Beim Rennen um die IT-Fachkräfte von morgen, zeigen sich viele Unternehmen erfinderisch. Denn nur durch Aktionstage wie den Girls‘Day und Boys‘Day und eigener Ideen zur frühen Förderung junger Menschen wird es gelingen, die Fachkräftelücke zu schließen.
Um junge Menschen für IT-Berufe zu begeistern, gilt es oftmals, schon früh anzusetzen.
(Bild: Valrie - stock.adobe.com / KI-generiert)
Mehr als eine halbe Million IT-Fachkräfte werden 2040 laut Bitkom in Deutschland fehlen. Die drohende Fachkräftelücke lässt sich nur durch schnelles und konsequentes Handeln schließen. Unverzichtbar ist es also zum Beispiel, ältere Beschäftigte länger im Arbeitsmarkt zu halten, mehr Frauen für die IT zu qualifizieren, mehr ausländische IT-Spezialisten gewinnen und vor allem mehr junge Menschen für die IT zu begeistern. Dazu beitragen können bildungspolitische Maßnahmen wie ein Pflichtfach Informatik an Schulen. Aber auch Initiativen wie der Girls‘ & Boys‘ (s. Kasten). Und da laut Bitkom-Studie derzeit nur rund 21 Prozent der Studierenden und 10 Prozent der Auszubildenden im Bereich Informatik weiblich sind, sollten vor allem junge Frauen gefördert werden. Das glaubt auch Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst; schließlich gebe es „keinen wirklichen Grund, warum nicht genauso viele Frauen einen IT-Beruf anstreben und ergreifen sollten wie Männer.“
Fachkräfte-Lücke in der IT wächst
Laut Branchenverband Bitkom werden 2040 in Deutschland rund 663.000 IT-Fachleute fehlen. Das bremse nicht nur die Digitalisierung. Vielmehr bedeute die größer werdende Fachkräftelücke einen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung, Wachstum und Wohlstand. Gefordert sind jetzt unter anderem Maßnahmen, um junge Menschen für die IT zu begeistern.
Der Bedarf an IT-Fachkräften wird laut Bitkom bis 2040 noch steigen.
(Bildquelle: Bitkom)
Neue Programme und Initiativen
So hat Bechtle Ende des vergangenen Jahres das Programm „Female Upgreat“ gestartet, ein Stipendienprogramm zur Förderung von Mädchen und Frauen in der IT. Das Programm bietet Mentoring, Trainings, Netzwerkevents und finanzielle Unterstützung. Damit möchte der Dienstleister aus Neckarsulm möglichst früh Frauen für IT-Karrieren gewinnen und begleiten. „Europäische Unternehmen mit gemischten Führungsteams haben eine um mehr als 60 Prozent höhere Chance, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Das zeigt, wie wichtig die Förderung von Frauen in Führungsrollen ist, nicht nur aus ethischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht“, verweist Antje Leminsky, COO bei Bechtle und Patin des Programms, auf eine McKinsey-Studie. „Als eine der wenigen Frauen im Vorstand eines großen deutschen IT-Unternehmens kenne ich den steinigen Weg ins Topmanagement und weiß um die Bedeutung von Rückhalt und Bestärkung“, so Leminsky.
Alexandra Hiendlmeier, CFO und CPO bei NTT Data DACH „Junge Talente sind ein wichtiger Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Und Initiativen zur Gewinnung und Förderung von Nachwuchstalenten sollten immer ganzheitlich angelegt sein.“
Auch NTT Data fördert aktiv junge Menschen. Dazu nutzt der Dienstleister Aktionstage wie den Girls’Day und Boys’Day. Außerdem gibt es studentische Programme, Mentoring, Netzwerke, Trainings oder ein Leadership Curriculum für junge Talente. Darüber hinaus hat der Dienstleister spezielle Programme, um Karrieren von Frauen zu fördern, aufgesetzt. Sie sind FKi-zertifiziert (Frauen-Karriere-Index), was den Erfolg der Initiativen besiegelt. Doch ist Alexandra Hiendlmeier, Chief People Officer bei NTT Data DACH, überzeugt, dass es „neben der gezielten Förderung von Frauen unerlässlich ist, auch Männer als Allies einzubinden – nur so kann eine Kultur der Gleichberechtigung wirklich verankert werden.“
Beim Girls‘Day und Boys'‘Day aktiv sind unter anderem auch Adesso, Cancom, Msg Group, United Internet oder TechniData.
Und positive Beispiele zur Nachwuchsförderung finden sich auch in der Distribution. Mit einem Empowerment Programm möchte der DistributorKomsa Auszubildende und dual Studierende auf die Arbeitswelt und die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen vorbereiten. In der Young Talent Academy sollen die jungen Menschen Lerninhalte aus Berufsschule und Studium zusätzlich praxisnah über alle drei Ausbildungs- oder Studienjahre vertiefen können. Zudem erhalten Auszubildende und Studierende, die sich bestimmte Kompetenzen aneignen einen Award zum Top Performer. „Mit unserem neuen Empowerment Programm heben wir unsere Ausbildung auf ein neues Niveau: Der Pfad vom Klassenzimmer oder Hörsaal zum Arbeitsplatz ist entscheidend. Wir investieren mit unserer hausinternen Komsa Young Talent Academy und dem Top Performance Award gezielt in anwendbares Praxiswissen“, betont Katrin Haubold, Chief People Officer, Komsa.
Was ist der Girls‘Day?
