Industrie 4.0 und Digitalisierung: Damit beides erfolgreich implementiert und umgesetzt werden kann, muss die zugrundeliegende IT-Infrastruktur zuverlässig funktionieren. Eine Binsenweisheit, die alles andere ist als trivial.
Die Evolution im Bereich des System Managements ist längst nicht abgeschlossen – und nun geht es um die Einbindung der Operational Technology, sagt Peter Meivers von Baramundi.
(Bild: Baramundi)
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt: Es ist vielleicht fünfzehn Jahre her, da begann die IT-Branche ernsthaft über die Verwaltung lokaler Arbeitsplätze nachzudenken – das Client Lifecycle Management (CLM) war geboren. Ergänzt wurde CLM um Begriffe wie System Management oder Desktop Management, wenn es um die IT-Umgebung und Geräte der Endnutzer ging. Die große Mehrzahl der Endpoints waren Windows-Rechner. Entsprechend lag der Fokus der Entwickler von CLM-Lösungen darauf, die Microsoft-Plattform besser verwaltbar zu gestalten.
Sehr schnell hatten die CLM-Anbieter verstanden, dass es nicht reicht, die Windows-PCs nur zu verwalten. Wichtig war vielmehr, den kompletten Lebenszyklus der Systeme, von der Bereitstellung über die Pflege bis hin zur Außerbetriebnahme, nicht nur zu begleiten, sondern zu kontrollieren. Der Startpunkt für CLM war ursprünglich die funktionale Ausstattung per Automatisierung. Doch nach und nach spielte die Absicherung der Geräte gegen Schwachstellen und mögliche Angriffe eine immer wichtigere Rolle.
Consumerization of IT fordert traditionelle IT heraus
Das war aber nur der Anfang. Eine wesentliche Änderung bzw. Anpassung der CLM-Lösungen wurde dann durch eine ganze neue Form des Mobile Computings nötig: Smartphones und Tablets. Zu Beginn waren diese Geräteklassen vornehmlich in privatem Gebrauch. Doch der Formfaktor und die meist unkomplizierte Nutzung brachte mit der Consumerization of IT einen weiteren Trend hervor.
Die Nutzung dieser privaten Geräte im Geschäftsleben sorgte entsprechend für neue Herausforderungen bei den Management Tools. Sie mussten jetzt auch diese Smart Devices unterstützen, dabei waren sie anfangs in puncto Verwaltbarkeit jedoch alles andere als „smart“. Die vergangenen zehn Jahre zeigen hier jedoch eine massive Veränderung: Die Hersteller der Geräte bzw. Plattformen (iOS und Android) haben eine Vielzahl von Managementschnittstellen hinzugefügt – und aus dem CLM entstand Mobile Device Management (MDM). Hier erfolgte dann sehr schnell die Integration von Apps und Content dieser Geräte in die Verwaltung, sodass sich aus MDM das Enterprise Mobility Management (EMM) entwickelte.
Allerdings hatte auch EMM noch eine entscheidende Schwachstelle: Die unterschiedlichen Systemwelten. War es zu CLM-Zeiten nahezu nur Windows, später auch Apples Mac-Plattform, kamen mit den mobilen Devices auch noch Android und iOS hinzu. Für die Administratoren bedeutete das zusätzliche Komplexität, denn diese mussten sich auf der einen Seite in verschiedene (meist komplexe) Tools einarbeiten, fanden aber auf der anderen Seite aber keinen gemeinsamen Blick – in Form geeigneter Auflistungen oder Dashboards – für alle Geräte der Endbenutzer.
Aus mobil wird smart
Was nun als nächstes folgte, war die Konvergenz von Hardware, Software und Management-Paradigmen: Die Smartphones wurden immer leistungsfähiger und verdienten zumindest bei großzügiger Betrachtung mehr und mehr das Prädikat „smart“. Somit ähnelten sie immer mehr den klassischen Windows-Geräten. Hinzu kam, dass auch die Rechner selbst immer mobiler wurden. Heute sind moderne Notebooks kaum mehr von Tablets mit zusätzlicher Tastatur zu unterscheiden. Neben diesem äußerlichen Trend der Formfaktoren entwickelten sich aber auch die Managementschnittstellen kontinuierlich weiter. Damit war der Weg geebnet für die jüngste Generation von Management Suiten: Den Tools für Unified Endpoint Management (UEM).
