Wie laut knirscht es nach Igels Abschied von der Produktion eigener Hardware? Nachdem von der Garantiefrage bis zu neuen Aufgaben in der Distribution alles geregelt ist, hat der Channel wegen der neuen Gerätevielfalt seinen Frieden mit der Weichenstellung gemacht.
Das Thema Kistenschieben hat sich für Igel seit der Abkehr von der eigenen Hardware-Produktion erledigt.
(Bild: ANASTASIIA - stock.adobe.com)
Mitte November vergangenen Jahres gab Igel Technology mehr oder weniger überraschend bekannt, sich von der Hardware-Produktion zu verabschieden. Gegenüber IT-BUSINESS begründete Igel-Geschäftsführer und CTO, Matthias Haas, die Fokussierung auf Software damit, dass Hardware-Partner wegen ihrer Spezialisierung das besser könnten. Geräte mit vorinstalliertem Igel OS kommen künftig aus den Fabriken von LG, HPE und Lenovo. Igel-Ready-Zertifizierungen anderer Hersteller laufen parallel dazu (siehe Kasten).
Igel verabschiedet sich von der hauseigenen Hardware
Kunden wollen die Flexibilität unterschiedlicher Zugangsmöglichkeiten und Formfaktoren, seien es Laptops oder All-in-One-Geräte, sagt Matthias Haas, Geschäftsführer und CTO, Igel Technology. Als kleiner deutscher Hardware-Hersteller konnte Igel diese Breite im Portfolio nicht bieten. Über Partnerschaften könne das besser geregelt werden. „Wir arbeiten vor diesem Hintergrund mit drei großen Hardware-Partnern zusammen: LG, HP und Lenovo.“ Diese Hersteller bieten so genannte Powered-by-Igel-Hardware an, also Hardware, die aus der Factory heraus und so bestellbar mit vorinstalliertem Igel-Betriebssystem ausgeliefert wird.
Parallel dazu gibt es weiterhin die Igel-Ready-Zertifizierung, die sicherstellt, dass derartig zertifizierte Hardware anderer Hersteller mit nachträglich installiertem Igel OS den vollen Funktionsumfang inklusive Sicherheit bieten kann.
Nach wie vor gilt: Grundsätzlich ist jedes x86-Gerät kompatibel mit Igel OS, allerdings muss bei der Selbstinstallation die IT-Abteilung sicherstellen, dass wirklich jeder Aspekt gut funktioniert. Mit Geräten der Hardware-Partner, bei denen Igel OS vorinstalliert ist, oder Geräten aus dem Igel-Ready-Programm, garantiert Igel, dass alles rund läuft, beispielsweise was Peripheriegeräte wie Headsets, Drucker oder Webcams angeht.
Zur Ausrichtung als reiner Software-Anbieter passt die Positionierung von Igel OS 12. Die neue Version des Managed-Endpoint-Betriebssystems kommt als Service-Plattform im Abo-Modell daher. Über einen sogenannten Service Hub werden verschiedene Cloud Services zur Verfügung gestellt, damit Mitarbeiter ihren digitalen Arbeitsplatz in Work-Anywhere-Manier selbst in Betrieb nehmen können.
Der Channel und die Distribution
Henning Jasper, Geschäftsführer, Vanquish
(Bild: Vanquish)
Doch welche Auswirkungen hat dieser Schritt für den Channel und die drei Distributoren, die bislang die hauseigenen Igel-Thin-Clients vertrieben haben, nämlich ADN, Arrow und Vanquish?
Henning Jasper, Geschäftsführer des zuletzt genannten Großhändlers, berichtet, man habe „schon heute die Geräte von HPE und Rangee aufgenommen“, ferner werde in Kürze ein neues Gerät von Clientron vorgestellt, „dem bisherigen Produzenten der Igel-Hardware“, wie Jasper erläutert.
Sein Branchenkollege Michael Broos, Business Development Manager bei ADN, setzt auf HP- und LG-Hardware, was Geräte mit vorinstalliertem Igel-OS angeht. Zudem hat ADN „solange der Vorrat reicht“, originale Igel-Hardware auf Lager. Broos betont, dass sich mit der Igel-Software auch Laptops oder ältere Geräte problemlos in die Workplace-Infrastruktur einbinden und managen lassen.
Aus dem Hause Arrow Electronics wurde lediglich mitgeteilt, dass man Igel-Produkte „in mehreren europäischen Ländern und in Nordamerika“ vertreibe.
Igel ist und bleibt ein Unternehmen, das sich zu 100 Prozent dem Channel verpflichtet hat. Entsprechend groß ist und bleibt die Rolle der Distribution.
Niels Keunecke, Chief Revenue Officer EMEA, Igel
Wo gibt es noch Igel-Thin-Clients?
Michael Broos, Business Development Manager ADN
(Bild: ADN)
Ersatzgeräte wird es bei ADN noch geben: „Wenn es generell um Neugeräte geht, rechnen wir damit, dass Igel-Thin-Clients noch bis zum Sommer oder Herbst verfügbar sind.“ Kunden können laut Broos bis zum End-of-Sale, dem 31. März 2023, und darüber hinaus, solang der Vorrat reicht, Igel UD2-, 3- oder 7-Geräte über ADN und in der Schweiz über BCD-Sintrag kaufen.
