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Kommentar: Die Grenzen des Bullshit-Bingos
Kennen Sie das Spiel „Bullshit-Bingo“? Es ist ein mutiges, subversives und grandioses Spiel für den Büroalltag. Bei diesem Spiel werden vor einem Meeting oder Verkaufsgespräch eine Reihe von Marketing-Phrasen festgelegt. Beispielsweise: „Marktführer“, „Effektivität“, „Win-Win-Situation“, „innovativ“ oder „am Ende des Tages“.
Erfunden hat Bullshit-Bingo ein Wissenschaftler bei Silicon Graphics, der dafür einen Karten-Editor programmierte, welcher Bingo-Karten mit diesen typischen Business-Wortphrasen zum Wegstreichen in Meetings generiert. Bei einer gefüllten Spalte, Zeile oder Diagonale, erhebt sich der mutige Spieler in einem Meeting und ruft je nach Spielvariante entweder „Bullshit“ oder „Bingo“.
Zu den großen Buzzwords in der IT-Branche zählt das Wort „Solution“, oder übersetzt „Lösung“. Die Bezeichnung ist bei Marketiers deswegen so beliebt, weil sie den Erfolg gleich impliziert, nämlich dass Problemstellungen „gelöst“ werden. Ein Bullshit-verdächtiger Euphemismus ist der Begriff aber per Definition, denn es ist beschönigendes Hüllwort. Schließlich verkennt es, dass viele ältere „Lösungen“ in der IT-Branche Teil neuer Probleme sind. Die meisten „Lösungen“ sind schlichtweg Produkte und einige der „Lösungen“ erwiesen sich in der praktischen Umsetzung als Desaster. Warum heißt es so oft „Lösung“, wenn es in Wirklichkeit nur um einen schnöden Server geht?
Aber welches einfache, prägnante Wort beschreibt beispielsweise ein Paket aus Nutzeridentifikations-Middleware samt Datenbank, Rechteverwaltung und Server-Infrastruktur? Vielleicht kann man hier doch mal „Lösung“ dazu sagen, ohne dass ein Kollege im Meeting aufsteht und „Bullshit!“ ruft.
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