal zu messen, wann Interaktion mit KI stressig wird, kommen Smartwatches zum Einsatz.
(Bild: FH Bielefeld/Patrick Pollmeier)

Interaktionen mit Künstlicher Intelligenz (KI) können schnell zu Stress führen: Am Schreibtisch gibt der Computer Tipps für effizienteres Arbeiten und nach Feierabend erinnert die Smartwatch daran, dass das Trainingsziel für den Tag noch nicht erreicht ist. Nicht selten reagieren wir darauf mit Stress, weil wir überfordert sind von den zusätzlichen Ansprüchen, die die Technik an uns stellt.

Wie das verhindert werden kann, untersucht Prof. Thomas Süße an der FH Bielefeld gemeinsam mit Partnern aus Hochschulen und Praxis. Seine Projektidee wurde nun vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausgezeichnet.

Erster Schritt: Ursache für Stress verstehen

Das Projekt „Konstruktive Mensch-KI Kooperation“ verfolgt den Ansatz: KI stärker aus der Perspektive des Menschen denken, nicht umgekehrt. Um zu verstehen, wann Menschen besonders gestresst sind, werden im Projekt unter anderem Smartwatches eingesetzt, um den Stresslevel von Beschäftigten im Arbeitsalltag messen zu können und Ursachen für Stress besser verstehen zu können.

Prof. Süß vertritt die Einstellung, dass KI bewusst eingesetzt werden muss: „Wir dürfen nicht die gleichen Fehler wie zu Beginn der digitalen Transformation machen, wo Technik oft am Menschen vorbei entwickelt und eingesetzt wurde. KI und Mensch müssen stärker Hand in Hand arbeiten und lernen.“

Smarte Uhr zeigt akuten Stress an

Am Projekt sind verschiedene Hochschulen und Unternehmen beteiligt. Die beiden Start-ups Aizubu und Artitex bringen ihre Erfahrungen aus der Entwicklung und Implementierung von KI in Betrieben mit ein: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer könnten dabei beispielsweise Smartwatches tragen, um Daten im Arbeitsprozess zu erfassen. Die intelligenten Uhren könnten dann erkennen, in welchen Situationen in der Zusammenarbeit mit KI akute Stresssymptome auftreten.

Dadurch werden konkrete Auslöser für sogenannte „Fehlbeanspruchungen“ in der Mensch-KI-Kooperation identifiziert. Anhand der Ergebnisse wollen die Forschenden schließlich Empfehlungen aussprechen, wie sich KI möglichst menschenzentriert gestalten und einsetzen lässt.

Beteiligt ist zudem die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, die zusammen mit dem Unternehmen Youccom als Transferpartner die Erkenntnisse des Projektes in Schulungen an Mitarbeiter und Führungskräfte weitergeben wird.

Was das Problem von KI ist

Mit sogenannten Wearables, also Messinstrumenten, die am Körper getragen werden, könnten Stressituationen von Beschäftigten in der Zusammenarbeit mit KI gemessen werden.
Mit sogenannten Wearables, also Messinstrumenten, die am Körper getragen werden, könnten Stressituationen von Beschäftigten in der Zusammenarbeit mit KI gemessen werden.
(Bild: FH Bielefeld/Patrick Pollmeier)

Prof. Süße beschreibt ein wesentliches Problem im Einsatz von KI darin, dass diese überwiegend noch vor dem echten Praxiseinsatz mit Informationen gefüttert wird. Welche Folgen das mit sich bringen kann, zeigte sich 2014 bei Amazon, als eine KI geeignete Bewerberinnen und Bewerber auswählen sollte: Durch die Daten, mit denen die KI gefüttert wurde, lernte diese, dass in der Technikbranche mehr Männer arbeiten und schlussfolgerte, dass Bewerbungen von Männern zu bevorzugen seien.

Prof. Süße erklärt: „Genau an der Stelle muss man der KI systematisch Rückmeldung geben können und ihr mitteilen, dass das Geschlecht keinen entscheidenden Einfluss auf die Beurteilung haben sollte. Und schon stünden wir im konstruktiven Diskurs mit der KI.“ Dieser gemeinsame Lernprozess macht die Technik menschenzentrierter und freiheitlicher. Dafür müssen Menschen zunächst allerdings besser befähigt werden, reflektierter mit der KI umzugehen, und ein Feedback geben, das die Technik auch verarbeiten kann.

Für den Arbeitsplatz bedeutet das, resümiert Süße, dass Beschäftigte die Impulse der KI konstruktiv aufnehmen und als Unterstützung eigener fortlaufender Lernprozesse interpretieren müssen. Das ist nicht immer einfach: „Wenn ein Mitarbeiter lange in einem Betrieb arbeitet und auf einmal eine KI vorgesetzt bekommt, die ihm vermeintlich seinen Job erklärt, kann auch das chronischen oder akuten Stress auslösen“, so der Professor. Genau dafür will das Projekt konkrete Maßnahmen entwickeln, die Menschen zu einer nachhaltigen und effektiven Zusammenarbeit mit der KI befähigen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal Elektrotechnik.

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