Nach der Insolvenz im Mai startet der Bergheimer Distributor als Siewert & Kau Technologies mit 110 Mitarbeitern und neuen Investoren durch. Geschäftsführer Björn Siewert erklärt die Hintergründe und die neue Strategie.
Für Siewert & Kau beginnt ein neues Kapitel. Der Distributor ist voraussichtlich ab 11. August als Siewert & Kau Technologies wieder am Markt aktiv.
Die Ursachen für die Insolvenz sieht der Geschäftsführer Björn Siewert unter anderem in den schwierigen Marktbedingungen. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind sicherlich für alle im Markt eine Herausforderung. Wir hatten einen schwachen B2B-Markt, gepaart mit einem Consumer-Geschäft, das nicht die erwarteten Ergebnisse lieferte“, erklärt er. In einer Pressemitteilung, die während des Verfahrens veröffentlicht wurde, nennt CFO Claus Holzleitner weitere Gründe. Demnach habe „die seit mehr als einem Jahr andauernde Investitionskrise in Deutschland – sowohl in der Wirtschaft als auch bei der öffentlichen Hand – insbesondere im wichtigen Projektgeschäft“ das Unternehmen hart getroffen. „Hinzu kommt die Volatilität des US-Dollars seit der Wahl der neuen US-Administration im November 2024, da wir einen Großteil unserer Einkäufe in US-Dollar tätigen.“
Siewert betont daher, dass es sich nicht um eine klassische Insolvenz handelte: „Das war keine typische Insolvenz, wie man sie oft im Markt beobachten kann, bei der über Jahre oder Jahrzehnte eine Mangelwirtschaft dazu geführt hat, dass das Geld verbraucht wurde. Bei uns war das ein zügiger, abrupter Vorgang, der sich nicht gänzlich abgezeichnet hat.“ Letztlich führte der Rückzug einer Bank zu einer Kettenreaktion, „die in diesem Moment nicht aufzuhalten war“.
Wir glauben weiterhin an die Zukunft des IT-Handels und stehen weiterhin mit unserem Namen für Qualitätsdistribution.
Björn Siewert, Geschäftsführer bei Siewert & Kau Technologies
Investoren ermöglichen neue Chancen
Von Beginn an war ein Investorenprozess geplant, der am 19. Mai mit ersten Interessenbekundungen startete. Zwei Investoren, die unbekannt bleiben möchten, ermöglichten schließlich im Rahmen eines Asset Deals den Neustart. In dieser Investorenlösung erkennt der Geschäftsführer klare Vorteile gegenüber dem zuvor bestehenden Konstrukt. „Wir müssen uns nicht, wie es in der Vergangenheit der Fall war, nach dem richten, was Industriepartner von uns verlangen. Denn hier wurden oftmals Dinge abverlangt, die kaufmännisch nicht immer sinnvoll waren. Sicherlich leidet ein Großteil des Distributionsmarktes darunter, und wir müssen uns dem aktuell nicht unterwerfen.“
Vom über 300-Mann-Betrieb zum fokussierten Team
Das neue Siewert & Kau Technologies ist nun deutlich kleiner als der Vorgänger. Aus den ursprünglich drei operativen Einheiten Distribution, Logistics und Services entstand ein Unternehmen mit 110 Mitarbeitern – ein Rückgang von den etwa 200 Beschäftigten vor der Insolvenz. „Grundsätzlich war es für uns zunächst wichtig, einen Neuanfang zu machen und mit den Investoren ein Konstrukt zu finden, das den Geschäftsbetrieb ermöglicht. Infolgedessen mussten wir uns von einigen Geschäftsbereichen trennen“, bedauert Siewert. „Das hat automatisch dazu geführt, dass auch weniger Leute beschäftigt werden können.“
Der Geschäftsführer sieht diese Verschlankung aber auch pragmatisch: „Wir sind jetzt flexibler im Handeln und fokussierter. Wir sind ein kleineres Team, das sich einfacher an den Marktmöglichkeiten orientieren kann. Das ermöglicht es uns, die Geschäftsfelder zu bedienen, in denen wir uns sehen, am besten auskennen und am zügigsten Erfolge, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden, erkennen.“ Das erfahrene Team sei dabei ein wichtiger Baustein: „Aus unserer Historie haben wir ein starkes Team an Bord, das viele Jahre Erfahrung zusammenbringt. Deswegen werden wir uns stark am Markt zurückmelden.“
Björn Siewert, Geschäftsführer Siewert & Kau Technologies
(Bild: Siewert & Kau)
Fokus auf Komponenten und Semiconductor
Die strategische Neuausrichtung bedeutet eine klare Konzentration auf profitable Geschäftsbereiche. Den Kernfokus legt Siewert & Kau Technologies damit bei Komponenten und dem Semiconductor-Bereich. „Vollsortimenter zu werden, ist aktuell nicht unser Ziel. Wir sehen ganz klar die Bedeutung eines auskömmlichen und abgestimmten Portfolios, das wir erstmal so beibehalten werden“, so Siewert.
Bei der Erbringung von Fulfillment-Dienstleistungen und Value-Added-Services ist das Unternehmen vorsichtiger geworden: „Value Added, Mehrwertdienstleistungen waren Teil unseres alten Geschäftsmodells, aber eben mit starkem Wettbewerb verbunden und nicht immer lukrativ. Die Kosten sind hoch, und ein entsprechendes Experten-Team ist erforderlich.“
So bietet Siewert & Kau Technologies ab dem 11. August 2025 vorerst wieder IT-Hardware, individuelle Lösungen und technischen Service für Fachhändler, Systemhäuser und Integratoren an – mit einem Team, das laut Siewert „alles daran setzen wird, uns wieder am Markt zu positionieren.“
Stand: 08.12.2025
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Kontinuität trotz Neuanfang
Und der Distributor setzt auf eine gewisse Beständigkeit. Der Hauptsitz bleibt in Bergheim, auch wenn weniger Lagerfläche benötigt wird. Oliver Kau und Björn Siewert gehören weiterhin der Geschäftsführung an. Besonders wichtig war Siewert die technische Kontinuität. So wurden bereits getätigte Investitionen in moderne Technologien und Prozesse beibehalten. „Wir arbeiten schon stark auf KI-basierten Systemen. Etwas, das schon früher initiiert wurde und wir jetzt stark vorantreiben, damit wir effizient und sehr digital agieren.“
Die Kundenbeziehungen blieben auch während des Verfahrens größtenteils intakt: „Wir haben in den gesetzlich vorgeschriebenen 3 Monaten der vorläufigen Insolvenz weiterhin Kontakt zu Kunden und Lieferanten gehalten. In diesem Zeitraum hat sich die Investorenlösung bereits abgezeichnet“, erklärt Siewert.
Die bewusste Beibehaltung des Namens begründet Siewert ebenfalls mit einer klaren Botschaft: „Wir glauben weiterhin an die Zukunft des IT-Handels und stehen weiterhin mit unserem Namen für Qualitätsdistribution.“ Denn dem Geschäftsführer zufolge, handelt es sich beim Distributor um keine Weiterführung im klassischen Sinne: „Das ist Ergebnis dessen, dass es Menschen gibt, die daran glauben, dass der Markt noch Potenzial hat und an uns als Team glauben, sodass wir uns am Markt wieder zurückmelden können.“