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Lizenzverkauf aus alten Volumenlizenzverträgen

Gebraucht-Software in der Cloud-Zukunft?

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Gebraucht-Software ist keine Hexerei.
Gebraucht-Software ist keine Hexerei. (Bild: © djvstock - stock.adobe.com)

Der Siegeszug der Cloud geht am Gebraucht-Software-Handel nicht spurlos vorbei. Die ­Zusammenarbeit mit Software-Herstellern – allen voran Microsoft – hat sich vertieft. ­Vendosoft-Chef Björn Orth, erläutert was den Markt bewegt und was die Zukunft bringt.

Das Geschäft rund um Gebraucht-Software brummt. So auch bei Vendosoft in Inning am Ammersee. Fünf Jahre nach der Gründung hat das Unternehmen über 4.200 Kunden in ganz Europa. Kernländer sind dabei Deutschland, Österreich und Italien. „Wir verzeichnen ein jährliches Umsatzwachstum von 35 Prozent, einzige Limitierung ist aktuell die eher schwierige ­Ankaufssituation“, sagt Björn Orth, der ­Geschäftsführer des Unternehmens. Ohne diese aktiv akquiriert zu haben, arbeitet Vendosoft mit inzwischen 313 Systemhäusern zusammen. In der Regel ergab sich die Zusammenarbeit so, dass Kunden, die Dienste in Anspruch nahmen, die Abwicklung in den Händen ihrer regulärer IT-Dienstleister wissen wollten.

Was die Branche spaltet

Björn Orth, Geschäftsführer, Vendosft
Björn Orth, Geschäftsführer, Vendosft (Bild: Vendosoft)

Eine Frage – so der Vendosoft-Chef – spalte die Branche, nämlich die, ob man im Rahmen der Dokumentation für den Kunden die Vorbesitzer der erworbenen ­Gebraucht-Software auflisten sollte. „Wir können das bei Vendosoft aus unserer praktischen Erfahrung heraus nicht ganz nachvollziehen“, sagt Orth und erläutert seinen Standpunkt: Eine Offenlegung der Vorkäufer würde mit datenschutzrechtlichen Problemen einher gehen. „Außerdem gibt es Fälle, bei denen wir beim Erwerb vertraglich zusichern, keine firmeninternen Daten über den Vorbesitzer herauszugeben. Und wenn Sie sich die dicken Ordner, anschauen, die beim Erwerb von Volumenlizenzpaketen aufgrund der Dokumentenflut entstehen, erscheint es wenig sinnvoll, diese bei jedem gestückelten Weiterverkauf aus diesen Paketen auszuliefern“, berichtet Orth aus der Praxis.

Der Vendosoft-Ansatz

Der richtige Ansatz ist aus der Perspektive von Orth jener, die Dokumentation von ­einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft validieren und verifizieren zu lassen. Die Wirtschaftsprüfer treten dabei direkt mit dem Kunden unabhängig vom Gebraucht-Software-Händler in Kontakt und bestätigen ihm die Korrektheit der ­Angaben, ohne dass Daten über Vorbesitzer herausgegeben werden.

Dokumentation und Freistellungserklärung

Bei Vendodsoft erhalten Kunden von im Rahmen der Dokumentation neben der ­gesetzlich gebotenen Rechnung und dem Lieferschein ein Installationsdatenträgermedium und die Software-Keys. „Dann ­eine Vernichtungserklärung, die bestätigt, dass die gebrauchte Software nirgendwo mehr im Einsatz ist. Und um den Kunden risikofrei zu stellen, bekommt er eine Freistellungserklärung, die ihm bestätigt, dass Vendosoft im Falle eines Audits oder gar einer gerichtlichen Auseinandersetzung die Haftung übernimmt. An dieser Stelle sei aber betont, dass es noch nie zu so einem Fall gekommen ist.“, so Orth.

Interessanter Passus in Volumenlizenzverträgen

„Seit rund einem Jahr“, weiß der Geschäftsführer zu berichten, „enthalten die Volumenlizenzverträge von Microsoft einen Passus, der den seit dem berühmten EuGH-Urteil erlaubten Gebrauchtsoftwarelizenzverkauf thematisiert.“ Orth hat den Passus auf einem Ausdruck parat: „Erschöpfung. Keine Bestimmung dieses Vertrages untersagt die Übertragung von Software in dem nach anwendbaren Recht zulässigen Rahmen, nachdem das Inverkehrbringungsrecht erschöpft ist.“

Für globale Software-Firmen wie Microsoft ist der Handel mit gebrauchten Lizenzen eher ein regionales Phänomen, da das einschneidende EuGH-Urteil, welches für den Gebraucht-Software-Markt Rechtssicherheit geschaffen hat, nur für die EU gilt. ­Allerdings sind dem Unternehmen ­Gebraucht-Software-Händler offenbar kein Dorn mehr im Auge.

Ergänzendes zum Thema
 
Eine Frage der Dokumentation

Microsoft-Partnerschaft

Vielmehr ist das Thema Kooperation inzwischen groß geschrieben, sagt Orth: „Unsere Mitarbeiter sind ausgebildete MLPs, ­also durch Microsoft geschulte Lizenzspezialisten. Vendosoft ist Microsoft-Silber-Partner und wir bauen darauf, demnächst den Gold-Status zu erreichen. Vor diesem Hintergrund rüsten wir uns mit unabhängigen Beratungsdienstleistungen und dem Vertrieb auch von Neuware und Cloud-Produkten, für eine Zeit nach der Gebraucht-Software-Ära, sollte sie denn in sechs oder sieben Jahren anbrechen.“ Gespeist wird diese Aussicht auf Basis folgender Tatsache: „Cloud-Produkte kann man nicht kaufen, also auch nicht gebraucht verkaufen, diese Tatsache blende ich als Geschäftsführer, der Verantwortung für seine Mitarbeiter trägt, nicht aus.“

Wie auf Office 2016 ein Office 2019 wird

Das meist verkaufte Produkt bei Vendosoft und wohl auch im Gebrauchtsoftware-Markt im Allgemeinen, ist Office 2019. Gespeist wird das Angebot hauptsächlich aus ­gebrauchten Office-2016-Lizenzen, die das Unternehmen im Rahmen von Volumenlizenzverträgen mit Software Assurance einkauft, also der Upgrade-Möglichkeit auf 2019. „Ich halte es für ein realistisches Szenario, dass es noch ein Office-2021-Paket auf On-Prem-Basis geben wird. Möglicherweise wird dann voll auf Cloud-Produkte umgestellt und darauf muss sich der Gebraucht-Software-Handel einstellen“, blickt Orth in die Zukunft.

Blick in die Zukunft

Auf der anderen Seite gilt: „Viele Kunden kaufen lieber als zu mieten, das ist in gewisser Weise auch eine Einstellungs- oder gar Prinzipienfrage“, sagt Orth und ergänzt: „Womöglich wird sich vor diesem Hintergrund das On-Prem-­Modell nicht so schnell verabschieden. Aber wer hat schon eine Kristallkugel, um in die Zukunft zu blicken?“

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