Die Zahl der AWS-Regionen soll sich im kommenden Jahr von 105 auf 130 erhöhen. Andere Hyperscaler, aber auch große Cloud-Anbieter wie IBM, Oracle oder Alibaba sind international auf Wachstumskurs. Daran sollte sich vorerst nichts ändern, so das Uptime Institute.
Hyperscaler expandieren meist in wohlhabendere Ökonomien, wo die Infrastruktur funktioniert und höhere Umsätze zu erwarten sind.
(Bild: Uptime Institute)
Eine Hyperscaler-Präsenz bedeutet oft eine Disruption für den lokalen Infrastruktur- und IT-Markt. Es ist deshalb sinnvoll zu überlegen, welche Länder mögliche Expansionsziele für Hyperscaler, Cloud-Provider wie IBM oder Oracle und Co-Location-Anbieter sind.
Dazu sollte man zunächst verstehen, wozu Hyperscaler-Regionen da sind. Sie überziehen eine geografische Region mit unabhängigen Verfügbarkeitszonen (AZs, Availability Zones). Sie sind logische Repräsentationen der dortigen Rechenzentren.
Durch AZs lassen sich resiliente Applikationen aufsetzen. Jede AZ hat typischerweise zwei oder drei Rechenzentren. Ein Hyperscaler kann in einem Land eine oder mehrere AZs betreiben.
Latenzschutz und Rechtssicherheit
Mehrere AZs sind aus Latenzgründen nötig; denn – unabhängig von der Netzwerkqualität – erzeugt mehr Distanz mehr Latenz, die ab einem gewissen Umfang die Anwendungen stört. Außerdem erfordert der Rechtsrahmen vieler Länder insbesondere in Europa die Datenhaltung innerhalb der eigenen Rechtszone.
Um die Logik der Hyperscaler-Expansion zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, dass das ökonomische Modell einer Hyperscaler-Cloud skalierungsabhängig ist: Jede neue Zone erfordert große Investitionen in Gebäude, Technik und Personal. Profitabilität hängt insofern davon ab, dass mit ausreichenden Umsatzvolumina zu rechnen ist.
Grundvoraussetzungen neuer AZ
Grundvoraussetzungen für neue AZs sind eine ausreichende Telekommunikations- beziehungsweise Datennetz-Infrastruktur, ausreichend Strom und Leitungen, um ihn zum Datacenter zu bringen, ausreichende Sicherheit und Manpower. Dazu kommen vielversprechende ökonomische Möglichkeiten. Das bedeutet, dass Cloud-Provider vorzugsweise in ökonomisch halbwegs gesunde Regionen mit hohem Bruttosozialprodukt investieren. Denn dort sind diese Voraussetzungen in der Regel gegeben.
Organisationen in diesen Ländern haben meist ausreichend Geld. Sie können die Dienstleistungen von Hyperscalern bezahlen oder Kredite dafür aufnehmen.
Nur 40 Länder mit Hyperscaler-Präsenz
Das zeigt sich an einer starken Konzentration der Hyperscaler-Regionen: In nur 17 Ländern sind alle drei Hyperscaler vertreten. Diese Länder stehen für 56 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. Nimmt man Länder hinzu, wo wenigstens ein Hyperscaler präsent ist, kommt man auf 40 Länder und 87 Prozent des Bruttosozialprodukts.
Zum Vergleich: Die UN umfasst 195 Länder. Der Segen der Cloud-IT ist für ärmere Regionen daher häufig schlicht unerreichbar, was international die ökonomische Kluft zwischen Reichen und Habenichtsen noch mehr vertiefen könnte.
USA: Hotspot der Hyperscaler
Interessant ist es, einige Länder und ihre Eigenheiten zu betrachten. Die USA hat mit 24 Hyperscaler-Cloud-Regionen in nur 13 Staaten die größte Hyperscaler-Präsenz weltweit.
Die weltweite Verteilung der Hyperscaler-Rechenzentren: Die meisten Länder (158 von 198) haben keine. Eine ungewöhnlich hohe Dichte besitzen die USA als Stammland der Groß-Provider.
(Bild: Uptime Institute)
Das Nachbarland Mexiko dagegen hat wegen guter TK-Verbindungen mit geringer Latenz nach USA trotz relativ hohen GDPs lediglich eine Azure- und keine weitere Hyperscaler-Region. Größeres Hyperscaler-Wachstum ist dort vermutlich nur zu erwarten, wenn die mexikanischen Preise für Land, Infrastruktur und Personal entsprechend günstiger sind, um das Investment lohnend zu machen.
