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Deutsche Einsteigertarife sind günstig Mobilfunkpreise im internationalen Vergleich

Autor: Sarah Gandorfer

Eine Bitkom-Studie untersuchte die Mobilfunkmärkte in zwölf Industrieländern. Obwohl Mobilfunktarife in Deutschland als sehr teuer gelten, sind diese besser als ihr Ruf. Besonders hochpreisig sind sie in der Schweiz, den USA und Japan.

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Andere Länder, andere Mobilfunktarife
Andere Länder, andere Mobilfunktarife
(Bild: Daniel Ernst - stock.adobe.com)

Der Bitkom hat die Mobilfunkpreise in Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Schweden, der Schweiz, Spanien und dem Vereinigten Königreich sowie in den USA und Japan genauer unter die Lupe genommen. Für den länderübergreifenden Preisvergleich orientiert sich die Studie an sechs exemplarischen Nutzerprofilen, die das gesamte Spektrum der Mobilfunknutzung abdecken. Anschließend wurden die Angebote aller Mobilfunkanbieter in den jeweiligen Ländern für jedes dieser sechs Nutzerprofile untersucht.

Konkurrenz bei Billiganbietern

Demnach zählt Deutschland bei leistungsärmeren Tarifen zu den günstigeren Ländern. Für „Gelegenheitssurfer“ (max. 1 GB Datenvolumen; 20 Mbit/s Download) und „Normalnutzer“ (max. 3 GB; min. 150 Gesprächsminuten; 20 Mbit/s Download) belegt Deutschland jeweils den vierten Platz. Für Nutzer mit geringer Leistungsnachfrage haben deutsche Anbieter zudem die zweitniedrigsten Durchschnittskosten aller untersuchten Länder. Im günstigsten Tarif zahlen Verbraucher hierzulande im Schnitt 5,20 Euro pro Monat. Die günstigsten Tarife für beide leistungsärmeren Profile dieser Studie bietet jeweils Polen, gefolgt von Italien und Spanien und dem Vereinigten Königreich. Die höchsten Preise zahlen Einsteiger in der Schweiz mit mehr als 14 Euro monatlich. „Was die Kosten angeht, so ist Mobilkommunikation in Deutschland viel günstiger als angenommen. Der deutsche Mobilfunkmarkt ist hart umkämpft, vor allem bei Einsteigertarifen ist der Preisdruck hoch“, erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wer wenig Geld hat, findet in Deutschland besonders attraktive Angebote.“

Bei geringem Leistungsumfang gibt es hierzulande besonders viele Angebote. Gemäß der Studie werden diese Tarife meist von Mobilfunkunternehmen ohne eigenes Netz sowie von Submarken der Netzbetreiber angeboten. Für die in dieser Untersuchung betrachteten Nutzerprofile hat Deutschland demnach die meisten Angebote von Anbietern ohne eigenes Netz oder Submarken im Vergleich zu allen anderen untersuchten Ländern. „Auch für Verbraucher mit kleinem Geldbeutel gibt es hierzulande viele gute Angebote. Das Einstiegsniveau ist sozialverträglich, die Angebotspalette ist insgesamt sehr breit“, so Berg.

Für kostenbewusste Nutzer, die Mobilfunk vor allem für soziale Netzwerke und Messenger verwenden (max. 5 GB; 20 Mbit/s Download), liegt Deutschland auf dem sechsten Platz mit ähnlichen Preisen wie in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Etwas teurer sind hiesige Tarife für Smartphone-Gamer (max. 10 GB; 200 Mbit/s Download). Hier liegt das günstigste Angebot aus der Bundesrepublik auf dem siebten Platz der untersuchten Länder. „Hohe Download-Geschwindigkeiten bieten vor allem Premiumtarife“, sagt Berg. Auf Rang sieben liegt Deutschland auch bei Nutzern, die das Internet intensiv nutzen und zudem überdurchschnittlich viel telefonieren (max. 20 GB; min. 250 Gesprächsminuten; 20 Mbit/s Download). Laut der Untersuchung können Submarken und Dienstleister ohne eigenes Netz in Deutschland die vergleichsweise hohen Anforderungen dieses Profils nicht abdecken.

Vielnutzer

Für sogenannte Heavy-User liegen die Preise in Deutschland auf Rang sechs der zwölf untersuchten Länder (max. 40 GB; min. 250 Gesprächsminuten; 200 Mbit/s Download). So müssen beispielsweise in Großbritannien, Finnland und Spanien die Vielnutzer für entsprechende Leistung mehr zahlen, vor allem in Polen und Italien, aber auch in Frankreich sind entsprechende Leistungspakete günstiger. Grund dafür ist laut Studie ebenfalls die Tarifstruktur in Deutschland, die große Datenvolumen und hohe Download-Geschwindigkeiten nur über Premiumtarife abdecke.

„Wer in Deutschland Intensivnutzer ist, zahlt zwar einerseits etwas mehr als in manchen Nachbarländern“, so der Bitkom-Präsident. „Dafür bekommen Heavy-User hierzulande aber auch mehr Zusatzdienste geboten.“ Das werte hiesige Premiumtarife im Vergleich deutlich auf. So kommt die Vergleichsstudie zu dem Ergebnis, dass speziell in Deutschland Premiumtarife eine große Bandbreite an Mehrwertdiensten enthalten. Dazu zähle insbesondere das sogenannte Zero-Rating von Online-Diensten für Video, Musik, Gaming oder Social Media, die sich unabhängig vom Datenvolumen eines Vertrags nutzen lassen. „Zero-Rating-Angebote sind eine Besonderheit des deutschen Marktes. Das macht den direkten Vergleich mit anderen Ländern in dieser Leistungsklasse schwierig“, erklärt Berg. Über alle Nutzerprofile hinweg sind Mobilfunkpreise in Deutschland durchweg günstiger als in Finnland, Japan und den USA und sie sind durchgängig teurer als in Polen und Italien.

Ende der 24-Monats-Verträge

Die Bundesregierung plant derzeit, Verbraucherverträge auf eine Höchstlaufzeit von zwölf Monaten zu begrenzen, was auch für Mobilfunkverträge gelten soll. Aus Bitkom-Sicht würden Verbrauchern dadurch in erster Linie Nachteile entstehen. So gebe es bereits heute eine Vielzahl an unterschiedlichen Vertragsmodellen im Markt. „Dazu zählen auch Verträge mit Laufzeiten von nur zwölf Monaten, monatlich kündbare Verträge und Prepaid-Modelle ohne jegliche Vertragslaufzeit“, meint Berg. Viele Menschen würden sich zudem keine aktuellen Smartphones mehr leisten können, da die Monatsraten von Bundle-Angeboten aus Smartphone und Mobilfunktarif verdoppelt würden. „Mit gesetzlich verkürzten Verträgen verlieren Verbraucher ihre gewohnten Smartphone-Konditionen und Netzbetreiber ein gewisses Maß an Investitions- und Planungssicherheit. Wir teilen das Ziel eines gut ausbalancierten Verbraucherschutzes. Mit einem faktischen Verbot von Zwei-Jahres-Verträgen schadet die Bundesregierung aber genau jenen, die sie schützen möchte.“

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS