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Dauerbaustelle Schule Neuauswertung der Pisa-Studie 2018

| Autor: Ann-Marie Struck

An deutschen Schulen gibt es noch viel Verbesserungsbedarf. Digitale Medien sind da nur ein weiterer Punkt auf der Agenda. Eine Neuauswertung der Pisa-Studie von 2018 zeigt: Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland weit hinterher.

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Die Pisa-Studie wird seit 2000 alle drei Jahre in den 72 OECD Mitgliedsstaaten durchgeführt.
Die Pisa-Studie wird seit 2000 alle drei Jahre in den 72 OECD Mitgliedsstaaten durchgeführt.
(Bild: Kzenon-stock.adobe.com)

Beschmierte Toiletten, alte Stühle und überfüllte Klassenräume – die digitale Ausstattung ist nur eine Baustelle von vielen an Schulen. Das sehen vor allem die Schüler so. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom Anfang des Jahres in weiterführenden Schulen in Deutschland, schätzen die befragten Schüler die fehlende Digitalisierung als das dringlichste Problem ein. Nur 38 Prozent klagen über überfüllte Klassen und 22 Prozent über ­inkompetente Lehrer. Dabei verteilen sich die Mängel der technischen Ausstattung über alle Schulformen gleichermaßen.

Lücken, die nun gravierende Folgen haben. Denn wegen der Corona-Pandemie wurden Angaben der UNESCO zufolge im April in 194 Ländern die Schulen geschlossen. 1,6 Milliarden Schüler ­waren plötzlich auf virtuellen Unterricht angewiesen. Die „Digitalisierung über Nacht“ hat erneut die Missstände zu Tage gebracht, was eine Studie des Marktforschungsinstituts Civey in Auftrag von Microsoft im Juni unter 500 deutschen Lehrkräften bestätigt. Allem voran beklagen 64 Prozent der Lehrkräfte den ­ungleichen Bildungszugang, und weitere 55 Prozent berichten über die mangelhafte digitale Kompetenz der Lehrkräfte. 46 Prozent klagen über ­einen schlechten Zugang zu digitalen Lerninhalten.

Ergebnisse der Pisa-Studie 2018

Leider sind das keine neuen Erkenntnisse, wie eine erst kürzlich veröffentlichte Neuauswertung der Pisa-Studie von 2018 zeigt. Damals wurden 223 Schulleiter in 79 Staaten zu Bildungsthemen weltweit befragt, darunter eben auch zur Ausstattung der Schulen mit digitalen Hilfsmitteln. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der digitalen Ausstattung der Schulen durchweg auf den letzten Plätzen.

Bereits 2018 hatten nur 30 Prozent der deutschen Schulen Zugang zu Online-Plattformen. Im Gegensatz dazu hatten 90 Prozent der Schulen in Dänemark Zugriff darauf. Damit liegt Deutschland noch hinter der Ukraine und der Türkei mit 60 Prozent.

Und auch was die Technik angeht, sieht es düster aus: 2018 standen in deutschen Schulen pro Schüler 0,6 Computer zur Verfügung. Der OECD-Durchschnitt lag bei 0,8. In den UK und USA konnte vergleichsweise jeder Schüler auf ein Gerät (1,25) zugreifen. Und tragbare Geräte wie Laptops und Tablets hatten nur 25 Prozent der deutschen Schulen im Repertoire. In Schweden (98 %) und Dänemark (93 %) hingegen sind fast alle Geräte ­mobil. Mobile Devices wurden nun vor allem für das Homeschooling benötigt, da nicht jeder Schüler zuhause einen Computer mit Internetverbindung hat. Die mangelnde Chancengleichheit in deutschen Schulen ist nur ein Problem, das sowohl die Pisa-Neuauswertung als auch die Coronakrise nochmals offengelegt haben. Denn auch hinsichtlich Infrastruktur, Internetanbindung und Lernsoftware ist Deutschland immer unterhalb des OECD-Durchschnitts.

Hilfe schon in Aussicht

Nichtsdestotrotz sind Endgeräte allein keine Lehrmittel. Die Lehrkräfte müssen auch Wissen, wie sie effizient im Unterricht eingesetzt werden können. Digitales Lehren muss gelernt sein. Ein weiterer Missstand in Deutschland. 2018 gehörte Deutschland laut Pisa zu den Schlusslichtern, was die Schulung der Lehrkräfte angeht. Platz 76 von 78. Immerhin wurde 2019 der DigitalPakt ­beschlossen und damit die Digitalisierung der Schulen zumindest von Seiten des Bundes endlich angegriffen. Demnach hat sich seit der Erhebung der Pisa-Studie durchaus etwas getan. Zumindest wurden deutschlandweit Ende letzten Jahres Lehrerfortbildungen zum Einsatz von digitalen Hilfsmitteln durchgeführt.

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 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin