Energieeffizienz ist ein Top-Thema für Cloud- und Colocation-Anbieter. Und das nicht nur für Hyperscaler, sondern auch für lokale Provider. Was in Sachen Nachhaltigkeit möglich ist, zeigen Wortmann als Betreiber und Schneider Electric als Ausrüster.
Der erste Bauabschnitt der Terra Cloud in Hüllhorst ist als eine Art Showroom eingerichtet, der die Funktion der einzelnen Geräte wiederspiegelt. Die Server, Storage-Systeme, Netzwerkgeräte und Reihenkühler werden aber ganz normal genutzt.
(Bild: Christina Czybik)
Wenn es um nachhaltige Rechenzentren geht, dominieren die Meldungen der großen Hyperscaler wie AWS, Microsoft Azure oder Google, die mit einer guten CO2-Bilanz und der Nutzung erneuerbarer Energie für sich werben. Aber auch kleinere lokale Cloud-Provider sind aktiv, wie das Beispiel Terra Cloud zeigt. Wortmann, Betreiber der Terra Cloud mit Standort im ostwestfälischen Hüllhorst, arbeitet in Kooperation mit Schneider Electric daran, sein 5-MW-Rechenzentrum energieeffizienter zu machen. Zudem soll die Nutzung von Windkraft und Fotovoltaik zur Stromversorgung weiter ausgebaut werden, um das Datacenter künftig komplett mit erneuerbarer Energie zu betreiben. Derzeit liegt der Anteil von Sonne und Wind am Strommix immerhin schon bei 80 Prozent. Einen Teil der aus Sonnenlicht gewonnenen Energie stellen dabei die Solarzellen zur Verfügung, die auf dem Dach des Rechenzentrums montiert sind.
Wortmann bedient mit der vor acht Jahren gestarteten Terra Cloud vor allem Kunden aus dem SMB-Sektor. Derzeit nutzen laut Martin Klein, Director Datacenter & Cloud Services, etwa 55.000 gewerbliche Endkunden die Services der Terra Cloud. Den Löwenanteil des Geschäfts macht IaaS mit virtualisierten Servern auf Basis von Hyper-V aus. Daneben bietet die Terra Cloud noch SaaS, Hosting und Housing an. Dabei läuft der Vertrieb indirekt über etwa 5.000 Partner. Derzeit besteht das Rechenzentrum aus sieben Cubes, also aus im Gebäude räumlich getrennten Abschnitten mit eigenem Brandschutz durch eine Gaslöschanlage, mit jeweils Platz für 50 Racks mit insgesamt 2.400 Höheneinheiten. Ein neuer Bauabschnitt mit 413 Racks und Platz für bis zu 15.000 soll die Kapazität des Rechenzentrums fast verdoppeln und Raum für neue Lösungen wie Object Storage, Kubernetes als Service sowie Virtuelle Desktop-Infrastruktur (VDI) als Service schaffen.
Ein Rechenzentrum der Freenet-Gruppe in Düsseldorf wird als zusätzlicher Standort für Cloud-Services, Hochverfügbarkeit und für das Auslagern von Backups genutzt.
Ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit ist die lange Verwendungsdauer der Server über drei Lebenszyklen hinweg, wie Klein betont. Server, die für anspruchsvolle Compute-Anwendungen nicht mehr schnell genug sind, werden in einem zweiten Zykus für Firewall und Storage verwendet. Wenn die Performance durch die steigenden Anforderungen auch dafür nicht mehr ausreicht, folgt ein Einsatz als Edge-System in einem dritten Kreislauf. Dabei zahlt sich aus, dass in der Terra Cloud nur Standard-Server von Wortmann auf Intel-Basis genutzt werden, die sich vielseitig verwenden lassen.
Energieeffiziente Stromversorgung und Kühlung
Die Datacenter-Infrastruktur in Hüllhorst stammt größtenteils von Schneider Electric. Sie umfasst die Racks mit Containment für kalte und warme Gänge, Doppelböden, Seitenkühler und Kaltwassersätze sowie Seitenkühler und Kaltwassersätze von Uniflair, einem Tochterunternehmen von Schneider Electric. Zudem ist Wortmann der erste Cloud-Anbieter in Europa, der die USV-Anlage Galaxy VL der französischen Rechenzentrums-Ausrüster nutzt. Sie ist mit Lithium-Ionen-Akkus ausgerüstet und soll mit einem eConversion-Modus einen USV-Wirkungsgrad von 90 Prozent erreichen. Für die Kühlung kommen luftgekühlte Kälteaggregate mit freier Kühlung zum Einsatz, die nur über weite Teile des Jahres ohne unterstützende Kompressorkühlung auskommt. „Bei Terra Cloud basieren unsere Kernwerte seit jeher auf Ausfallsicherheit, Effizienz und branchenführendem Service. Es ist unsere Pflicht, die Messlatte in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit auch in Zukunft weiter anzuheben“, sagt dazu Martin Klein, CEO von Terra Cloud. Als kompliziert stellt sich allerdings die eigentlich wünschenswerte Nutzung der Abwärme des Datacenters für die Heizung umgebender Wohngebäude heraus, ha hier die nötige Fernwärme-Infrastruktur erst gebaut werden müsste.
Um die Energieeffizienz zu erhöhen, plant Wortmann in Kooperation mit Intel und Schneider Electric den Einsatz flüssigkeitsgekühlter Server im neuen Teil des Rechenzentrums. Derzeit läuft bereits ein Testbetrieb einiger Rechner. Die Spannungsversorgung wird mit Mittelspannungs-Schaltanlagen realisiert, die ohne das klimaschädliche Schwefelhexafluorid (SF6) als Isoliergas auskommen. Wenn SF6 in die Atmosphäre gelangt, ist es das stärkste bekannte Treibhausgas.
Stand: 08.12.2025
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Digitalisierung als Schlüssel
Wie Vincent Barro, Vice-President Secure Power und Datacenter DACH bei Schneider Electric, hervorhebt, hat die Branche in den vergangenen Jahren bereits große Fortschritte bei der Effizienz gemacht. So hat sich der Wert für die Power Usage Effectiveness (PUE) in den Jahren 2008 bis 2016 bereits von 1,84 auf 1,17 verbessert. „Resilienz, Effizienz und Nachhaltigkeit sind zu Schwerpunkten unserer Branche geworden. Es ist wichtig, dass wir alle Möglichkeiten ausloten, um Net-Zero zu erreichen“, so Barro dazu. Ein entscheidender Faktor ist dabei für den Manager die umfassende Digitalisierung mit dem Aufbau eines integrierten Lifecycle, der das Design, den Bau und den Betrieb der Rechenzentren umfasst. Mit dem EcoStruxure IT Advisor CFD von Schneider Electric kann durch die Cloud-basierte Simulation der Aufbau einer Datacenter-Infrastruktur bereits während der Planung für einen stromsparenden Betrieb optimiert werden. Beim Betrieb ermöglicht EcoStruxure IT Expert ein umfassendes cloudbasiertes Infrastrukturmanagement des Rechenzentrums mit Datenanalysen und vorbeugender Wartung.