China: Abgeriegelt
China dagegen steht trotz seines hohen Bruttosozialprodukts wegen seiner digitalen Abschottungspolitik abseits. Die beiden Provider AWS und Microsoft Azure, die dort Präsenzen unterhalten, haben sie an chinesische Player (AWS: Sinnet und Ningxia, Azure: 21 Vianet) ausgelagert. Google hat seine China-Pläne 2020 aufgegeben.
Dafür gibt es mit Alibaba, Huawei, Tencent und Baidu eigene Hyperscaler, die in den asiatisch-pazifischen Raum und andere Regionen, auch Europa, ausstrahlen.
Russland: Ausgeschlossen
Auch Russland steht abseits. Gründe sind die Sanktionen wegen des Angriffs auf die Ukraine sowie schon länger bestehende geopolitische Spannungen. Da bleibt man lieber fern.
So arbeitet AWS grundsätzlich nicht mit der russischen Regierung zusammen. Selbst Alibaba aus China ist nicht in Russland präsent. Der lokale Cloud-Provider heißt Yandex.
Hyperscaler in 16 europäischen Ländern
Hyperscaler sind in 16 europäischen Ländern mit 70 Prozent des europäischen Bruttosozialprodukts präsent. Hier sind Datenschutz und regionale Datenhaltung derzeit als einzige Weltregion wegen der Datenschutz-Grundverordnung wichtiger als Latenz.
Stand: 08.12.2025
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Das Nachbarland Türkei besitzt trotz hohen Bruttosozialprodukts aber (noch?) keine Hyperscaler-Präsenz. Wahrscheinlich reicht die Versorgung durch angrenzende europäische Regionen derzeit aus. Auch die Data Governance des Landes könnte die bisherige Investitionszurückhaltung der Hyperscaler erklären – ob die erneute Wiederwahl Erdogans das ändert, darf getrost bezweifelt werden. Allerdings sind Investitionen hier in Zukunft zumindest ökonomisch vorstellbar.
Afrika und Südamerika: Fast ein großer weißer Fleck
Auf dem ganzen afrikanischen Kontinent gibt es ausschließlich in Südafrika Hyperscaler-Regionen. Dabei ist das Bruttosozialprodukt von Ägypten und Nigeria höher.
Nordafrika wird durch südeuropäische Regionen mitversorgt. Nigeria ist ein potentieller Expansionsstandort, denn es hat ausreichend Netzressourcen, ein relativ hohes Bruttosozialprodukt und könnte Süd- und Westafrika versorgen.
Südamerikas AZs beschränken sich auf Brasilien und Chile (Google, demnächst Azure). Ein weiterer Anwärter ist Argentinien, sodass Investitionen auch von AWS dort nicht verwundern sollten.
Unternehmen wollen „ihren“ Hyperscaler überall
Applikationen lassen sich nur schwer über unterschiedliche Hyperscaler hinweg betreiben. Auch deshalb folgen Hyperscaler dem Geld. Denn Unternehmen wollen einen Hyperscaler, der überall dort ist, wohin sie expandieren. Und das tun sie lieber in reicheren Ökonomien.
Anpassung funktioniert aber auch anders herum: Softwarehäuser beispielsweise können ihre internationalen Ausbaupläne nach den Ausbauplänen der Hyperscaler richten. Dann bringen sie ihre Services dort auf neue Märkte, wo auch ihr Hyperscaler präsent ist. Denn Vertrieb und Support lassen sich oft aus dem Hintergrund ohne lokale Kräfte erbringen.
Co-Location und Hyperscale als Gespann
Co-Locatio-Provider folgen prinzipiell derselben Logik. Sie können sich aber auch kleinere Länder ohne Hyperscaler als Expansionsziel vornehmen. Denn laut Uptime Institute legen 44 bis 65 Prozent der Organisationen Wert darauf, die Daten in eigener Infrastruktur zu speichern, sofern kein Hyperscaler verfügbar ist. 29 Prozent würden einen Kolokateur wählen.
Cloud Provider bieten ihren Kunden vermehrt Appliances wie „AWS Outpost“, seit Kurzem „Dedicated Local Zones“, oder „MS Azure Stack“ für die Nutzung im eigenen Datacenter an. Sie sind mit Public-Cloud-Anteilen zu einer hybriden Cloud verbunden.
Co-Location-Anbieter können davon profitieren, indem sie Partnerschaften mit Hyperscalern eingehen. Sie können dann den Appliance-Teil einer solchen Installation in Regionen übernehmen, wo der Hyperscaler selbst nicht präsent ist.