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ENTERPRISE MOBILITY SUMMIT 2018

Mobility: Hebel der Digitalisierung

| Autor: Sarah Böttcher

Mobility ist zugleich Schlüsseltechnologie als auch Treiber der Digitalisierung in Unternehmen.
Mobility ist zugleich Schlüsseltechnologie als auch Treiber der Digitalisierung in Unternehmen. (Bild: j-mel - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung ist in aller Munde – doch wie bereiten sich Unternehmen darauf vor? Und welche Schlüsselfunktion nimmt das Thema Mobility ein? Auf diese Fragen gibt Pascal Matzke, Vice President bei Forrester Research, im Interview mit IT-BUSINESS Antworten.

Pascal Matzke, Vice President bei Forrester Research
Pascal Matzke, Vice President bei Forrester Research (Bild: Forrester Research)

ITB: Digitalisierung ist das Schlagwort unserer Zeit. Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen wachsender Mobility und der Digitalisierung allgemein – beziehungsweise wie können sich beide Konzepte gegenseitig befruchten?

Matzke: Das Thema Mobilität ist ein wichtiger Treiber der Digitalisierung. Alles hat damit angefangen, dass sich Geschäftsmodelle von Unternehmen über mobile Endgeräte dem Kunden geöffnet haben. Hinzu kommt, dass auch verstärkt Mitarbeiter über mobile Services diese neuen digitalen Geschäftsprozesse mit unterstützen – sei es in der Produktion, in der Distribution oder in der Logistik. Die Mobilität ist somit eine Schlüsseltechnologie, die die Digitalisierung von Prozessen vorantreibt. Und das sowohl im Kontext von Kundenbeziehungen, wenn es darum geht mobile Endlösungen dem Verbraucher anzubieten, als auch auf der Mitarbeiterseite, wenn diese Mobilität dazu nutzen, um neue durchgängige Geschäftsprozesswelten in digitalisierter Form umzusetzen. So kommt Mobilität beispielsweise in der Produktionsstraße zum Einsatz, wenn Information zwischen Mensch und Maschine ausgetauscht werden müssen. Hier fungiert Mobilität als Brückenkopf zwischen beiden. Aber auch das Zurückgreifen auf mobile Endgeräte, um im Kontext von Industrie 4.0 die Produktion effizienter, schneller und flexibler zu gestalten, ist eine von vielen Möglichkeiten die Mobility bietet.

ITB: Welchen Einfluss wird die Digitalisierung (und hier speziell der Bereich Mobility) auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen haben?

Matzke: Der Einfluss auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen ist weitreichend. Denn Mobilität ermöglicht in Zukunft eine ganz andere Form der Darbringung von Dienstleistungen – denken wir nur an Amazon. Auch werden neue Dienstleitungen wie beispielsweise Connected Cars ermöglicht. Hierbei handelt es sich übrigens auch um eine Art mobiler Endgeräte-Technologie, welche im Auto mit anderen Schlüsseltechnologien vermählt ist. Ein anderes Beispiel: Früher habe ich mir ein Auto gekauft, heute im Zeitalter von Car Sharing rechne ich ein Auto nur noch nach meinem tatsächlichen Gebrauch ab. In diesem Fall ist die Mobilität ein ganz wesentlicher Faktor, der das Geschäftsmodell dem Kunden erst möglich macht. Der Kunde wird sozusagen „empowered“ und dadurch dazu befähigt nicht nur neue Dienstleistungen anzunehmen, sondern sich selbst seine eigenen Dienstleistungen zu generieren. Indem der Kunde ein Ökosystem an mobilen Applikationen zur Verfügung hat und von einer Applikation zur nächsten hüpft, schafft er sich sein eigenes Ökosystem beziehungsweise eine eigene App-Landschaft. Und eben dadurch hat er Zugriff auf völlig neue Geschäftsmodelle, die er sich selbst kontextbasiert und individualisiert erschließt. Und das ist was Mobilität Unternehmen ermöglicht: Den Zugriff auf solche hochindividualisierte, kontextbasierte Service-Elemente, die unterlegt sind mit neuen Geschäftsmodellen. Diesen Vorgang erlebt der Kunde tagtäglich, was wiederum zu nachhaltigen Veränderungen in den Umsatzströmen bei den Unternehmen führt.

Ergänzendes zum Thema
 
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ITB: In wie weit können auch Unternehmen von der Digitalisierung profitieren, deren Geschäftsmodelle nicht oder nur in geringem Maße von der Digitalisierung beeinflusst werden?

