Umweltbelastung durch Strom in der EU Klimaneutralität im IT-Sektor: Deutsche Unternehmen und Rechenzentren im Vergleich

Quelle: Pressemitteilung

Laut Angaben des Open-Source-Programms „Electricitymap“ wird der CO₂-Emissionsfaktor für den Strommix in Deutschland auf 170 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde geschätzt. Was tragen IT-Unternehmen und Rechenzentren zur Umweltbelastung bei und wie stehen sie im internationalen Vergleich da?

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Die interaktive Karte „Electricity Map“ bietet aktuelle Informationen zum Strommix.
Die interaktive Karte „Electricity Map“ bietet aktuelle Informationen zum Strommix.
(Bild: Electricity Map)

IT-Unternehmen und Rechenzentren verbrauchen große Mengen an Energie. Die Tendenz, unter anderem durch eine immer größer werdende Menge an Daten, steigend. Dies führt zu einem erhöhten Ausstoß von CO₂. Insofern sind sie bei Maßnahmen gegen den Klimawandel von essenzieller Bedeutung.

Dies hat Fujifilm zum Anlass genommen, Maßnahmen von Rechenzentren und Unternehmen hinsichtlich der Reduktion ihrer CO₂-Emissionen zu untersuchen. Deutschland liegt bei den Bemühungen, CO₂-Emissionen einzusparen, meist im oberen Drittel im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

Der Code of Conduct

Orientierung dabei ist der europäische „Code of Conduct“ gewesen, eine Initiative des „Joint Research Centre“ sowie des „Institute for Energy“ der Europäischen Kommission. Ziel der Initiative ist, Betreiber und Eigentümer von Rechenzentren für das Thema Green-IT zu sensibilisieren und ihnen Möglichkeiten des Energiesparens aufzuzeigen. Rechenzentren, die dem „Code“ beitreten, müssen entsprechende Maßnahmen, wie das Einsparen von Strom durch nachhaltigere Speichermedien, ergreifen, um ihre Energie-Effizienz stetig zu verbessern.

Deutschland ist ja gerne Weltmeister, doch den größten prozentualen Anteil unter allen Rechenzentren, die sich am „Code of Conduct“ beteiligen, weist Großbritannien mit 18,5 Prozent auf. Deutschland belegt Platz zwei mit einem 15,2-prozentigen Anteil an der Initiative. Frankreichs Rechenzentren machen 10,7 Prozent aus.

Die höchste absolute Anzahl an Rechenzentren, die am „Code of Conduct“ beteiligt sind, weist ebenfalls Großbritannien (112 Rechenzentren) auf. Auf Platz zwei landet Frankreich (76 Rechenzentren), gefolgt von Deutschland (31 Rechenzentren).

Die UN-Initiative Global Compact

Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Initiative „Global Compact“ der Vereinten Nationen, die einen Ort für Lösungen hinsichtlich sozialer sowie umweltbezogener Nachhaltigkeit in Unternehmen schaffen wollen. Unter den zehn Prinzipien, die als Leitbild für die teilnehmenden Unternehmen gelten, beziehen sich drei explizit auf den Umweltschutz.

Weltweit beteiligen sich bisher 19.127 Unternehmen aus 162 Ländern an dieser Initiative. Unternehmen aus Spanien beteiligen sich mit einer Anzahl von über 2.100 am häufigsten an der Initiative, ähnlich wie Firmen aus Frankreich (über 1.500 Unternehmen) oder Brasilien (über 1.400). Deutschland landet im weltweiten Vergleich auf Platz sechs mit 783 Unternehmen, die sich an der Initiative beteiligen. Die meisten teilnehmenden Firmen stammen aus den Bereichen Dienstleistungen (ca. 1.800), IT (rund 1.200) sowie aus allgemeinen Industriezweigen (rund 900).

Am europäischen „Code of Conduct“ beteiligen sich 347 von 1.741 Rechenzentren in Europa. Das sind rund 20 Prozent in 25 Ländern. Zum Vergleich: Weltweit gibt es laut Studie fast 5.000 Rechenzentren.

