Ausbau des Service-Portfolios PCO stellt sich auf das Ende der IT-Abteilung ein

Von Michael Hase 6 min Lesedauer

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PCO treibt die Transformation zum MSP und Beratungshaus weiter voran. Mit Kai Minnerup steht jetzt neben Frank Hölscher ein zweiter Geschäftsführer an der Spitze des Dienstleisters. Ihr Portfolio erweitern die Osnabrücker demnächst um ein neues Support-Angebot.

Frank Hölscher (l.) und Kai Minnerup führen gemeinsam die Geschäfte von PCO.(Bild:  PCO)
Frank Hölscher (l.) und Kai Minnerup führen gemeinsam die Geschäfte von PCO.
(Bild: PCO)

Von Marktentwicklungen lässt man sich bei PCO nicht passiv treiben. Vielmehr hat das Systemhaus aus Osnabrück seinen Kurs immer wieder aktiv nachjustiert, um Geschäftsmodell und Leistungsangebot an die sich verändernden Kundenanforderungen anzupassen. So haben die Niedersachsen schon vor Jahren die Entwicklung zum Managed Service Provider (MSP) eingeleitet. Und sie haben frühzeitig die Bedeutung von Cybersecurity für das Portfolio eines ITK-Dienstleisters erkannt. PCO gehört heute zu den wenigen Häusern seiner Größenklasse, die ein eigenes Security Operations Center (SOC) betreiben.

„Wir sind heute kein Systemhaus mehr“, sagte Frank Hölscher, Geschäftsführer bei PCO, schon vor anderthalb Jahren gegenüber IT-BUSINESS. Der Manager, der 1991 als System Engineer ins Unternehmen kam und 2017 an dessen Spitze aufrückte, hat die Transformation mit Pragmatismus und Teamgeist vorangetrieben.

Seit September vergangenen Jahres steht dem 54-Jährigen mit Kai Minnerup ein zweiter Geschäftsführer zur Seite, der zuletzt beim Software-Anbieter Compugroup Medical als Vice President für Service und Support verantwortlich zeichnete. Bei PCO verantwortet der 44-Jährige inzwischen das operative Geschäft. Hölscher widmet sich nun der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens sowie dem Management der Beziehungen zu Kooperationspartnern und Herstellern. „Wir wollen in den kommenden Jahren weiterhin wachsen, IT-Talente für uns gewinnen und weitere Marktanteile erschließen.“

Lösungskompetenz und Beratungstiefe

Der grundlegenden Ausrichtung des Unternehmens möchte Minnerup treu bleiben, wie er im Gespräch mit IT-BUSINESS ­betont. Der Dienstleister gliedert sein ­Geschäft in die Felder Modern Infrastructure, Modern Workplace und Cybersecurity und verfolgt dabei einen fokussierten Ansatz, der auf Lösungskompetenz und Beratungstiefe abzielt. „Wir sind ein Team von Experten und wollen den Markt nicht mit einem Bauchladen bedienen.“ Zu den Zielen des neuen Geschäftsführers gehört es, die Positionierung von PCO als MSP zu stärken, die Service-Prozesse weiter zu verbessern und die Anzahl der Managed-Service-Verträge auszubauen.

Perspektivisch wird die klassische IT-Abteilung im Mittelstand aussterben

Kai Minnerup, Geschäftsführer bei PCO

„Die Strukturen, die ich hier vorgefunden habe, und die Vision möchte ich mit meiner Erfahrung und meinen Ideen ergänzen.“ Minnerups Kernkompetenz liegt insbesondere bei Service und Support, wofür er nicht nur bei der Compugroup, sondern zuvor bereits beim Oldenburger TK-Anbieter EWE Tel verantwortlich zeichnete. Eines seiner ersten Projekte bei PCO ist der Aufbau eines Teams, das ergänzend zum Managed-Service-Portfolio den First und Second Level Support für Kunden übernimmt. Einen solchen umfänglichen Anwender-Support gab es bei dem MSP, der teils Leistungen ab dem Second Level angeboten hat, bislang nicht. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gange. Mit Eduard Schäfer haben die Osnabrücker dafür im März einen verantwortlichen Business Development Manager eingestellt, der ebenfalls von der Compugroup kommt. Außerdem haben sie ein neues Ticketsystem eingeführt. Im Oktober soll der Pilotbetrieb starten.

