Akquisition von Starlink Infinigate übernimmt größten Security-VAD im Nahen Osten

Von Michael Hase

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Die Infinigate Group treibt ihre internationale Expansion voran. Der Distributor kauft Starlink, den größten VAD für Cybersecurity im Nahen Osten. Dadurch kommt die Schweizer Gruppe nun auf ein Umsatzvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro.

Klaus Schlichtherle, CEO bei Infinigate, holt Starlink-Gründer Nidal Othman und sein Team in die Gruppe. Der IT-Unternehmer ist ab sofort CEO Infinigate MEA. (Bild:  Infinigate / Starlink)
Klaus Schlichtherle, CEO bei Infinigate, holt Starlink-Gründer Nidal Othman und sein Team in die Gruppe. Der IT-Unternehmer ist ab sofort CEO Infinigate MEA.
(Bild: Infinigate / Starlink)

Nur einen Monat nach dem bislang letzten Zukauf gibt Infinigate heute die nächste Akquisition bekannt. Die Schweizer Gruppe übernimmt den Distributor Starlink aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das auf Netzwerk und Security fokussierte Unternehmen, das mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt, unterhält Büros in elf Ländern, darunter Ägypten, Marokko, Pakistan, Saudi Arabien und Südafrika. Nach eigenen Angaben ist es in der MEA-Region der marktführende Spezialdistributor für Cybersecurity. Die Infinigate Group treibt somit durch die Akquisition ihre internationale Expansion in den Nahen Osten und nach Afrika voran.

Starlink vermarktet die Produkte von 60 Anbietern, zu denen A-Brands wie F5, IBM, Juniper, Palo Alto Networks, Riverbed, Symantec, Trellix (ehemals McAfee) und Trend Micro zählen. Neben Netzwerk- und Security-Anbietern hat der VAD, der mit etwa 1.500 Partnern zusammenarbeitet, auch Hersteller von Infrastrukturprodukten wie Citrix, Commvault, Ivanti, Lenovo, Micro Focus, Nutanix oder Pure Storage im Portfolio.

Infinigate kündigte Anfang Juli den Kauf des Netzwerk- und Security-Geschäfts der britischen Nuvias Group an, für den noch die Genehmigung durch die EU-Behörden aussteht, und erwarb Ende August den britischen Cloud-Spezialisten und Microsoft-CSP-Distributor Vuzion. Mit der aktuellen Akquisition dehnt der Schweizer Distributor seine Reichweite auf mehr als 50 Länder in EMEA aus, mit Niederlassungen in 32 Ländern. Zu Beginn dieses Jahres waren es noch elf nationale Märkte in Europa.

Dem Plan voraus

Die Mitarbeiterzahl von Infinigate steigt durch die Aufnahme des Starlink-Teams auf mehr als 1.100. Das Unternehmen aus Dubai erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen US-Dollar (aktuell etwa 510 Millionen Euro). Den geplanten Nuvias-Deal eingerechnet, schätzt die Gruppe, dass ihre gesamten Erlöse im Jahr 2023 etwa 2,2 Milliarden Euro erreichen werden. Im zuletzt abgeschlossenen Fiskaljahr, das am 31. März endete, lagen sie bei 813 Millionen Euro. Ursprüngliches Ziel des Distributors war es, den Umsatz bis 2024 auf 1,5 Milliarden Euro zu steigern. „Wir sind unserer Planung um ein Jahr voraus“, stellt Klaus Schlichtherle, CEO der Infinigate Group, fest.

Auch wenn es sich rechtlich um einen Kauf handelt, fühle sich die Akquisition von Starlink „eher wie ein Zusammenschluss an“, so der Manager weiter. Durch diesen Schritt eröffne sich für Infinigate „die Möglichkeit, unseren Herstellern und Wiederverkäufern eine breitere geografische Plattform und ein größeres technisches Knowhow zu bieten“. Für den Distributor stelle die Transaktion „einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Global Player“ dar. Sie versetze ihn in die Lage, „die Erfahrungen und Beziehungen von Starlink in der gesamten EMEA-Region zu nutzen“ und werde das Wachstum der Gruppe und das ihrer Partner beschleunigen. Durch die größere Reichweite gewinne Infinigate zugleich an Attraktivität für internationale Hersteller, ist Schlichtherle überzeugt, was dabei helfen werde, das Portfolio auszubauen und zu stärken.

Die Akquisition ist rechtlich bereits abgeschlossen. Für eine Übergangszeit tritt Starlink noch unter diesem Namen mit dem Zusatz „Ein Unternehmen der Infinigate Group“ auf. Nidal Othman und Mahmoud Nimer, die den Distributor im Jahr 2005 gründeten und als CEO und President an dessen Spitze stehen, bleiben als Führungskräfte an Bord. Othman übernimmt die Position des CEO Infinigate MEA und wirkt in der Gruppe an der Weiterentwicklung des Portfolios mit. Nimer wird Präsident der MEA-Region. Die Marke Starlink soll innerhalb der kommenden zwölf Monate abgelöst werden.

Synergiepotenziale

Wie Schlichtherle betont Othman, dass sich durch den Merger die Chance eröffnet, zusätzliche Marktpotenziale zu erschließen: „Gemeinsam können wir mehr erreichen und einen größeren Wert bieten, während wir darauf hinarbeiten, ein Global Player zu werden.“ Es gebe starke Synergien zwischen den Unternehmen „sowohl in puncto unserer strategischen Wachstumsfelder als auch unserer Geschäftsstrategien“. So fokussieren sich Infinigate und Starlink konsequent auf Networking und Security, und als VADs stellen beide ihren Partnern ein breites Portfolio an unterstützenden Leistungen bereit. Zudem verbindet die Distributoren, dass sie Secure Cloud als künftiges Wachstumsfeld identifiziert und ihr Portfolio bereits darauf ausgerichtet haben.

Aber es gibt auch Unterschiede, und zwar bei den Zielmärkten. Starlink ist stark auf den Enterprise-Markt ausgerichtet und arbeitet dabei unter anderem mit globalen Systemintegratoren zusammen. Dagegen adressiert Infinigate vor allem Partner, die Kunden aus dem Midmarket und dem SMB-Segment bedienen. Darin erkennen Schlichtherle und Othmann die Chance, wechselseitig von der spezifischen Marktkenntnis und Vertriebskompetenz des anderen zu profitieren. Jedenfalls sehen beide Distributionsprofis große kulturelle Übereinstimmungen zwischen ihren Teams.

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Der Expansionskurs von Infinigate wird finanziert durch die britische Kapitalgesellschaft Bridgepoint, die die Gruppe im Frühjahr 2021 mehrheitlich übernommen hat. Durch den Nuvias-Deal kommt ein zusätzlicher Investor hinzu. Denn die britische Rigby Group, die hinter Nuvias steht, erwirbt im Zuge der Transaktion eine Rückbeteiligung an Infinigate.

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