Wie sich der IT-Diensteanbieter TechniData von einem klassischen Service-Provider zu einer der maßgebenden Kräfte im Bereich „Kritische Infrastrukturen“ (KRITIS) entwickelt hat, verdeutlicht Geschäftsführer Peter Jung in einem Gespräch mit IT-BUSINESS.
„Bei gutem Wetter kann jeder segeln“, sagt TechniData-Chef Peter Jung. Wie dem Unternehmen Wachstum bei rauer See gelungen ist, darüber hat er mit IT-BUSINESS gesprochen.
(Bild: RISHAD - stock.adobe.com / KI-generiert)
Neueinsteiger auf Platz 24: TechniData hat es erstmals auf die Lünendonk-Liste der 25 größten Systemhäuser in Deutschland geschafft. Und das in Zeiten, in denen es nicht allen Systemhäusern und Dienstleistern gut geht. Selten standen mehr Unternehmen zum Verkauf, lange waren die Wachstumschancen so ungleich verteilt. Was also muss man tun, um auf der Sonnenseite zu stehen und zu wachsen?
Peter Jung hat die Geschichte der TechniData maßgeblich geprägt. Ursprünglich aus einem Industrieunternehmen kommend, wechselte er 1999 zu TechniData und wurde 2005 Geschäftsführer der neu gegründeten Tochtergesellschaft TechniData IT-Service. 2009 wagte er dann gemeinsam mit zwei Kollegen den Management-Buy-out, um die Firmenkultur und traditionelle Werte der ursprünglichen Gesellschaft fortzuführen.
Dieser Schritt setzte Dynamiken frei: „Die Ausgründung war für uns ein enormer Schub. Erst als eigenständige Gesellschaft konnten wir unserer Entwicklung richtig Fahrt verleihen“, berichtet Jung. Zentraler Beweggrund war dabei die besondere Firmenkultur: „Wir betonen stets den TechniData-Spirit, der auf Vertrauen, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung basiert. Es wäre schade gewesen, wenn diese Kultur verloren gegangen wäre."
Wir erkannten frühzeitig, dass sich klassische IT-Dienstleistungen unter dem technologischen Wandel deutlich verändern würden.
Peter Jung, Geschäftsführer von TechniData
Strategien für nachhaltiges Wachstum
Nach dem Management-Buy-out folgte zunächst eine Konsolidierungsphase. Doch schon bald stellte sich Wachstum ein – organisch wie anorganisch. Heute umfasst die Unternehmensgruppe rund 370 Mitarbeiter, die deutschlandweit an mehreren Standorten tätig sind, und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro.
Die strategische Neuausrichtung erfolgte im Jahr 2020 mit der Formulierung der „Vision TechniData 2025“. Jung erläutert dies so: „Wir wollten eine Transformation schaffen, hin zum Service- und Solution-Provider. Wir erkannten frühzeitig, dass sich klassische IT-Dienstleistungen unter dem technologischen Wandel deutlich verändern würden.“
Folgerichtig fokussierte das Unternehmen auf Schlüsseltechnologien wie Cloud- und Rechenzentrumslösungen, Security- und SAP-Basis-Services. Zugleich spezialisierte man sich bewusst auf KRITIS-Branchen, insbesondere Healthcare und Energieversorgung. „KRITIS bot uns die ideale Klammer, da hier speziell im Bereich Security enormer Bedarf besteht", erklärt Jung.
Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, baute TechniData kontinuierlich neue Kompetenzen auf. Neben strategischen Akquisitionen setzte man auf die Bildung eines Kompetenznetzwerks im SAP-Umfeld. Wie Jung verdeutlicht: „Durch unser SAP-Transformationsnetzwerk, das wir mit drei Partnern gebildet haben, bieten wir umfassende Lösungen an. Wir kennen uns seit vielen Jahren, wir vertrauen uns und können so gemeinsam eine umfassende und überzeugende Beratungsleistung anbieten.“
Auch in anderen Bereichen wurde konsequent investiert. Ein besonders wichtiger Schritt war dabei die Akquisition des Unternehmens BWG Medizinsysteme, die eine deutlich erweiterte fachliche Beratungsfähigkeit im Healthcare-Bereich ermöglichte. „Vorher waren wir anwendungsbezogen nicht tief genug aufgestellt, nun können wir unseren Kunden breit gefächerte Beratung bieten“, betont Jung.
Unternehmenswachstum trotz externer Krisen
TechniData hat diese ehrgeizigen Ziele trotz Herausforderungen wie der Corona-Pandemie und den geopolitischen Krisen verfolgt und umgesetzt. „Bei schönem Wetter kann jeder segeln“, sagt Jung und verweist damit auf die notwendige Stärke eines stabilen Kulturfundaments: „Unsere besondere Unternehmenskultur stellt die Mitarbeitenden klar in den Mittelpunkt. Das zahlt sich aus, besonders in schwierigen Zeiten.“
Eine neue Vision „TechniData 2030“ ist in Arbeit. Jungs persönliches Ziel bringt es auf den Punkt: „Ich wünsche mir, dass TechniData weiterhin als eigenständiges, inhabergeführtes Unternehmen agiert, und wir somit unsere langfristige unternehmerische Freiheit bewahren können.“ Gerade diese Unabhängigkeit sieht Jung als entscheidenden Vorteil, um schnell auf Marktentwicklungen reagieren zu können und langfristige Investitionen zu tätigen, ohne dauerhaft auf Quartalsergebnisse von Investoren achten zu müssen.
Themen der Zukunft beim Kunden und Unternehmen
Kunden setzen zunehmend auf fortschrittliche Lösungen, die den Herausforderungen des Fachkräftemangels entgegenwirken und gesetzliche Anforderungen erfüllen. Das Interesse an Themen wie digitaler Souveränität oder KI ist zwar groß, doch Jung sieht hier noch Zurückhaltung: „Digitale Souveränität ist derzeit ein Hype-Thema, dem in der Realität nicht immer Taten folgen. Ähnliches gilt für KI. Aktuell steckt sie in der Praxisanwendung noch deutlich in den Kinderschuhen.“
Stand: 08.12.2025
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TechniData zeigt, wie sich ein Unternehmen in stark verändernden IT-Märkten nicht nur behaupten, sondern gezielt wachsen und strategisch neu ausrichten kann. Entscheidend dafür sind nicht nur technologische Kompetenz und weitsichtige strategische Planung, sondern vor allem eine besondere Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter ins Zentrum des Handelns stellt.