Private und öffentliche 5G-Netze Private-5G-Plattform von NTT

Autor: Melanie Staudacher

Wie können Unternehmen mit einer eigenen 5G-Plattform ihre Prozesse digitalisieren und effizienter gestalten? Und wie können Reseller an dem Geschäft teilhaben? Diese Fragen beantwortet der Dienstleister NTT, der eine Private-5G-Plattform entwickelt hat.

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5G macht große Datenmengen schnell verfügbar und eignet sich somit für Echtzeitanwendungen und die Vernetzung in Smart Cities.
5G macht große Datenmengen schnell verfügbar und eignet sich somit für Echtzeitanwendungen und die Vernetzung in Smart Cities.
(Bild: Aliaksandr Marko - stock.adobe.com)

Anwendungsfälle für 5G gibt es bereits viele, zum Beispiel autonomes Fahren und die Vernetzung von Maschinen. Viele Unternehmen wollen nun auf sogenannte „private“ 5G-Netze setzen, um ihre spezielle Anforderungen zu erfüllen. Besonders sinnvoll sind Private-5G-Plattformen (siehe Kasten), wenn Anwender große Datenmengen verarbeiten müssen, niedrige Latenzzeiten bei gleichzeitiger Hochverfügbarkeit des Netzes erforderlich sind und sehr viele Geräte ins Netz eingebucht sind.

Um die Digitalisierung zu fördern, hat der IT-Dienstleister NTT eine solche Plattform für private LTE- und 5G-Netze entwickelt. Wie gut eine 5G-Plattform breitbandige Datenanwendungen unterstützt, konnten Zuschauer bei den Olympischen Spielen in Tokyo erleben. Dort hat NTT zusammen mit Intel ein 5G-Netzwerk zur Übertragung der Segelwettbewerbe aufgebaut. Mit vier 4K-Kameras, die auf Drohnen und Booten montiert waren, wurden in Echtzeit Bilder mit 12K-Auflösung und einem weiten Blickwinkel erzeugt.

Was ist Private 5G?

Ein Private-5G-Netz ist physisch vom öffentlichen Mobilfunknetz abgegrenzt und nur lokal verfügbar. Diese Netzwerke sind nicht für die öffentliche Nutzung vorgesehen, sondern privat. Sie eignen sich vor allem für anspruchsvolle Umgebungen wie Fabriken, in denen Maschinen, Sensoren unt Steuerungen vernetzt werden müssen.

Dank der geringen Verzögerung bei der Übertragung, sind Private-5G-Plattformen auch für Echtzeitanwendungen in der Industrie und im Gesundheitswesen geeignet. Dadurch ist zum Beispiel der Einsatz von Augmented Reality möglich, mit der chirurgische Eingriffe aus der Ferne unterstützt werden.

Die Private-5G-Plattform von NTT basiert auf einer Cloud-nativen Architektur und steht über die Cloud, On-Premises oder am Edge bereit. Damit können Unternehmen große Datenmengen schnell verfügbar machen und datenbasierte Entscheidungen schneller treffen, zum Beispiel hinsichtlich der Automatisierung, Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit. „Ein gutes Beispiel sind Qualitätskontrollen mittels Kamera, die die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen wahren, indem diese in Echtzeit anonymisiert werden“, erklärt Marcus Giehrl, Director Digital Transformation bei NTT.

Private 5G-Netze in Planung

Im September 2020 befragte das Marktforschungsunternehmen IDC 250 industrienahe Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zur Umsetzung des Industrial IoT.

Obwohl die Befragten mit 43 Prozent zum größten Teil kabelgebundene Verbindungen für ihre IIoT-Projekte nutzen, ist 5G der Technologiebaustein, der IIoT und die Weiterentwicklung von Edge Computing am stärksten fördert. Insgesamt setzen 13 Prozent der befragten Unternehmen 5G in Projekten und Pilotprojekten ein, weitere 46 Prozent planen es. Außerdem haben laut IDC bereits viele Unternehmen die 5G-Frequenzen für ihre Standorte lizenziert. Unter den Studienteilnehmern, insgesamt 66 Prozent derjenigen, die 5G nutzen oder es planen, wollen ein privates 5G-Netz aufbauen.



Wie profitieren Reseller von 5G?

Durch private 5G-Netze öffnet sich der Markt für Organisationen, die eigene 5G-Netze lokal aufbauen. Denn mit der Technologie sind Unternehmen nicht mehr auf die Netze von Herstellern und ihren spezifischen Mobilfunktechnologien angewiesen.

Unternehmen können eine Private-5G-Lösung aus Komponenten mehrerer Hersteller aufbauen, die über entsprechende Standards untereinander kompatibel sind. Laut Giehrl wird Private 5G damit zu einem schnell wachsenden Markt für Systemintegratoren und Service Provider. Die Dienstleister können Unternehmen beim Design und Aufbau ihrer Netze beraten und Support für den Betrieb bieten.

5G in Smart Cities

Während Unternehmen ihre eigenen 5G-Netze aufbauen, tragen öffentliche 5G-Netze zu Fortschritten im autonomen Fahren bei. Denn eine Vernetzung von bewegten Objekten benötigt eine unterbrechungsfreie Verbindung über mehrere Funkzellen hinweg. Nicht nur im öffentlichen Straßenverkehr ist dies relevant. Sondern auch in Werkshallen, Logistikzentren und an Flughäfen. „Sinnvoll ist der Einsatz von 5G zudem, wenn Unternehmen eine präzise, zeitabhängige Steuerung von Abläufen, zum Beispiel in Produktionsanlagen bei der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation realisieren wollen“, ergänzt Giehrl.

Das Beratungsunternehmen Capgemini nennt konkrete Anwendungsszenarien, wie 5G in Städten zum Einsatz kommen kann:

  • Smartes Verkehrsmanagement: Sensoren in der städtischen Verkehrsinfrastruktur und automatisiert fahrende Fahrzeuge liefern die nötigen Daten, um den Verkehr zentral und optimal zu steuern. Bei Bedarf werden Verkehrsströme in direkter Kommunikation mit den einzelnen Fahrzeugen umgeleitet oder gezielte Maßnahmen zur Sicherung und Instandhaltung der Infrastruktur initiiert.
  • Intelligenter Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Öffentliche Verkehrsmittel fahren komplett automatisiert und auf dynamischen Routen, die sich nach dem Bedarf von Fahrgästen richten. Der ÖPNV reagiert in Echtzeit auf Vorgaben des zentralen Verkehrsmanagements.
  • Automatisierte Vehicle-to-everything-Fahrzeuge (V2X): Privatfahrzeuge fahren automatisiert und untereinander vernetzt, um Sicherheit und Energieverbrauch zu optimieren. Sie reagieren dynamisch auf Informationen des zentralen Verkehrsmanagements zu Sperrungen, Gefahrenzonen oder Umleitungen. Gleichzeitig liefern Fahrzeuge Standort- und Umweltdaten, um etwa Engpässe in den Straßen zu vermeiden oder den Straßenzustand zu überprüfen.
  • Smart Ambulance & Security: Einsatzkräfte von Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei können bei Bedarf mobil auf Daten des zentralen Verkehrsmanagements zugreifen und Technologien wie Gesichtserkennung während Einsätzen nutzen.

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH