Grün und Grün gesellt sich gern Freenet schnappt sich Gravis

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harry Jacob

25 Jahre nach seiner Gründung verkaufen die Gravis-Inhaber die Kette an die Freenet-Gruppe. Die Freenet-Tochter Mobilcom-Debitel GmbH wird den Apple-Händler übernehmen und das Portfolio auf die eigenen Filialen ausrollen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

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Freenet wird sich Gravis einverleiben.
Freenet wird sich Gravis einverleiben.
(Collage: IT-BUSINESS)

Freenet macht mit der Übernahme des Apple-Händlers Gravis einen großen Fortschritt bei seiner Strategie, sich auf Mobilfunk und das mobile Internet zu konzentrieren. „Die Freenet-Gruppe setzt mit der Übernahme von Gravis einen wichtigen Meilenstein in Richtung Digital-Lifestyle-Provider. Dabei fokussieren wir uns auf ein Wachstum in Geschäftsfeldern, die nah an unserem Kerngeschäft liegen und vorrangig mit mobilen Endgeräten eng verbunden sind“, kommentiert Christoph Vilanek, Vorstandsvorsitzender der Freenet AG, den Gravis-Erwerb.

Bereits seit einem Jahr kooperiert die Freenet-Tochter Mobilcom-Debitel mit Gravis und bietet in den Filialen des Apple-Händlers Mobilfunkverträge an. Künftig sollen dort auch Breitbandverträge, Mobilcom-Services und Angebote rund um das Thema Energie angeboten werden. Umgekehrt will der Mobilfunket Apple-Produkte aus dem Gravis-Sortiment in allen 300 Mobilcom-Debitel-Shops anbieten. Bislang hatte Gravis in rund 50 Shops seine Produkte feilgeboten.

Ende einer langen Suche

Schon 2009 hatte Gravis-Chef Archibald Horlitz nach einem Investor gesucht - damals kam die Finanzkrise dazwischen, Investoren machten sich rar. Im Januar 2011 gab Horlitz im Interview mit der Financial Times Deutschland erneut zu Protokoll, dass er auf der Suche nach Kapital ist. Denn dem Erfolg der Apple-Produkte – iPhone, iPad und die Mac-Rechner – musste Gravis zum einen mit höheren Lagerbeständen Rechnung tragen. Zum anderen sollte die Zahl der Filialen ausgeweitet werden. Allerdings hatten die Apple-eigenen Flagship-Stores dem Unternehmen stark zugesetzt. Anfangs des Jahres musste Gravis aufgrund sinkender Umsätze rund 60 Mitarbeiter entlassen.

Auch einen Komplett-Verkauf hatte Horlitz 2011 nicht ausgeschlossen, „wenn der Preis stimmt“. Das war nun angesichts der aktuellen Geschäftslage offensichtlich der Fall. Noch unklar ist, ob auch der Minderheitsaktionär Teles seine Anteile abgeben will, die knapp 20 Prozent des Unternehmens ausmachen. Die Transaktion muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden und soll Anfang 2013 zum Abschluss gebracht werden.

Freenet kommt Kooperationspartner in die Quere

Der Mobilfunkanbieter hat in den vergangenen drei Quartalen seine Kennzahlen verbessern können. Zwar lag der Umsatz teilweise unter dem des Vorjahres, doch konnte die Rendite gesteigert werden. Und auch der monatliche Durchschnittsumsatz pro Vertragskunde wurde auf den bisher höchsten Stand von 26,30 Euro angehoben. Zur Strategie des Konzern gehört es unter anderem, neue Shops in 1a-Lagen zu eröffnen sowie in ausgewählten Lokationen die Zubehör-Auswahl deutlich zu vergrößern.

Wenn in den Mobilcom-Debitel-Filialen nun auch Macbooks sowie andere Apple-Produkte und entsprechend hochpreisiges Zubehör angeboten werden, könnte sich dies deutlich positiv auf die Rendite auswirken. Doch dieses Projekt hat auch eine Kehrseite, die für Freenet erhebliche Risiken birgt. Indem Mobilcom-Debitel zu einem der größten Apple-Retail-Anbieter aufsteigt, kommt der Mobilfunkanbieter dem Platzhirsch in diesem Geschäft, der Media-Saturn-Gruppe, in die Quere.

Gleichzeitig ist MSH ein Kooperationspartner, der für einen erheblichen Teil des Umsatzes im Mobilfunkgeschäft steht. Denn bei Media-Markt und Saturn darf Mobilcom-Debitel exklusiv Verträge von Telekom, Vodafone und e-Plus vertreiben. Der Kooperationsvertrag zwischen Freenet und MSH läuft jeweils zwei Jahre und muss dann verlängert werden. 2013 wird wieder neu verhandelt, ob es weitergeht.

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