Die größte Menge an CO₂-Äquivalenten pro Kilowattstunde

Bei der Produktion und dem Verbrauch von Strom entsteht ebenfalls eine große Menge an Kohlenstoffdioxid. Dies geschieht bei allen Arten der Stromproduktion, auch wenn einige Stromquellen mehr CO₂ freisetzen als andere. Mehr Maßnahmen von Unternehmen und Rechenzentren, ihren Stromverbrauch zu reduzieren, sind deshalb auf dem Weg ein wichtiger Teil der zu erzielenden Klimaneutralität zu werden.

Estland liegt europaweit an der Spitze, wenn es um den Ausstoß von CO₂-Äquivalenten (gCO₂eq – eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase) in Gramm pro Kilowattstunde geht, sowohl bei der Produktion (rund 1.100 gCO₂eq/kWh) als auch beim Verbrauch (ca. 730 gCO₂eq/kWh). Zypern landet mit jeweils etwa 640 gCO₂eq/kWh auf dem zweiten Platz.

Übersicht CO₂-Verbrauch (von viel zu wenig)
Land CO₂-Produktion in g CO₂-Verbrauch in g
1 Italien 2170 2196
2 Estland 1094 729
3 Zypern 636 636
4 Polen 544 497
5 Dänemark 730 471
6 Niederlande 469 447
7 Bulgarien 433 433
8 Tschechien 398 412
9 Rumänien 299 297
10 Slowakei 147 290
11 Ungarn 296 288
12 Lettland 98 274
13 Slowenien 256 257
14 Litauen 60 236
15 Belgien 199 226
16 Österreich 138 220
17 Kroatien 199 220
18 Finnland 181 183
19 Deutschland 170 169
20 Spanien 137 139
21 Frankreich 94 100
22 Schweden 36 36

Die dritthöchsten Ausstöße von Kohlenstoffdioxid bei der Stromerzeugung weist Polen auf (Produktion: ca. 550 gCO₂eq/kWh und Verbrauch: ca. 500 gCO₂eq/kWh). Deutschland liegt dabei mit etwa 170 gCO₂eq/kWh auf Platz 24 von 34 Ländern.

Allerdings werden bei verwendeten Quelle Electricity Map die Länder Italien und Dänemark in verschiedene Gebiete unterteilt und sind deshalb in der Tabelle von Fujifilm-Datenteam separat behandelt worden. Betrachtet man Italien und Dänemark jeweils zusammengenommen, landet Italien auf Platz 1, Estland, Zypern und Polen auf Platz 2, 3 und 4, und Dänemark auf Platz 5. Deutschland folgt auf Rang 19 von 22 der Länder, die am wenigsten CO₂-Äquivalente ausstoßen.

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Noch viel Potenzial

Wolfgang May, Managing Director bei Fujifilm Recording Media, kommentiert die Untersuchungsergebnisse: „Recht viele Rechenzentren und Unternehmen ergreifen bereits Maßnahmen, um klimaneutral zu werden oder Energie-effizienter zu arbeiten. […] Allerdings zeigt uns die Analyse, dass noch sehr viel Luft nach oben ist.“ Es sei nicht genug, den Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen, wie es einige Unternehmen und Rechenzentren bereits tun, der Stromverbrauch sollte auch massiv reduziert werden.

Er betont die Bedeutung, die dem Speichern zukommt: „Viele Unternehmen sind sich nicht bewusst, dass der Art der Datenspeicherung dabei eine wichtige Rolle zukommt: Für die kalten Daten, auf die kaum bis gar nicht zugegriffen wird, gibt es nicht nur eine energiesparende, sondern auch kostensenkende und vor Cyber-Angriffen sichere Variante – Magnetbänder. Da LTO-Tapes nur beim Lesen und Schreiben von Daten Strom verbrauchen, können sie im Vergleich zu Festplattenlaufwerken die CO₂-Emissionen bei der Datenspeicherung um bis zu 95 Prozent reduzieren.“

Fujifilm beteiligt sich ebenfalls an der „Global Compact“-Initiative der Vereinten Nationen und übernimmt dadurch soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter sowie für die Umwelt. Außerdem startete das Unternehmen die „Sustainable Data Storage Initiative“ zur Reduzierung der CO₂-Emissionen durch die Digitalbranche. Dafür veröffentlichte Fujifilm in Zusammenarbeit mit International Data Corporation (IDC) ein Whitepaper, das die Ergebnisse einer Analyse zu CO₂-Emissionen und LTO-Tapes für die Speicherung von kalten Daten im digitalen Bereich zusammenfasst.

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