Lizenzmetriken und Gegenfinanzierung Ungenutzte Microsoft-Lizenzen und ihr realer Marktwert

Von Dr. Stefan Riedl 3 min Lesedauer

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Beim Handel muss eingekauft werden, was verkauft werden soll. Den Gebrauchtsoftware-Handel kann man vor diesem Hintergrund nicht nur als Einkaufsquelle günstiger Lizenzen betrachten, sondern als Möglichkeit, in Projekten Altlizenzen zu monetarisieren.

Im Projektgeschäft lassen sich Altlizenzen über Gebrauchtsoftwarehändler rechtssicher zu Geld machen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Im Projektgeschäft lassen sich Altlizenzen über Gebrauchtsoftwarehändler rechtssicher zu Geld machen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Der Markt für gebrauchte Software wird derzeit unter anderem von den geopolitischen Entwicklungen geprägt, inklusive der aktuellen Diskussion um Datensicherheit und Datensouveränität, so Melanie Achten, Geschäftsführerin bei MRM Distribution. Diese Gesamtgemengelage lässt die Nachfrage nach On-Premises-Lösungen steigen. „Und damit auch die Nachfrage nach gebrauchter Software – ganz einfach, weil die ein Drittel weniger kostet als die meisten Cloud-Modelle“, so Achten.

Potenziale der Cloud-Ära

Melanie Achten, Geschäftsführerin, MRM Distribution(Bild:  MRM Distribution)
Melanie Achten, Geschäftsführerin, MRM Distribution
(Bild: MRM Distribution)

Aber auch im Umstieg auf hybride Lösungen oder M365-only liege Potenzial für MRM, sagt die MRM-Chefin – und verweist gleichzeitig auf einhergehende Chancen für Reseller und Systemhäuser: Diese liegen in der Frage nach den bisherigen On-Prem-Lizenzen ihrer Unternehmenskunden. Die werden in der Cloud obsolet, aber an dieser Stelle kommt der Gebrauchtsoftwarehandel ins Spiel. „MRM-Partner können das konsequent für sich nutzen, indem sie uns die gebrauchte Software zum Kauf anbieten“, so die Managerin. Damit schaffen sie auch Budget beim Kunden – „ein Argument, das niemand ablehnt und das dem Berater selbst zugutekommt“, so Achten.

Kommentar

von Stefan Riedl

On-Prem zwischen radioaktiver Zahnpasta und schottischem Whisky

Vor rund 100 Jahren war „radioaktive Zahnpasta“ ein Verkaufsschlager. 50 Jahre zuvor waren Hochräder „the next big thing“ und weitere 50 Jahre vorher, im Jahr 1820 verkaufte Johnnie Walker erstmals seinen schottischen Whisky. Zwei der drei genannten Produkte haben sich nicht durchgesetzt.

Aktuell stellt sich die Frage, ob es für gebrauchte Software eine Zukunft gibt, denn Cloud Computing, das Subscription‑Modell und Software as a Service könnten den Markt für Kauflizenzen (aus dem sich Gebrauchtlizenzen speisen) obsolet machen.

Fragt man Gebrauchtsoftwarehändler, wie sie sich vor diesem Hintergrund für die Zukunft rüsten, wird einerseits bezweifelt, dass der Markt für Gebrauchtlizenzen wegbrechen könnte, andererseits stellen sie bereits ihr Geschäftsmodell um, hin zu mehr allgemeiner Lizenzberatung und Softwaredistribution.

Bislang heißt die Antwort „hybrid“ und spricht für ein Sowohl‑als‑auch- statt für ein Entweder‑oder‑Modell. Und auch KI scheint Software nicht wirklich zu fressen, selbst wenn davon immer wieder die Rede ist.

Ein typisches Szenario

Die MRM-Geschäftsführerin nennt ein typisches Szenario mit einem Unternehmen mit 150 Arbeitsplätzen, das vollständig auf eine Cloud-Umgebung umsteigt und die bisherigen Volumenlizenzen nicht mehr benötigt. Achten rechnet vor: „Für Office 2021 Professional Plus zahlen wir aktuell 35 Euro – macht bei 150 Lizenzen 5.250 Euro, die im IT-Budget direkt zur Verfügung stehen. Office 2024 Pro Plus bringt sogar 130 Euro, der Exchange Server 2019 Enterprise 100 Euro und jede CAL etwa 30 Euro.“ Dabei gilt grundsätzlich: Je neuer eine Version, desto höher der Ankaufspreis. Das Unternehmen hat einen Kalkulator für Verkäufer von Lizenzen ins Netz gestellt.

Microsoft-Lizenzen, die durch Umstrukturierungen oder andere Gründe nicht mehr genutzt werden, haben einen realen Marktwert. Den sollten Reseller und Systemhäuser ihren Kunden nicht vorenthalten.

Melanie Achten, Geschäftsführerin, MRM Distribution

Gedankenspiel zum Gebrauchtsoftwaremarkt

Saubere Dokumentation und schwarze Schafe

Angenommen, ein Händler von gebrauchter Software kauft 1.000 Nutzungsrechte einer Software und hat dies gut dokumentiert. Doch woher weiß der Endkunde, dass dieser Händler auch nur maximal 1.000 Stück weiterverkauft?

Nehmen wir an, er verkauft jeweils 200 an Kunde A, B, C, D und E. Jedem gibt er jeweils eine Kopie seiner Dokumentation über den Erwerb der 1.000 Nutzungsrechte. Damit ist er eigentlich fertig. Alles ist verkauft.

Aber wer hindert ihn daran, nochmal 200 Lizenzen an Kunde F mitsamt einer weiteren Kopie seiner Dokumentation zu verkaufen? Ab dem Zeitpunkt wäre der Gebrauchtsoftwareverkauf nicht mehr legal und für den Käufer wäre das nicht transparent.

Daher sind beim Vertrieb gebrauchter Volumenlizenzen Absicherungsprozesse und aussagekräftige Dokumentationen sinnvoll, die seriöse Anbieter leisten können. Dazu gehören unter anderem: Vernichtungserklärung des verkaufenden Unternehmens; offizielles License‑Statement vom Lizenzgeber; Auszug aus dem Volume Licensing Service Center; Lizenzvertragskopien sowie Rechnung vom Lizenzgeber.

Lizenzierung als Hebel

Achten fordert, Lizenzierung nicht isoliert zu betrachten, sondern als strategischen Hebel – für Kosteneffizienz, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit. Das Ziel seien IT-Architekturen, deren Kosten nicht explodieren, sondern vielmehr finanzielle Freiheiten schaffen. „Einsparungen von weit über 30 Prozent sind dabei keine Ausnahme“, so die MRM-Chefin.

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