IT-Executive Summit 2021 Nachhaltigkeit ist eine betriebswirtschaftliche Größe

Autor: Sylvia Lösel

Klima oder Jobs retten? In der öffentlichen Diskussion könnte man den Eindruck gewinnen, dass nur eines von beiden geht. Dem ist nicht so. Davon ist Aron Precht, Vice President Channels & Ecosystems bei HPE überzeugt und beschreibt wie man eine Win-Win-Win-Situation erreichen kann.

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Aron Precht, Vice President Channels & Ecosystems, Hewlett Packard Enterprise
Aron Precht, Vice President Channels & Ecosystems, Hewlett Packard Enterprise
(Bild: Foto-Grafikatelier Gudrun de Maddalena0176-20658538)

ITB: Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg: ein Widerspruch oder eine längst überfällige Symbiose?

Der IT-Executive Summit der Vogel IT-Akademie findet dieses Jahr am 30.9. und 1.10. in Schloss Fuschl statt.
Der IT-Executive Summit der Vogel IT-Akademie findet dieses Jahr am 30.9. und 1.10. in Schloss Fuschl statt.
(Bild: Vogel IT-Akademie)

Precht: Eine Boulevardzeitung hat neulich die Frage aufgeworfen, was wichtiger sei: Klima oder Jobs retten? Das spiegelt ganz gut den Stand der öffentlichen Debatte – sie ist von der Auffassung geprägt, dass Nachhaltigkeit auf Kosten der wirtschaftlichen Interessen geht und umgekehrt. Diese Auffassung ist aber eines der größten Hindernisse für echte Fortschritte etwa beim Klima- und Umweltschutz, denn sie schafft Widerstände statt Akzeptanz und behindert Innovationen. Allerdings – Nachhaltigkeit als Quelle des Geschäftserfolgs klingt erst mal gut, aber es kommt darauf an, das ganz konkret in der Unternehmensstrategie und -praxis zu verankern.

ITB: Wie gehen Sie in Ihrem eigenen Unternehmen damit um?

Precht: Bei HPE behandeln wir Nachhaltigkeit als betriebswirtschaftliche Größe und als Teil unseres Kerngeschäfts. Sie ist ein wichtiges Element unserer Beziehungen zu Kunden und Investoren. Und sie hilft uns, eine Reihe von Geschäftszielen zu erreichen – etwa Wettbewerbsvorteile, Attraktivität als Arbeitgeber und Zugang zu globalen Märkten. Diese Effekte messen wir. Wir gehen zum Beispiel davon aus, dass im Jahr 2020 rund 850 Millionen US-Dollar Umsatz das Resultat unserer Nachhaltigkeits-Initiativen waren. Auch mit unserer As-a-Service-Strategie mit HPE GreenLake erreichen wir gleichzeitig ökonomische und ökologische Ziele: sie verschafft uns Wettbewerbsvorteile und wirkt sich positiv auf unseren Aktienkurs aus – sie reduziert gleichzeitig den Energieverbrauch unserer Kunden, unter anderem durch Vermeidung von Überkapazitäten, und ist die Grundlage für eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft.

ITB: Von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft: wie ist der Weg Ihres Unternehmens?

Precht: Kreislaufwirtschaft ist ein perfektes Beispiel für den Einklang von Ökologie und Ökonomie. Wir betreiben die größten Refurbishing-Werke weltweit in Herstellerbesitz. Dort verarbeiten wir pro Jahr 4 Millionen IT-Systeme unterschiedlicher Hersteller, und 90 Prozent dieser Systeme werden wieder verkauft. Damit leisten wir einerseits einen Beitrag zur Reduktion von Elektroschrott und CO2, andererseits ist das für uns ein Wettbewerbsvorteil. Wir können Kunden zum Beispiel anbieten, ihre Bestands-IT aufzukaufen, um eine IT-Modernisierung zu finanzieren. Die Altsysteme renovieren wir und verkaufen sie wieder. Auf diese Weise haben wir unseren Kunden letztes Jahr 1,3 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. Das ist eine Win-Win-Win-Situation: für den Kunden, für HPE und für die Umwelt.

ITB: Reichen für einen besseren Schutz von Umwelt, Klima und natürlichen Ressourcen technische Lösungen aus, oder ist dafür auch eine Veränderung der Mentalität bzw. von Unternehmenskulturen erforderlich?

Precht: Es ist vor allem ein Wandel der Geschäftsmodelle erforderlich, und das schließt Mentalität und Kultur ein. Die technischen und logistischen Probleme lassen sich lösen, aber so lange ein Unternehmen Nachhaltigkeit betriebswirtschaftlich als Kostenfaktor behandelt, wird sie ständig an Grenzen stoßen. Anders ist es beim As-a-Service-Geschäftsmodell – der Hersteller bleibt dabei im Besitz der physischen Produkte und hat demnach ein ökonomisches Interesse an ihrer Energieeffizienz, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit. Das ist genau der Ansatz, den HPE mit seiner Strategie verfolgt.

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Über den Autor

 Sylvia Lösel

Sylvia Lösel

Chefredakteurin IT-BUSINESS, Vogel IT-Medien