Vanquish-Chef Jasper geht nach aktuellen Informationen von einer Verfügbarkeit der Standartgeräte für Neu- und Ergänzungsbestellungen „bis mindestens Ende März“ aus. Eine spezielle „Ersatzgeräte“-Politik sei nicht geplant und aus seiner Sicht auch nicht nötig. Er begründet: „Durch die Lizenzierung des Igel OS kann eine aktive Lizenz jederzeit auf eine andere Hardware – auch eines anderen Herstellers – umgezogen werden.“ Wegen der Gerätevielfalt auf dem Markt werden seiner Einschätzung nach die Bestandskunden keine Probleme bei einer anstehenden Ersatzbeschaffung haben.
Fünfjahresgarantie und Support
Was Ersatz für Garantiefälle und Nachbestellungen angeht, habe Igel vorgesorgt, sagt Niels Keunecke, Chief Revenue Officer EMEA bei Igel: „Unsere bekannte Fünfjahresgarantie geben wir deshalb auch weiterhin auf Igel-Hardware, solange sie noch verfügbar ist. Für einige Zeit bieten wir Service-Leistungen noch selbst an. Wenn die Nachfrage danach geringer wird, weil der Bestand an Geräten im Markt sinkt, werden wir das Erbringen von Service- und Support-Leistungen sicher auslagern.“ Mehr werde man dazu bekanntgeben, wenn es soweit ist
Softwareberater statt „Kistenschieber“
Die Rolle der Distribution im Igel-Umfeld wird sich ändern. Vanquish sieht sich schon passend aufgestellt. Softwareberatung und deren Verkauf sei bereits der Ansatz bei Igel, so der Geschäftsführer. Schon heute würden etwa 50 Prozent der Vanquish-Kunden auf das Igel OS in Kombination mit Nicht-Igel-Hardware setzen, verrät Jasper. Seiner Ansicht nach wird die Abkehr von der eigenen Hardware-Produktion das Igel-Geschäft beflügeln. „Dieser Trend (hin zu Nicht-Igel-Hardware) wird nun natürlich forciert und ermöglicht uns und Igel, neue Projekte und Kundenkreise anzusprechen, die bisher aus unterschiedlichen Gründen sich wegen der Hardware gegen Igel entschieden haben.“
Vanquish hat schon heute die Geräte von HPE und Rangee aufgenommen, ferner wird in Kürze ein neues Gerät von Clientron vorgestellt – dem bisherigen Produzenten der Igel Hardware.
Henning Jasper, Geschäftsführer, Vanquish
Broos von ADN schlägt in dieselbe Kerbe: „Don’t use windows to access windows“, so sein Credo. Linux und insbesondere Igel sind für ADN „klarer Marktführer im Bereich Thin Client OS“. Die Endpoints seien durch das auf Sicherheit ausgelegte Betriebssystem vertrauenswürdig und mit der Igel-Software viel effizienter zu managen. „Auch im Bereich Zoom, Teams und Co. wurden die Hausaufgaben gemacht. So laufen diese Applikationen inzwischen genauso flüssig wie auf jedem Windows-Device“, findet Broos.
Stand: 08.12.2025
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Distris als Ausbilder
Igel-Manager Keunecke betont, dass der Distribution weiterhin eine wichtige Rolle beim Zusammenspiel von Igel OS mit der Hardware zukomme: „Distributoren können nun Partnern eine große Vielfalt an Endgeräten aus ihrem Portfolio zusammen mit Igel OS empfehlen.“ Auch für die Ausbildung sei die Distribution ein wichtiger und gesetzter Partner. Die nächste Generation des Betriebssystems, Igel OS 12, wird grundlegende neue Funktionen mitbringen, sagt der Chief Revenue Officer (siehe Kasten). Diese müssen Partnern und Kunden kompetent vermittelt werden. Den Trend zu hochsicheren Endgeräten für den Zugriff auf virtuelle Infrastrukturen, Cloud Workspaces und virtuelle Desktops, wie Azure Virtual Desktop, sieht er ungebrochen bestehen.
Kunden können bis zum End-of-Sale, dem 31. März 2023, und darüber hinaus, solang der Vorrat reicht, weiterhin Igel UD2/3/7-Geräte über ADN und in der Schweiz über die BCD-Sintrag kaufen.
Michael Broos, Business Development Manager ADN
Änderungen am Partnerprogramm und Fazit
Niels Keunecke, Chief Revenue Officer EMEA, Igel
(Bild: Igel)
Das Igel-Partnerprogramm Velocity wird im Zuge der Neuerungen einige Erweiterungen erhalten, die in Kürze kommuniziert werden, verrät Keunecke. Die Transformation – Abschied von der Hardware und Fokussierung auf Software – habe man lange vorbereitet und es sei auch nicht so, dass Partner und Distributoren von der Ankündigung auf dem falschen Fuß erwischt und überrascht wurden. Letztendlich hätten Kunden nun viel mehr Auswahl als früher: „Vom Notebook, Thin Client bis hin zum All-in-On-Gerät ist jeder Formfaktor in verschiedenen Ausstattungsvarianten verfügbar – eine Bandbreite, die Igel als Hardware-Anbieter nicht hätte abdecken können“, räumt der Manager ein. Die Vorteile, mit weltweit operierenden Herstellern zu arbeiten, schlagen sich laut Keunecke nieder, in kürzeren Entwicklungszyklen, aktuelleren Komponenten und erprobten Service- und Garantieprozessen. „Kunden und Systemintegratoren mit etablierten Lieferbeziehungen zu unseren Hardware-Partnern, profitieren davon, ihr Endgerät nun einfach mit Igel OS vorinstalliert bestellen zu können“, fasst der Igel-Manager zusammen.