Im UEM stellt diese eine Suite sämtliche Verwaltungsfunktionen für alle genannten Geräteformen bereit. Die mit den oben genannten Anforderungen gewachsenen Lösungen bieten dem Administrator damit auch eine zunehmend einheitlichere Sicht auf all seine Geräte. Sie vereinfachen die Einarbeitung, ersparen zusätzliche Spezialtools je Geräteplattform und bieten Transparenz und Automation über alle Endpoints in der IT-Umgebung.
UEM-Lösungen brauchen Innovation
Auch wenn heute in Sachen Endpoint Management schon viel erreicht ist, gilt letztendlich, dass sich zukunftsorientierte UEM-Lösungen dreidimensional weiterentwickeln müssen:
Plattformen: Neben klassischen Geräteplattformen wie Windows und Macs, kommen mobile Betriebssysteme wie Android und iOS hinzu. Weitere Kandidaten hierfür sind alle vernetzten Geräte, dazu gleich mehr.
Features: Zusätzlich zur Verteilung und Konfiguration von Betriebssystemen und Anwendungen (Apps) sowie deren Inventarisierung/Aktualisierung kommen Funktionen zum Schwachstellenmanagement und der Absicherung hinzu.
Betriebsformen: Ursprünglich waren die genannten Lösungen ausschließliche zur Bedienung durch Administratoren entworfen. Doch jetzt kann auch der zunehmend mündigere Endbenutzer über Self-Service-Portale in Routinearbeiten eingebunden werden. Außerdem wird gleichzeitig der On-Premises-Betrieb um hybride Betriebsformen ergänzt, die neue Cloud-Services nutzbar machen.
Doch was hat dies nun mit IoT zu tun? Gegenwärtig steigt die Zahl und Vielfalt weiterer vernetzter Geräte geradezu explosionsartig an: Das Internet of Things (IoT) mit all seinen IoT-Geräten ist längst Teil des Alltags von jedermann. Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern auch für den Alltag im Büro oder in der Fertigung. Gerade dort, in der Industrie 4.0. mit ihrer Operational Technology (OT) finden sich immer mehr vernetzte Geräte, so genannte IIoT-Geräte (Industrial IoT).
Stand: 08.12.2025
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Auch diese Geräte müssen verwaltet und gesichert werden, denn jedes Device, das auch nur im Entferntesten „smart“ ist, braucht unter Umständen Updates und muss gegen unberechtigten Zugriff abgesichert werden. Somit ergeben sich wesentliche Gemeinsamkeiten aus der Entwicklung von CLM zu UEM: In allen Evolutionsschritten der Systemverwaltung stand stets das vernetzte Gerät im Mittelpunkt. Und auch jetzt benötigen die Unternehmen für diese neue (I)IoT-Welt Transparenz und Automation beim Management dieser Devices.
Wie erwähnt, steigt zudem auch der Bedarf nach Sicherheit in all diesen vernetzten Welten immer weiter: Somit ist die Security Automation für klassische Geräte, Mobilgeräte und (I)IoT ebenfalls ein relevantes Thema, das die Hersteller und die Anwender die nächsten Jahre weiter begleiten wird.
Fazit
Es zeigt sich, dass die Evolution im Bereich des System Managements längst nicht abgeschlossen ist. Die Analogien in beiden Bereichen sind sowohl bei den Herausforderungen zu finden als auch bei den Lösungsansätzen. Entsprechend wird das Unified Endpoint Management auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen:
Peter Meivers.
(Bild: Baramundi)
Sowohl in der IT als auch in der OT ist das einfache und einheitliche Management von unterschiedlichsten Geräten verschiedenster Hersteller mit möglichst hoher Automation die zentrale Anforderung. Wie schnell und wie weit es zwischen IT und OT zu einer Konvergenz im Management kommt, wird die Zeit zeigen.