Der Girls‘Day ist ein jährlich stattfindender Aktionstag, an dem Mädchen und junge Frauen Berufe oder Studienfächer kennenlernen sollen, in denen der Frauenanteil unter 40 Prozent liegt. Dazu gehören IT, Naturwissenschaften, Technik und Handwerk. Der Girls‘Day fand erstmals im Jahr 2001 statt und wird in diesem Jahr am 3. April ausgetragen. Seither haben mehr als 2,4 Millionen Mädchen an mehr als 185.000 Girls‘Day-Angeboten teilgenommen. Die Angebote des Aktionstags richten sich ausschließlich an Mädchen. Mit der strikten Trennung soll eine unbefangene Herangehensweise an Technik und IT ermöglicht werden. Daher findet parallel zu diesem Aktionstag auch der Boys‘Day statt. Jungen können hier Berufe kennenlernen, die überwiegend frauendominiert sind.
Die Förderung junger Talente mit Mentorenprogrammen, Coaching und Trainings gehört auch zur Agenda bei Siewert & Kau. Neben einem vielfältigen Angebot an Ausbildungsberufen bietet der Distributor ein flexibles Modell und unterstützt duale Studiengänge. „Mit diesem Ausbildungsschlüssel haben wir die Möglichkeit, uns intensiv um unsere Auszubildenden zu kümmern und können mehr Energie in die Qualifikation des Einzelnen stecken, dessen Talente entdecken und gezielt fördern. Zudem bilden wir nicht mehr Menschen aus als wir später übernehmen können“, erläutert Manuela Frommont von Siewert & Kau. Im vergangenen Jahr nahmen 26 junge Menschen dieses Angebot in Anspruch. Praktisch und flexibel: Der Ausbildungsfokus kann während der Ausbildung gewechselt werden. „Wir verstehen, dass sich die Interessen, Fähigkeiten und auch die Persönlichkeiten der Jugendlichen im Laufe der Zeit entwickeln“, weiß Frommont „Unser flexibles System erlaubt es den Auszubildenden, in andere Abteilungen im Unternehmen zu wechseln und so die optimale Übereinstimmung zu finden.“
Stand: 08.12.2025
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Denn auch wenn junge Menschen eine grobe Vorstellung von ihrem beruflichen Werdegang haben, fällt eine endgültige Festlegung dem ein oder anderen schwer. Insbesondere der Gen Z wird oftmals ein ständiger Arbeitsplatzwechsel vorgeworfen. Dabei spielen nicht nur Gehalt oder Unternehmenskultur eine Rolle. Vielmehr sammeln junge Menschen unterschiedliche Erfahrungen. Die Möglichkeit innerhalb eines Unternehmens flexibel darauf zu reagieren, könnte diesem Verhalten positiv entgegenwirken. „Wir wollen unseren Auszubildenden keine Steine in den Weg legen, sondern sie ihren Neigungen und Interessen entsprechend bestmöglich fördern“, sagt Frommont.
Im vergangenen Jahr hat der Broadliner Also für Motivation bei den Studierenden gesorgt. An der Universität Soest vergibt der Distributor den Also Technology Award und Finance Award jeweils in Höhe von 1.000 Euro. Bei der Award-Verleihung werden zudem weitere Studierende über offene Positionen und Karrierechancen bei Also informiert.
Judith Öchsner, Vertriebsleiterin bei DexxIT „Es ist unsere Verantwortung, diese Potenziale zu fördern, damit junge Talente das Gefühl bekommen, wirklich etwas bewegen zu können.“
Bildquelle: DexxIT
Und der Distributor DexxIT möchte mit flachen Hierarchien, Wissenserhalt und flexiblen Arbeitszeitmodellen nicht nur Mitarbeitende binden, sondern zudem junge Talente gewinnen. „Junge Menschen bringen oft eine sehr gute digitale Basis mit, die es ihnen ermöglicht, kreative und innovative Lösungen zu entwickeln“, so DexxIT-Vertriebsleiterin Judith Öchsner. „Es ist unsere Verantwortung, diese Potenziale zu fördern, damit junge Talente das Gefühl bekommen, wirklich etwas bewegen zu können.“
Mit solchen Maßnahmen möchten Dienstleister und Distributoren ein Zeichen bei der Förderung junger Talente setzen. Dabei handelt es sich oft um eine Win-Win-Situation. Denn während künftige Arbeitnehmende auf Flexibilität, attraktive Programme und finanzielle Unterstützung bauen können, gewinnt der Channel motivierte Mitarbeitende und kompensiert den Fachkräftemangel.
Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident „Es gibt keinen wirklichen Grund, warum nicht genauso viele Frauen einen IT-Beruf anstreben und ergreifen sollten wie Männer.“
Bildquelle: Hasselblad H5D
Win-Win-Situation
Aber nicht nur der Channel, sondern ebenso Hersteller haben sich dieses Thema auf die Fahne geschrieben. So unterstützt beispielsweise NovaStor das Schülerteam CyanCreators des Matthias-Claudius-Gymnasiums in Hamburg beim Wettbewerb „STEM Racing Germany“. Schüler erhalten so Einblicke in die Technikwelt. „Durch unser Engagement möchten wir dazu beitragen, dass Talente frühzeitig gefördert werden – vielleicht sogar bis hin zu einer späteren Tätigkeit als Entwickler oder IT-Spezialist bei NovaStor“, erklärt Stefan Utzinger, CEO von NovaStor.
Das Cybersicherheitsunternehmen Vectra AI bietet ein Stipendienprogramm für Schüler im sekundären Bildungsbereich, Studenten und Graduierte, die innovative Ideen für den Einsatz von KI in der Cybersicherheit vorlegen können. Neben einer finanziellen Förderung erhalten die Stipendiaten Betreuung durch KI-Experten oder Mentoren von Vectra. „Wir glauben, dass die nächste Generation von Innovatoren eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Cybersicherheit spielen wird“, so Hitesh Sheth, CEO von Vectra AI.