Europäischer Datenschutztag Warum man Datenschutz neu denken sollte

Von Agnes Panjas 5 min Lesedauer

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Der Europäische Datenschutztag erinnert jährlich Unternehmen und Bürger an den Schutz personenbezogener Daten. Diese Aufgabe ist angesichts wachsender Anforderungen, neuer KI-Entwicklungen und steigender Cyberbedrohungen jedoch herausfordernder denn je.

Der Datenschutz in Europa wird derzeit von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Dazu zählen rasante Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, zunehmende Cyberbedrohungen sowie neue nationale und internationale gesetzliche Rahmenbedingungen.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Der Datenschutz in Europa wird derzeit von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Dazu zählen rasante Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, zunehmende Cyberbedrohungen sowie neue nationale und internationale gesetzliche Rahmenbedingungen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Am Europäischen Datenschutztag denken viele Entscheidungsträger automatisch an die gängigen Empfehlungen: das Aktualisieren von Richtlinien, das Überarbeiten von Einwilligungserklärungen und das Schulen der Mitarbeiter in Sicherheitsstrategien. Diese Maßnahmen sind zwar wichtig, bilden jedoch in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen nur den Anfang.

Chester Wisniewski ist Director Global Field CISO bei Sophos. (Bild:  Sophos)
Chester Wisniewski ist Director Global Field CISO bei Sophos.
(Bild: Sophos)

„Der Datenschutztag soll uns daran zu erinnern, wie wichtig Verschlüsselung für den Schutz unserer Daten vor unerwünschter Spionage und Datenschutzverletzungen ist. Seit der Veröffentlichung der NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden sind nun fast 13 Jahre vergangen, und wir kämpfen immer noch um die Einhaltung der End-to-End-Verschlüsselung, zuletzt im Streit um die Chat-Kontrolle,“ erinnert Chester Wisniewski, Director Global Field CISO bei Sophos.

Neue Beweispflicht: DSGVO, NIS2 und DORA

Branchenübergreifend ist die Richtung klar: Unternehmen werden dazu gedrängt, ihre Pläne für den Datenschutz zu belegen. Auch angesichts neuer Gefahren: Auch in Europa wird die zunehmende Beweislast immer deutlicher. Regulierungsbestimmungen wie die DSGVO, NIS-2 und DORA verlangen diesen Nachweis. NIS-2 und DORA fordern von Unternehmen, angemessene technische und organisatorische Maßnahmen für den Datenzugriff und das Risikomanagement nachzuweisen und kritische Systeme wie Verzeichnisdienste besonders zu schützen. Es muss dokumentiert werden, wer Zugang zu kritischen Systemen hat und welche Rollen sowie Privilegien vergeben werden. Beide Regelungen legen explizit fest, dass Administrator- und Servicekonten separat geschützt und die Aktionen von privilegierten Identitäten gesondert protokolliert werden müssen.

Sicherheitsstandards als Basis für effektiven Datenschutz

Die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Technologiepartnern spielt eine entscheidende Rolle im Datenschutz. Unternehmen sollten Anbieter danach bewerten, wie sie mit personenbezogenen Daten umgehen, welche klaren Grenzen sie für die Datennutzung definieren und wie transparent sie über ihre Datenschutzpraktiken informieren. Unabhängige Sicherheitsstandards und Zertifizierungen, wie ISO/IEC 27001, ISO/IEC 27017 und SOC 2 Typ II-Reports, können dabei den Schutz und die Verwaltung von Systemen und Daten gewährleisten. Sie können auch dabei helfen, Datenschutzrisiken durch unbefugten Zugriff oder Missbrauch zu minimieren.

Datenschutz meets Resilienz

Datenschutz und Resilienz sind heutzutage eng miteinander verknüpft sind, insbesondere wenn es um den Schutz vor unbefugtem Zugriff auf digitale Identitäten geht. Organisationen und Unternehmen sollten nicht nur in der Lage sein, verschlüsselte oder korrumpierte Daten schnell wiederherzustellen, sondern auch Angriffe im Voraus verhindern. Kompromittierte digitale Identitäten stellen eine erhebliche Schwachstelle dar, vor allem in Cloudumgebungen, weshalb gezielte Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Christian Kubik ist Manager Field Advisory Services Team EMEA bei Commvault. (Bild:  Commvault)
Christian Kubik ist Manager Field Advisory Services Team EMEA bei Commvault.
(Bild: Commvault)

Christian Kubik, Manager Field Advisory Services Team EMEA bei Commvault, macht deutlich: „Der Tag des Datenschutzes bietet einen guten Anlass, die eigene Resilienz auszutesten. Können die Verantwortlichen die Folgen eines unberechtigten Zugriffs eindämmen, die betroffenen Daten und Systeme sauber wiederherstellen und so die Kontrolle über ihre Daten überzeugend und regelkonform belegen?“

KI treibt Datenschutz-Investitionen voran

Um die Resilienz von Unternehmen im Datenschutz zu stärken, ist es unerlässlich, nicht nur die eigenen Sicherheitsmaßnahmen zu evaluieren, sondern auch die Prozesse der Anbieter bezüglich der Offenlegung von Schwachstellen, ihrer Datenverwaltungspraktiken und ihres Umgangs mit Künstlicher Intelligenz zu prüfen. Durch den gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen Investitionen können Unternehmen ihre Resilienz im Datenschutz erheblich stärken. Die Investitionen in den Datenschutz steigen nicht nur aufgrund von KI, sondern auch wegen der Herausforderungen und Risiken, die mit deren Nutzung verbunden sind.

