Während sich manche Partner aktuell in der Transformation zu einem Managed Service Provider befinden, denkt der Marketplace Pax8 einen Schritt weiter. Die Botschaft bei der Beyond EMEA 25 war klar: MSP sollten jetzt zu Managed Intelligence Providern werden.
Das Wachstum von Pax8 spiegelte sich in der regen Teilnahme der Beyond EMEA in Amsterdam wieder. Mehr als 1.000 Partner waren gekommen. Bei der EMEA-Veranstaltung im nächsten Jahr plant Pax8 mit doppelt so vielen Teilnehmern.
(Bild: Pax8)
Amsterdam war der Veranstaltungsort der diesjährigen Beyond EMEA des MSP-Marketplaces Pax8. Über 1.000 Partner aus ganz Europa versammelten sich, 100 Teilnehmer reisten aus der DACH-Region an – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des deutschsprachigen Marktes für Pax8.
Die Veranstaltung fokussierte sich insbesondere auf Künstliche Intelligenz und die Transformation vom MSP zum Managed Intelligence Provider (MIP). „In fünf Jahren wird die Natur der Arbeit nicht mehr wiederzuerkennen sein“, prognostizierte CEO Scott Chasin in seiner Keynote. Seine Vision: Agenten übernehmen mehrstufige Arbeitsabläufe und fungieren als digitale Kollegen. KI werde so unverzichtbar wie Strom, und es entstehe bereits eine neue Art von Infrastruktur, um diese Intelligenz zu unterstützen. „Jede Reise braucht Schwung, und wenn Transformation die Reise ist, dann ist Innovation die Kraft, die sie vorantreibt.“
Bei diesem Prozess möchte Pax8 MSP begleiten und hat dafür neue Funktionen, Tools und Programme angekündigt.
Das MIP Playbook: Der strategische Leitfaden soll MSP dabei helfen, sich zum MIP zu entwickeln und als Architekten einer agentenbasierten, KI-gestützten Transformation für KMU zu fungieren. Das Playbook beschreibt dafür fünf Schlüsselmaßnahmen: Entdecken (Ineffizienz bei Kunden), Kaufen (Agenten und KI-Lösungen), Aufbauen (proprietäre Agenten-Stacks und Workflow-Automatisierungs-Pipelines), Verkaufen (ergebnisorientierte Preisgestaltung) und Verwalten (kontinuierliche Optimierung).
Guided Growth: Das Programm zur Partner-Weiterbildung setzt am Start an, wie Craig Donovan, Chief Experience Officer bei Pax8, beschreibt: „Zum einen fühlte sich diese Reise wie eine große Herausforderung an, und zum anderen fragen sich einige: Wie fängt man an?“ Individualisierung ist dabei möglich. „Nicht jeder Partner muss zur gleichen Zeit die gleichen Dinge lernen. Einige brauchen technische Hilfe, einige Hilfe beim Vertrieb und andere operative Unterstützung.“ Gelöst wird das durch ein Assessment-System: Partner absolvieren einen Test zur Selbstbewertung ihrer KI-Fähigkeiten. „Auf der Grundlage der Ergebnisse erhalten sie einen Bericht, und dann die ersten sechs Kurse in ihre Lernbibliothek“, erklärt Donovan. Nach Abschluss folgen weitere passende Kurse, die in eigener Geschwindigkeit absolviert werden können. Das Programm umfasst mehr als hundert Kurse in drei Kernbereichen: Technologie, Vertriebsabläufe und Geschäftstransformation. Neu hinzugekommen ist Microsoft OneCloud Guided Growth für das Microsoft-Ökosystem.
Voyager Alliance Rewards: Ergänzend zur bestehenden Voyager Alliance gibt es nun ein punktebasiertes Belohnungssystem für Partner. „Bei den Prämien geht es darum, dass jeder Partner individuell sein Prämienpaket zusammenstellen kann“, so Donovan. D. h. Partner erhalten für Aktivitäten Punkte und können diese gegen Vorteile, die sie benötigen, eintauschen.
Agent Store: Die agentenorientierte Plattform soll es Partnern ermöglichen, KI-Agenten zu entdecken, einzusetzen, zu bündeln, aufzubauen, zu verkaufen und zu verwalten – alles an einem zentralen Ort. Der Store soll Anfang 2026 verfügbar sein.
Donovan skizziert ehrgeizige Pläne für die Weiterentwicklung der Partner-Experience: „Es liegt natürlich in unserer DNA, dass jeder Tag, jeder Monat größer und besser sein soll als der Monat zuvor. Im Moment sind wir motiviert und begeistert. All die Veränderungen, die durch KI stattfinden, beflügeln diese Energie noch mehr.“
Vom MSP zum MIP
Veränderte Preisgestaltung
Mit dem Wandel vom MSP zum MIP geht auch ein Wandel der Preisgestaltung einher. „Das Preismodell selbst wird sich für unseren MSP grundlegend ändern. Derzeit berechnen sie in der Regel einen festen Betrag pro Person am Standort des Kunden“, weiß Donovan. An einem Partnerbeispiel verdeutlicht er, dass Partner ihre KI-Technologien oft zu niedrig berechnen und erst nachträglich erkennen, welchen höheren Wert sie dem Kunden eingespart haben. Donovan spricht von drei neuen möglichen Preismodellen: workflow-basierte Abrechnung zu Festpreisen, per-Agent-Modelle und das ergebnisorientierte Modell – für ihn am interessantesten. „Es erfordert so viel Vertrauen zwischen Partner und Kunden, aber es ist tatsächlich ergebnisorientiert.“ Das Prinzip: gemeinsame Zielsetzung für Nutzen im Geschäft des Kunden. Der MSP könnte beispielsweise vorschlagen, jedes Quartal einen Prozentsatz der OPEX-Einsparungen zu erhalten, wenn dieser darauf abzielt, sein EBITDA zu steigern.