Für das Support-Angebot gibt es offenbar einen Bedarf im Markt. Von Kunden habe er bereits mehrere Anfragen in diese Richtung erhalten, berichtet Minnerup. Denn sie tun sich nach seiner Beobachtung immer schwerer, Personal für diese Aufgaben zu rekrutieren. Er rechnet sogar damit, dass sich die Situation noch verschärfen wird und Unternehmen „in Zukunft kaum noch Mitarbeiter finden werden, die Interesse haben, in einer IT-Abteilung mit bis zu fünf Mitarbeitern zu arbeiten“, führt der Experte aus. „Perspektivisch wird die klassische IT-Abteilung im Mittelstand aussterben, und die Unternehmen werden immer stärker darauf angewiesen sein, dass sie einen starken Partner finden, der IT-Themen auf standardisierte Weise für sie abarbeitet.“

Entwicklung von Mitarbeitern

Mit dem Aufbau des Support-Teams reagiert Minnerup aber nicht nur auf einen Kundenbedarf. Er schafft damit zugleich interne Strukturen, über die sich neue Mitarbeiter schrittweise entwickeln können. Denn PCO möchte auch Berufsanfängern und Quereinsteigen eine Perspektive im IT-Service-Geschäft eröffnen. Im Idealfall qualifizieren sie sich vom First Level Support mit einfachen Anfragen über den Second Level mit komplexeren Anforderungen zu Experten weiter, die dann etwa Beratungsleistungen bei Kunden erbringen oder Aufgaben im SOC übernehmen. Neuem Personal müsse man Entwicklungsmöglichkeiten bieten, um sie im Unternehmen zu halten, weiß der Geschäftsführer. „Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, dass wir Experten auf dem Markt für uns gewinnen. Vielmehr müssen wir uns Konzepte überlegen, wie wir Mitarbeiter ausbilden, sie über die Jahre entwickeln und langfristig an uns binden.“

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Trotz Fachkräftemangels war PCO bei der Mitarbeiterakquise in den vergangenen Monaten erfolgreich. Seit September 2022 ist die Organisation von 145 auf etwa 185 Köpfe gewachsen. Schon in wenigen Monaten wird sie die Zahl von 200 übertreffen. Die Arbeitsverträge sind bereits unterzeichnet. „Wir haben eine moderne Kultur und sind als Arbeitgeber sexy für Bewerber aus der IT-Branche.“ Gründe dafür mögen flache Hierarchien, ein hohes Maß an Eigenverantwortung der einzelnen Mitarbeiter und ein ausgeprägtes Team-Denken sein.

DIRT: Gemeinsam gegen die Dunkle Seite des Cyberspace

Unter dem Dach der Compass Gruppe hat sich 2021 das Deutsche Incident Response Team (DIRT) formiert. Auf Initiative des Osnabrücker Dienstleisters PCO fanden sich dazu mehrere Mitglieder des Verbunds zusammen, um gemeinsam die Abwehr von Cyberbedrohungen zu organisieren. Ziel war der Aufbau eines überregionalen Netzwerks von Vorfall-Experten, die Unternehmen bei erfolgreichen Angriffen innerhalb weniger Stunden helfen, die Schäden einzudämmen und die betroffenen Systeme wieder zum Laufen zu bringen. 2022 ging es dann an die Arbeit.

Mittlerweile stehen die Strukturen und die Häuser haben ausgebildetes Fachpersonal für Vor-Ort-Einsätze bereitgestellt. Neben PCO machen bei DIRT die Compass-Mitglieder Bents (Aurich), Compdata (Albstadt), Data­group (Pliezhausen), FKS (Hamburg), Hees (Siegen), Leitwerk (Appenweier), SHD (Dresden) und Starke + Reichert (Kassel) mit. Cloudsupplies (Hamburg) und Schweickert (Walldorf) sind als externe Partner dabei.

Da Incident Response fundiertes Wissen erfordert, spielen Schulungen bei der Initiative ­eine wesentliche Rolle. Von Juli an veranstalten die Partner gemeinsam mit dem BSI mehrere ­Kurse, in denen bis Jahresende fast 50 Secu­rity-Berater weitergebildet werden. Sie dürfen anschließend den Titel „BSI Vorfall-Experte“ tragen. PCO selbst hat es inzwischen auf die APT-Liste des BSI geschafft. Darauf finden sich vom Bundesamt empfohlene Dienstleister, die in der Lage sind, Unternehmen bei schwer­wiegenden Angriffen zu helfen.

Darüber hinaus haben die DIRT-Partner in den vergangenen Monaten ein Fast Incident Response Support Toolkit (FIRST) entwickelt. Mit der Software lassen sich nach erfolgreichen Attacken schnell forensische Analysen vornehmen, um das Ausmaß des Schadens, den der Angreifer angerichtet hat, zu erfassen.

Die Osnabrücker sind in den vergangenen Jahren durchaus unkonventionelle Wege gegangen. So strich Hölscher etwa individuelle Provisionen im Vertrieb, weil er Erfolge als Gemeinschaftsleistung betrachtet und Teams dafür honorieren wollte. Außerdem schaffte er 2021 den zentralen Vertrieb ab. Stattdessen ordnete PCO die Mitarbeiter den einzelnen Geschäftsbereichen zu und bildete sie zu Focus-Sales-Managern weiter, die Unternehmen eingehend beraten können. „Die Umstellung ist bei den Kunden gut angekommen“, berichtet Christian Gäbel, Business Development Manager Cybersecurity bei PCO. Denn die Vertriebsleute seien nun in der Lage, auf Augenhöhe mit IT-Leitern und Entscheidern in Fachbereichen zu reden.

Christian Gäbel, Business Development Manager Cybersecurity bei PCO, hat das Deutsche Incident Response Team (DIRT) maßgeblich mit aufgebaut.(Bild:  PCO)
Christian Gäbel, Business Development Manager Cybersecurity bei PCO, hat das Deutsche Incident Response Team (DIRT) maßgeblich mit aufgebaut.
(Bild: PCO)

Aktiv in Netzwerken

PCO verlässt sich traditionell nicht nur auf die eigene Kompetenz, sondern hat von Beginn an Kooperationen mit diversen Partnern gepflegt. So gehört das 1984 gegründete Systemhaus zu den ersten Mitgliedern der Compass Gruppe, die sich 1988 formierte, und engagiert sich bis heute in dem Verbund. Ein Beispiel für diese Aktivität ist das Deutsche Incident Response Team (DIRT), das 2021 auf Initiative Gäbels ins Leben gerufen wurde (siehe Kasten). Im Juli 2022 ist PCO überdies dem Verbund Bits&Vision beigetreten. Dem Netzwerk gehören 16 Beratungshäuser an, die sich mit dem Design von Geschäftsprozessen, mit Risiko- und Compliance-Management oder mit der Analyse von Daten befassen. In der neuen Mitgliedschaft spiegelt sich wider, dass Consulting-Leistungen im Portfolio der Niedersachsen zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. So bieten sie heute etwa Beratung zu Enterprise Architecture Management (EAM), zu IT-Sourcing-Strategien, zu Notfall-Management sowie zu Informationssicherheit und Datenschutz an.

Auch wenn Kooperationen für PCO somit nichts Neues sind, so werden sie nach Einschätzung von Service-Profi Minnerup zunehmend wichtiger. Denn das IT-Geschäft erfordere heute eine tiefer gehende Spezialisierung, während das Aufgabenspektrum zugleich breiter wird. „Ich bin davon überzeugt, dass IT-Dienstleister nur mit entsprechender Größe oder in starken Verbünden überleben können. Als kleineres Unternehmen den Mittelstand ganzheitlich bedienen zu können, halte ich für ausgeschlossen. Dafür sind die technologischen Anforderungen viel zu hoch geworden.“

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