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Juristische Fragestellungen Vertrauensbonus für „IT-Security made in Germany“

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden birgt IT-Security nicht mehr nur technische Fragestellungen, sondern auch juristische. Das geschützte Label „IT-Security made in Germany“, welches vom Teletrust-Verband vergeben wird, wurde zwar weit vor Snowden ins Leben gerufen, allerdings gewann es durch den Whistleblower an Brisanz.

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Gibt es einen Standort-Vorteil für „IT-Security made in Germany“?
Gibt es einen Standort-Vorteil für „IT-Security made in Germany“?
(© cosmin_m - Fotolia.com)

Bieten Lösungen mit dem Label „IT-Security made in Germany“ einen umfassenden Schutz vor der NSA-Spionage?

Ein klares Nein

Diese Frage sollte gleich vorweg verneint werden, denn in dem Datenpool der „befreundeten“ Geheimdienste landen schließlich auch Aktivitäten in sozialen Netzwerken, Web-basierten E-Mail-Diensten und Cloud-Services. Die Datensammelwut ist geradezu lächerlich-grotesk, wenn man bedenkt, dass aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervorgeht, dass NSA und das britische Pendant GCHQ sogar im MMORPG-Spiel World of Warcraft zwischen Elfen und Orks mit „verdeckten Ermittlern“ schnüffeln, wie unter anderem Spiegel Online berichtete.

Wahnsinn mit Methode

Über NSA-Mitarbeiter, die WoW zocken, mag man belustigt sein. Und unter Privatleuten, die ab und an per Mail oder Facebook zur Geburtstagsparty einladen, mag womöglich zurecht die Einstellung verbreitet sein: „Sollen Sie doch überwachen, ich habe nichts zu verbergen.“

Hier spielt die persönliche Vorstellung des Begriffs „Freiheit“ eine Rolle und die Bandbreite an Meinungen ist hier groß. Aber wir sind nicht nur Privatleute, sondern auch Wirtschaftssubjekte, die in Unternehmen arbeiten.

Wirtschaftsspionage

Wer daher in einem Unternehmen mit schützenswerten Daten (beispielsweise Konstruktionspläne, Finanzdaten, Vertragswerk) für die IT-Security verantwortlich ist, darf sich getrost an die wenigen Fakten halten, die man über Geheimdienstaktivitäten in puncto Wirtschaftsspionage hat.

Es ist gerade mal zehn Jahre her, dass eine NSA-Einrichtung im bayerischen Bad Aibling wegen des begründeten Verdachts auf Wirtschaftsspionage nach einer entsprechenden Empfehlung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses die Pforten schloss. Es ging um Datensammelwut in Verbindung mit Wirtschaftsspionage, als die Anlage der NSA im Jahr 2004 geschlossen wurde. Und nun soll es bei der weltweiten Überwachung auf einmal nur noch um Terroristen gehen?

Wirtschaft und Politik

Christian Heutger, Geschäftsführer beim Internet-Security-Spezialisten PSW Group gab gegenüber IT-BUSINESS folgendes Statement ab: „Es ist Fakt, dass ausländische Geheimdienste in Deutschland Wirtschaftsspionage betreiben. Das Bundesamt für Verfassungsschutz, aber auch das Bundeskriminalamt dokumentieren seit Jahren solche Vorfälle. Dass solche Attacken auch von politisch Verbündeten ausgehen, gibt dem Problem nun natürlich noch einmal eine vollkommen neue Dimension.“ Bisher seien eher Länder wie China verdächtigt worden, im großen Stil zu spionieren, so Heutger, der darauf hinweist, dass nicht nur die Wirtschaft im Fokus stehe, sondern auch die Politik. So seien in den vergangenen Jahren beispielsweise mehrfach Angriffe auf Computersysteme der deutschen Bundesregierung bekannt geworden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über den Patriot Act und den deutschen Rechtsstand.

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