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Produktentwicklung vor allem mit Großunternehmen

Startups verzichten wegen Bürokratie auf Staatsgelder

| Autor: Sarah Gandorfer

Beinahe jedes zweite Startup hat finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln bekommen.
Beinahe jedes zweite Startup hat finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln bekommen. (Bild: Pixabay / CC0)

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Firmengründungen werden staatlich gefördert. Viele Jungunternehmen finden es allerdings zu umständlich, an diese Gelder zu kommen. Wenn es darum geht, in der Wirtschaft einen Partner für die Entwicklung und Umsetzung der frischen Ideen sowie Technologien zu finden, kommen eher Großunternehmen als der Mittelstand ins Spiel.

Was staatliche Hilfe angeht, sind Startups eher zurückhaltend. Ihnen stünden zwar Gründungsstipendien, staatliche Darlehen oder auch Risikokapital zur Verfügung, aber nur jeder zweite Gründer (47 Prozent) greift beispielsweise auf eine Form von finanzieller Hilfe zu. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des Bitkom unter mehr als 300 deutschen Startups.

Jeder Dritte (36 Prozent) verzichtete auf entsprechende Anträge, weil ihm der bürokratische Aufwand zu hoch war (66 Prozent). Zudem beklagen 43 Prozent der Befragten den mangelhaften Überblick über die Angebote sowie fehlende Zeit und Personal, um sich zu informieren (35 Prozent).

Die meisten Anträge werden positiv beschieden

Jeder fünfte Jungunternehmer (21 Prozent) verzichtete auf eine Antragstellung, weil ihm die Erfolgsaussichten zu gering erschienen. Immerhin 40 Prozent haben aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen auf einen Antrag verzichtet, weil sie eine private Finanzierung vorziehen. Dabei stehen die Chancen, dass der Antrag durchgewunken wird, recht gut: Nur 15 Prozent der Gründer geben an, dass schon einmal ein Antrag abgelehnt wurde.

Gerade bei den ersten Schritten der Unternehmensgründung stellt der Staat Fördermittel bereit. So haben 24 Prozent der Gründer Beratungs- und Coaching-Zuschüsse erhalten, 22 Prozent Material-, Sachkosten- und Personalzuschüsse sowie 21 Prozent ein Gründungsstipendium. Einen staatlichen Kredit hat dagegen nur rund jedes neunte Startup (11 Prozent) in Anspruch genommen und eine staatliche Beteiligung in Form von Risikokapital sogar nur rund jedes Elfte (9 Prozent).

Kooperation mit etablierten Unternehmen

Die Mehrheit der neu gegründeten Firmen arbeitet mit etablierten Unternehmen zusammen. So geben 60 Prozent der Gründer an, dass gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen entwickelt werden, 43 Prozent arbeiten auf andere Art, etwa bei Gründerwettbewerben, mit etablierten Unternehmen zusammen. Außerdem sind an jedem fünften Startup (21 Prozent) etablierte Unternehmen finanziell beteiligt. Nur 14 Prozent sagen, dass es gar keine Zusammenarbeit gibt – und vier Prozent wollten oder konnten dazu keine Angaben machen.

Startups, die nicht mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten, begründen dies am häufigsten damit, dass sie unabhängig bleiben wollen (48 Prozent). Rund jedes Dritte (36 Prozent) sieht in einer Kooperation keinen Mehrwert, rund jedes Vierte (29 Prozent) hat kein konkretes Projekt, bei dem sich eine Zusammenarbeit anbietet.

Jeder fünfte Gründer (21 Prozent) gibt allerdings an, dass etablierte Unternehmen kein Interesse an einer Zusammenarbeit hätten, 17 Prozent sagen, dass sie keinerlei Kontakt zu ihnen hätten. Und 14 Prozent der Gründer verweisen darauf, dass sie keine Zeit für solche Kooperationen hätten, sieben Prozent fehlt es an den notwendigen finanziellen Mitteln.

Eher Großunternehmen als Mittelstand

Eine weitere Studie des Bitkoms, zum Stand der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft, bei der 604 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt wurden, zeigt außerdem, dass Mittelständler eher selten mit Startups zusammenarbeiten. Sechs von zehn Unternehmen (61 Prozent) ab 20 Mitarbeitern geben an, dass sie überhaupt nicht mit Startups zusammenarbeiten. Unter den Mittelständlern mit 50 bis 499 Mitarbeitern beträgt der Anteil sogar 66 Prozent. Dagegen verzichten nur 4 von 10 Unternehmen (41 Prozent) mit 500 oder mehr Beschäftigten auf die Zusammenarbeit.

„Der Mittelstand tut sich noch häufig schwer damit, die Digitalisierung aktiv zu gestalten und für das eigene Unternehmen zu nutzen. Startups können hierbei eine wichtige Unterstützung sein – und sie können zugleich von den Erfahrungen und Kontakten der etablierten Unternehmen profitieren“, findet Bitkom-Präsident Achim Berg.

Über alle Firmengrößen hinweg ergibt sich folgendes Bild: Knapp jedes dritte Unternehmen (30 Prozent) kooperiert lose mit Startups, etwa durch Zusammenarbeit bei Gründerwettbewerben. Jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) gibt an, mit Startups gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Bei den kleineren Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern beträgt der Anteil allerdings nur 6 Prozent, im Mittelstand mit 50 bis 499 Mitarbeitern sind es elf Prozent und bei größeren Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sogar 22 Prozent. Und nur 9 Prozent der Unternehmen sind finanziell an Startups beteiligt – und auch hier zeigt sich je nach Größe ein eklatanter Unterschied.

Während nur sechs Prozent der Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern Startup-Beteiligungen halten, sind es im Mittelstand mit 50 bis 499 Mitarbeitern bereits 19 Prozent und bei den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sogar rund jedes zweite (48 Prozent). „Gerade kleinere Unternehmen sollten den Versuch wagen, Kooperationen mit Startups einzugehen. Es gibt inzwischen fast überall in Deutschland entsprechende Orte und Gelegenheiten der Vernetzung und nicht zuletzt die Digital-Hub-Initiative der Bundesregierung“, empfiehlt Berg.

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