Channel Fokus: Systemhaus der Zukunft Für Cloud Natives gehören Technologie und Kultur zusammen

Autor: Michael Hase

Unter dem Dach des Verbands EuroCloud hat sich Ende September die Initiative EuroCloud Native (ECN) formiert. Deren Leiter Nils Kaufmann, Geschäftsführer bei Innovations On, erläutert den Gründungszweck und die Ziele der neuen Gruppe.

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ECN-Leiter Nils Kaufmann möchte erreichen, dass Cloud Natives als Experten für digitale Geschäftsmodelle wahrgenommen werden.
ECN-Leiter Nils Kaufmann möchte erreichen, dass Cloud Natives als Experten für digitale Geschäftsmodelle wahrgenommen werden.
(Bild: EuroCloud)

In Deutschland gibt es für alles und nichts einen Verband. Wozu brauchen wir jetzt noch eine Cloud-Native-Initiative?

Kaufmann: Mit der rasanten Entwicklung der Hyperscaler innerhalb der vergangenen Jahre haben sich IT-Dienstleister eines völlig neuen Typs herausgebildet, die Cloud Natives. Dabei handelt es sich meist um sehr junge Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf die Hyperscaler und ihre Services ausrichten und deren Wertschöpfung zu nahezu 100 Prozent auf Cloud basiert. Wir haben die Initiative innerhalb der EuroCloud gestartet, um dieser Tatsache Rechnung zu tragen und die öffentliche Wahrnehmung für die Relevanz dieser Player zu erhöhen.

Was ist jenseits des Buzzword-Bingos der substanzielle Kern der Wortverbindung „Cloud-native“?

Kaufmann: Auf technischer Ebene definieren sich Cloud-native-Applikationen ganz klar durch ihre modulare Architektur und die nahezu völlige Entkoppelung von der zugrundeliegenden Infrastruktur und Plattform. Auf der Meta-Ebene reden wir über einen neuen Ansatz hinsichtlich Lösungskonzeption, Projektsteuerung und horizontal übergreifender Zusammenarbeit, der traditionellen IT-Konzepten diametral entgegengesetzt ist.

Also geht es ebenso um Technologien wie um Konzepte. Inwiefern spielen auch kulturelle Aspekte eine Rolle?

Kaufmann: Tatsächlich kann man all die Aspekte kaum voneinander trennen, da sie sich meist gegenseitig bedingen. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass es definitiv nicht ausreicht, die coolsten und modernsten Tools zu nutzen, wenn die umgebende Organisationsstruktur und die Kultur nicht dazu passen. Kurz gesagt, geht es um einen ganzheitlichen Ansatz in einem sich völlig veränderten Marktumfeld bei gleichzeitig kaum zu antizipierenden Herausforderungen.

Wer sind die Adressaten der ECN-Initiative im Markt, und was wollen Sie bei ihnen bewirken?

Kaufmann: Mir persönlich ist es ein Anliegen, mit unserer Initiative dem starken deutschen Mittelstand eine professionelle Anlaufstelle für Fragen zur Digitalisierung und der erfolgreichen Nutzung von Plattformen und Services der Hyperscaler zu bieten. Zugleich ist uns wichtig, den vielen jungen Unternehmen eine entsprechende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in den Medien zu verschaffen. Damit wollen wir für diesen spannenden Themenkomplex die Relevanz in der Wahrnehmung herstellen, die ihm meines Erachtens gebührt.

Warum gibt es für Mitgliedsunternehmen eine Obergrenze von 100 Mitarbeitern? Wäre ECN nicht auch für größere Player eine interessante Plattform?

Kaufmann: Die kolportierte Obergrenze ist kein starres Limit. Wir wollen damit vor allem deutlich machen, wer unsere Zielgruppe ist, nämlich die kleinen und mittleren Player im Public-Cloud-Segment. Nach unserer Definition von Cloud Natives – Dienstleister, deren Geschäft nahezu komplett auf Cloud-Services basiert, – gibt es aktuell schlicht und ergreifend kaum deutsche Unternehmen, die mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigen. Das wird sich in Zukunft hoffentlich ändern, und genau diese Entwicklung möchten wir unterstützen.

Was wollen Sie mit Ihrem Engagement in drei Jahren erreicht haben?

Kaufmann: Idealerweise werden wir den Typus des Cloud Natives in der öffentlichen Wahrnehmung als Experten für digitale Geschäftsmodelle und Trusted Advisor für den zukunftsorientierten Mittelstand etabliert haben. Public Cloud bedeutet definitiv nicht einfach nur mehr Ressourcen zu vermeintlich günstigeren Preisen. Wir sprechen hier von einem fundamentalen Digital Mind Change, der nicht von heute auf morgen erfolgen kann. Wenn wir hier durch Transparenz, Aufklärung und Wissenstransfer einen Beitrag zur weiteren positiven Entwicklung liefern können, dann hat sich die Mühe sicherlich gelohnt.

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