Matzke: Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es noch so viele Unternehmen gibt, die von der Digitalisierung noch nicht betroffen sind. Es gibt sicherlich noch einige, die noch nicht so weit sind. Man darf das auch nicht alles an der mobilen Frontend-Applikation festmachen. Denn klassische Unternehmen, wie beispielsweise Maschinenbauunternehmen, die mehr aus dem B2B-Bereich kommen, haben die Digitalisierung auch vorangetrieben. Aber nicht im Sinne von mobilen Endlösungen für Kunden, sondern durch die Automatisierung ihrer Produktionstechnik, der Vernetzung ihrer Produktionsanlagen sowie der Entwicklung von neuen Prozessen – auch im Hinblick auf die „mass customization“ von Produkten. Hierbei standen andere Aspekte und Technologien der Digitalisierung im Fokus, wie das Internet der Dinge, und primär eben nicht die mobilen Endgeräte. Doch auch dort fängt man jetzt an, den eigenen Mitarbeiter, beispielsweise an der Produktionsstraße, mit mobilen Endgeräten auszustatten, damit dieser in seiner Kommunikation mit seinem Kollegen Roboter auch effektiver agieren kann. So lässt sich zusammenfassen, dass zwei unterschiedliche Ansatzpunkte der Digitalisierung existieren: Die Unternehmen, die mehr Konsumenten-orientiert sind (B2C-Bereich), wo vor allem neue mobile Endlösungen und Applikationen für Kunden geschnitten werden; und die, die zunächst damit anfangen ihre operationalen Themen zu digitalisieren. Von diesem Ansatz profitiert der Kunde anfangs nicht, jedoch wird dadurch beispielsweise ein Maschinenbauer in die Lage versetzt, im Endeffekt sehr viel hochwertigere und Kunden-individuellere Produkte anzubieten. Man hat somit mindestens zwei Wege zur Digitalisierung. Die Digitalisierung beginnt allerdings nicht immer mit der Mobilität, sondern auch mit operationalen Themen, wie Industrie 4.0 und der Vernetzung von internen Wertschöpfungsketten, in denen der Kunde im Mittelpunkt steht. Unternehmen, die wirklich clever sind, fangen bereits jetzt an auf der B2B-Seite Mobilität als Vehikel zu nutzen, um eine bessere Kundenerfahrung zu generieren.

ITB: Welche Auswirkungen haben Digitalisierung und Mobility auf die traditionellen Aufgaben und Arbeitsbereiche von IT-Abteilungen und IT-Verantwortlichen in Unternehmen?

Matzke: Ich denke, dass sich aus der klassischen Service Delivery eine Service-Orchestrierung mit diversen Plattformen entwickeln wird. Diese Plattformen werden dabei helfen ein Ökosystem von Applikationen zu schaffen. So wird es am Ende des Tages nicht mehr alleine um die Kosten der IT-Delivery gehen, sondern um den Wertbeitrag hinsichtlich Flexibilität, Agilität und Geschwindigkeit in den Prozessen, bis hin zu einer Wertschöpfung, die sich möglicherweise in Zukunft stärker an der Kundenzufriedenheit – ob extern oder intern – bemessen wird. Der Chief Information Officer (CIO) und die IT-Abteilung werden dadurch zu Plattformanbietern, die Service-Orchestrierung betreiben, und das auf verschiedenen Infrastruktur-Ebenen. Diese Orchestrierung fungiert dann auch als Hebel, um von einer transaktionalen zu einer Ökosystem-basierten Sichtweise zu wechseln. Und der Wertbeitrag bemisst sich dann somit nicht mehr in Kosten und interoperationalen Effizienzgrößen, sondern in Business Outcome sowie beispielsweise der Reduktion von Produktlebenszyklen.

ITB: Was wird das Spannende an Ihrer Keynote auf dem Enterprise Mobility Summit sein?

Matzke: Wir wollen aufzeigen, wie die Mobilität als ein wesentlicher Faktor die Digitalisierung vorantreibt, wie sie beginnt im Kontext von Employee Experience neue Wertschöpfungsketten zu bilden, wie diese Wertschöpfungsketten neue Geschäftsmodelle befähigen und dadurch letztendlich auch Kunden dazu befähigt werden neue Geschäftsmodelle anzunehmen. Ein weiterer Aspekt der Keynote wird aufzeigen, dass es beim Thema Mobility um mehr als nur mobile Endgeräte geht – Stichwort Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung. Für mich ist Mobility nach wie vor ein wichtiger Türöffner, um auch andere Technologien im Digitalisierungskontext in Unternehmen hineinzuheben. Dadurch verändert sich nicht nur die Rolle der IT, sondern auch klassische Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten.

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