Auch der Technologieanbieter Cisco hat in seiner neuen Studie „Cisco 2026 Data and Privacy Benchmark Study“ festgestellt, dass die meisten Unternehmen in Deutschland und weltweit mit der zunehmenden Nutzung von KI ihre Datenschutzprogramme und Governance-Frameworks erweitern. Die Ergebnisse zeigen, dass 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre Datenschutzprogramme aufgrund von KI ausweiten. Darüber hinaus planen 93 Prozent, weitere Investitionen zu tätigen, um den Anforderungen der komplexen KI-Systeme sowie den Erwartungen von Kunden und Regulierungsbehörden gerecht zu werden. Auffällig ist, dass 41 Prozent der deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr mindestens 5 Millionen US-Dollar in ihre Datenschutzprogramme investiert haben, im Vergleich zu 38 Prozent weltweit und 14 Prozent im Jahr 2024.

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Über die Studie: Cisco 2026 Data and Privacy Benchmark Study

Im Rahmen der Studie hat Cisco weltweit 5.200 IT-, Technologie- und Sicherheitsexperten mit Datenschutzverantwortung in 12 Ländern (davon 437 in Deutschland) befragt.

KI setzt neue Maßstäbe für den Datenschutz

Uwe Peter ist Geschäftführer von Cisco Deutschland.(Bild:  Cisco)
Uwe Peter ist Geschäftführer von Cisco Deutschland.
(Bild: Cisco)

Es zeigt sich: Datenschutz für Unternehmen ist, besonders im Zusammenhang mit KI immer wichtiger. Das bestätigt auch die Cisco-Studie, in der fast alle befragten Unternehmen (Deutschland: 95 %, weltweit: 96 %) sagten, dass robuste Datenschutz-Frameworks die Agilität und Innovationskraft von KI fördern. Außerdem ist Datenschutz entscheidend, um das Vertrauen von Kunden in KI-basierte Dienstleistungen zu gewinnen. Laut der Cisco-Studie finden 95 Prozent der Befragten in Deutschland und weltweit, dass Datenschutz für den Aufbau von Kundenvertrauen in KI-gestützte Dienste unerlässlich ist.

Die Studie weist dabei auf einen tiefgreifenden Strukturwandel hin, denn Vertrauen wird nicht mehr einfach durch die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen hergestellt. Daten-Governance gilt heute als strategischer Geschäftsfaktor:

  • Praktisch alle Unternehmen (Deutschland: 100 %, weltweit: 99 %) ziehen mindestens einen konkreten Nutzen aus ihren Datenschutzinitiativen, wie höhere Agilität, mehr Innovation und stärkere Kundenbindung.
  • Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen (54 %, weltweit: 46 %) sagen, dass eine klare Kommunikation darüber, wie Daten erfasst und verwendet werden, der effektivste Weg ist, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Warum Unternehmen ihre Datenstrategien überdenken sollten

Viele Unternehmen arbeiten weiterhin daran, die Governance-Strukturen zu definieren und zu etablieren, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI in großem Maßstab erforderlich sind. Während rund vier von fünf deutschen Unternehmen (79 %) über ein dediziertes KI-Governance-Gremium verfügen, bezeichnen nur 10 Prozent diese Strukturen als ausgereift. Da KI-Systeme immer komplexere und stärker verteilte Datensätze benötigen, haben inzwischen 61 Prozent der deutschen Unternehmen (weltweit: 65 %) Schwierigkeiten, effizient auf relevante, qualitativ hochwertige Daten zuzugreifen. Uwe Peter, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, stellt entsprechend fest: „KI führt zu einer grundlegenden Veränderung der Datenlandschaft und erfordert eine ganzheitliche Verwaltung sowohl persönlicher als auch nicht personenbezogener Daten.“

Unternehmen müssen ihre Daten genau verstehen und strukturieren, damit jede automatisierte Entscheidung nachvollziehbar ist. Das dient nicht nur der Einhaltung von Vorschriften, sondern ist auch ein notwendiger Motor für die Skalierung von KI-Innovationen.

Uwe Peter, Geschäftsführer von Cisco Deutschland

KI zwischen Datenlokalisierung und internationalem Recht

Viele Unternehmen sind mit komplizierten Datenschutzgesetzen und den Anforderungen konfrontiert, sodass Daten lokal gespeichert werden müssen. Das verursacht zusätzliche Kosten und Schwierigkeiten, besonders wenn Dienstleistungen grenzüberschreitend angeboten werden. Dies zeigt auch die Cisco Studie: Obwohl 70 Prozent der Befragten in Deutschland Datenschutzgesetze positiv sehen, wächst der Wunsch, die Anforderungen zu vereinfachen. Laut der Studie sind 71 Prozent der deutschen Unternehmen (weltweit: 81 %) mit erhöhten Anforderungen an Datenlokalisierung und globaler Datenkomplexität konfrontiert. Bei 84 Prozent (weltweit: 85 %) hat Datenlokalisierung die Kosten, die Komplexität und das Risiko der grenzüberschreitenden Service-Bereitstellung erhöht. Entsprechend schränken diese Anforderungen bei 70 Prozent der Befragten in Deutschland (weltweit: 77 %) deren Fähigkeit ein, 24/7-Dienste über alle Länder hinweg nahtlos anzubieten.

„Um das Potenzial von KI auszuschöpfen, befürworten mehr als 80 Prozent der Unternehmen weltweit eine Umstellung auf harmonisierte internationale Standards“, sagt Peter. „Sie erkennen, dass weltweite Konsistenz wirtschaftlich notwendig ist, um einen sicheren Datenfluss zu gewährleisten und die für Vertrauen nötigen Schutzstandards aufrechtzuerhalten.“

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