AWS, Microsoft Azure, Google Cloud Im Reich der Hyperscaler

Von Dr. Stefan Riedl

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Zumindest was den Infrastructure-as-a-Service-Markt angeht, dominieren wenige Player das Marktgeschehen. Allein schon wegen der „fancy Tools“ im Angebot von AWS, Microsoft und Google kommt man vielerorts nicht an den Giganten des Marktes vorbei.

Im Reich der Hyperscaler herrschen wenige Giganten.(Bild:  Maksim Shmeljov - stock.adobe.com)
Im Reich der Hyperscaler herrschen wenige Giganten.
(Bild: Maksim Shmeljov - stock.adobe.com)

Kein Gaia-X, keine Mittelstandsinitiativen, keine Nischenpolitik hat geholfen: Infrastructure as a Service (IaaS) ist von Jahr zu Jahr immer fester in der Hand der Big Player zu verorten. Die Anteile von Microsoft Azure und Google Cloud am weltweiten IaaS-Markt sind in den vergangenen beiden Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 2019 und 2021 legte Microsoft Azure von 16,5 Prozent auf 20,8 Prozent zu. Im gleichen Zeitraum stieg der Marktanteil von Google Cloud von 7,4 Prozent auf 9,5 Prozent. Amazon Web Services (AWS) verteidigte seine Marktführerschaft und blieb nahezu unverändert bei knapp 35 Prozent. Die Information Services Group (ISG) stützt diese Auswertung auf die Umsatzzahlen, die die weltweit führenden IaaS-Anbieter in ihren Geschäftsberichten ausgewiesen haben.

Profiteure der eigenen Größe

Heiko Henkes, Director & Principal Analyst bei ISG, erläutert, dass Microsoft davon profitiert, dass eine umfangreiche Installationsbasis für Produkte aus dem Nicht-Azure-Umfeld vorhanden sei. „So etwa im Falle der Bürosoftware Office 365 respektive des neuen Bundles Microsoft 365 oder der ERP-Suite ­Dynamics“, sagt Henkes. Bei Google Cloud gehe das jüngste Wachstum hingegen auf eine Reihe von Faktoren zurück, vor allem auf die Expertise im Analytics- beziehungsweise Machine-Learning-Segment. Unternehmenskunden wird dabei geholfen Erkenntnisse aus Ihren Daten zu gewinnen. Hinzu komme auf technologischer Ebene ein Vorstoß in den B2B-Bereich mit Security- und Compliance-Angeboten und Open Source, beispielsweise Kubernetes.

MSP-Wissen ist gefragt

Hyperscale-Cloud-Anbieter zeichnen sich laut dem Analysten durch eine hohe Frequenz von neuen Services aus, deren Vielzahl für Laien kaum noch zu überblicken ist. „Managed Service Provider erfahren deshalb derzeit einen enormen Wachstumsschub, falls sie sich auf die jeweiligen Angebote spezialisiert haben und somit plattformspezifische Lösungen für Kunden realisieren können“, so Henkes. Die Herausforderung sei die zigfachen Kombinationsmöglichkeiten einer oder mehrerer Cloud-Plattformen zu überschauen und auf die jeweilige Branche und deren ­Herausforderungen und Eigenheiten übertragen – zum Beispiel regulatorische ­Anforderungen bei Finanzdienstleistern. Dafür seien meistens keine großen Teams notwendig. Angesprochen auf die „fancy Tools“, die Hyperscaler im Sinne einer Burggrabenstrategie anbieten, da diese von Entwicklern und Kunden nachgefragt und nur dort zu finden sind, findet Henkes eher warnende Worte.

Aber Vorsicht: Je ‚fancier‘ die Lösung ist, damit Unternehmen neues Terrain betreten, bestehende Workflows optimieren und sich vor allem weiter differenzieren können, desto größer ist auch die Gefahr der Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter, der sogenannte Vendor-Lock-in.

Heiko Henkes, Director & Principal Analyst bei ISG

Kosten hinterfragen

Nach Einschätzung des Director & Principal Analyst bei ISG sei nicht von der Hand zu weisen, dass viele Kunden aufgrund von strategischen Entscheidungen – teilweise ohne flankierende Berechnung der Total Cost of Ownership (TCO) – in die Public Cloud wechseln. Das sei der Weg des geringsten Widerstands, das sogenannte „Lift and Shift“. „Dieser Ansatz ist grundsätzlich nicht zu verachten und vor allem legitim, wenn Unternehmen schneller werden und den Druck der Transformation erhöhen wollen“, so Henkes. Nur führe dieses Vorgehen in vielen Fällen zu erhöhten Kosten, Herausforderungen mit der Sicherheit oder Anwendungsstabilität und letztlich dazu, dass man erforderliche Tätigkeiten auf die lange Bank schiebt.

Daten- und Workflow-Migration

Kritische Reviews der Applikationslandschaft kämen häufig zu kurz. Unter die Lupe müssen die vorherrschenden Anforderungen und die Passgenauigkeit der Architektur genommen werden, beziehungsweise müsse die Aggregation von Systemen oder deren notwendige Migration hin zu neuen Architekturen ausgelotet werden. „Professionelle Dienstleister – egal welcher Größe – können hierbei enorm helfen und dazu beitragen, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen“, rät Henkes.

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