Wachstum und Vertrauen in der EMEA-Region
Von den Neuerungen profitieren auch MSP in der EMEA-Region. Auf die Frage, ob alle EMEA-Partner für diese Transformation bereit sind, gibt Harald Nuij im Gespräch mit IT-BUSINESS eine ehrliche Antwort: „Nein. Manche Unternehmen haben andere Prioritäten, unterschiedliche Ziele oder nicht die nötigen Kapazitäten.“ Die Transformation erfordere interne Änderungen: „Die Transformation von MSP zu MIP bedeutet zunächst, selbst Kunde eins zu sein – experimentieren, KI-Agents aufbauen.“
Zuspruch von den Partnern erhält der Marketplace dennoch. „Wir verzeichnen ein enormes Momentum. Unser Partnerökosystem umfasst mittlerweile über 8.000 MSP und IT-Systemhäuser, mit 150 bis 200 Neuzugängen monatlich“, spricht Nuij über das Wachstum in der Region. Das Vertrauen ist auch dem strategischen Markt-Eintritt geschuldet: 2021 übernahm Pax8 Wirehive in Großbritannien, im Sommer 2021 Resello in den Niederlanden und Deutschland sowie weitere Unternehmen in den baltischen Staaten. „Viele unserer europäischen Kollegen bringen jahrelange Branchenerfahrung mit, teilweise länger, als Pax8 selbst existiert“, erklärt der EMEA-Chef.
Stand: 08.12.2025
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Mit diesem Vertrauen möchte Nuij Pax8 in der Region noch größer machen. „Unser Ziel ist es, allen MSP und MIP in der Region die besten lokalisierten Dienstleistungen bieten zu können. Das lässt sich nicht von einem auf den anderen Tag erreichen. Daher machen wir keinen Sprint, sondern einen Marathon.“
Dieser Ansatz zahlt sich auch in der DACH-Region aus. „Wir konzentrieren uns in der aktuellen Phase in den drei DACH Ländern primär darauf, eine ausbalancierte und vor allem nachhaltige Partnerlandschaft aufzubauen, und hier liegen wir deutlich über den Zielen, die wir uns für 2025 gesetzt haben“, bestätigt Thorsten Oevel, Regional Sales Director DACH, im Gespräch mit IT-BUSINESS. Zudem wird weiter in die Region investiert: Das deutsche Team wurde auf rund 30 Kollegen ausgebaut, seit einigen Monaten ist Pax8 auch in der Schweiz im Circle in Zürich und drei Mitarbeitern aktiv. Noch in diesem Jahr eröffnet das Unternehmen zusätzlich einen zweiten deutschen Standort in München.
Die DACH-Partner bei der diesjährigen Beyond in Amsterdam
(Bild: Vogel IT-Medien)
„Aus einer EMEA Perspektive, steht die DACH Region auch in 2026 – und darüberhinaus – in DEM internen Spotlight, insofern, dass wir weithin und langfristig die absolute Unterstützung und das Vertrauen erhalten, die positive Reise in der Region mit viel Rückenwind fortsetzen zu können“, erklärt Oevel. Partner hätten den Wunsch nach deutschsprachigen Ressourcen geäußert, weshalb auch bei Content und Bildung deutschsprachige Academy-Teams geplant seien. „Bei komplexen Themen fühlen sich Partner berechtigterweise in ihrer Sprache sicherer und kommen schneller ans Ziel. Wir wollen den Bedürfnissen unserer Partner gerecht werden.“ Die spezifischen Marktcharakteristika sind Pax8 dabei bewusst: „Der Austausch untereinander ist entscheidend. Wir schaffen Plattformen dafür und entwickeln Verständnis für aktuelle Herausforderungen. Partner spüren diese Wertschätzung.“
100 Prozent Cloud-Fokus als strategische Differenzierung
Oevel hebt die klare Positionierung von Pax8 gegenüber traditionellen Distributoren hervor: „ Wir kommen nicht aus der klassischen Broadline-Distribution – 100 Prozent Cloud, 100 Prozent Marketplace.“ Diese Fokussierung basiert auf drei strategischen Säulen, die Pax8 von Wettbewerbern unterscheiden soll: „Da ist einmal die Community, die wir unter anderem durch Events wie die Beyond weiter ausbauen möchten. Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der die MSP-Community zusammenkommt und der Wettbewerbsgedanke beiseitegeschoben wird.“ Die zweite Säule ist Innovation: „Über 1.600 Mitarbeitende weltweit konzentrieren sich ausschließlich darauf, unseren Marketplace und die Tools drumherum weiterzuentwickeln.“ Die dritte Säule bilden die Mitarbeiter, die mit „Herzblut, Authentizität und Fingerspitzengefühl agieren – nicht nur gegenüber Vendoren, sondern auch Partnern und MSP. So schaffen wir Vertrauen und begleiten nachhaltig.“