Fast-Start-Programm aus Walldorf ERP-Software von SAP im Baukastenprinzip

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Alle reden vom Mittelstand. Auch SAP. IT-BUSINESS fragte Channel-Chef Dr. Nedzad Fajic, was das Geschäft der Walldorfer bewegt. Der SAP-Manager erläutert, warum nun ein SAP-Konfigurator im Web schnell den Preis und die Leasingrate für ein All-in-One-ERP liefert.

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ITB: SAP hat unter www.sapconfigurator.com einen Lösungskonfigurator ins Netz gestellt. Kunden können hier ihre industriespezifische SAP Business All-in-One-Lösung mit vordefinierten Funktionen durchrechnen und erhalten gleich online einen Komplettpreis sowie eine Leasingrate genannt. Bislang waren ERP-Systeme von SAP doch immer so etwas wie Einzelfertigung in Handarbeit und die Preisfindung ein längerfristiger Prozess. Was sind die Hintergründe für die Einführung eines Built-to-Order-Modells, wenn man es so bezeichnen kann?

Fajic: Wir haben bei diesem so genannten Fast-Start-Programm den Vertriebsprozess für SAP Business All-in-One komplett überarbeitet, um auf der Basis von paketierten Branchenlösungen den Bedarf des Kunden schneller zu treffen und kostengünstig zu erbringen. Potenzielle Kunden können so im Web schon vor dem ersten Kontakt mit einem SAP-Berater eine komplette Kostenberechnung auf der Grundlage von Best-Practice-Standards vornehmen. Dabei können sie ihre Lösung konfigurieren, indem sie zunächst ein abgestimmtes Paket für ihre Branche wählen, für das dann einzelne Module nach individuellem Bedarf aktiviert oder deaktiviert werden können.

ITB: Wie kann man sich die Auswahl in der Praxis im Detail vorstellen?

Fajic: Zunächst wählt der User seine Branche aus. Wir haben Pakete für Automobilfertiger, Kleinserienfertiger, Komponentenfertiger, Kunststoffverarbeiter, Metallverarbeiter, den Sondermaschinenbau, Consulting-Dienstleister, Ingenieurdienstleister und IT-Dienstleister geschnürt. Hiernach wird dann die Anzahl der Mitarbeiter abgefragt und anschließend dem Interessenten ein Vorschlag angezeigt, der eine auf Erfahrungswerten basierende Anzahl an SAP-Nutzern vorschlägt und auf der Basis von Standardmodulen einen Preispunkt für das Gesamtpaket setzt. Wir bezeichnen diesen Preis auf der Website bewusst als Schätzung, aber die Kunden erhalten hier einen Richtwert, der im weiteren Verlauf in der Diskussion mit unseren Partnern gemäß den Kundenanforderungen genauer gefasst wird.

ITB: SAP gibt es jetzt auch im Bundle mit Server-Hardware verschiedener Hersteller. Wie sieht das Paket aus und was haben Ihre Channel-Partner davon?

Fajic: Wir arbeiten hier Hardware-seitig mit IBM, HP und Intel zusammen. Auf dem Betriebssystem Suse Linux Enterprise Server von Novell und der relationalen Datenbank SAP MaxDB liefern wir auf den Servern eine vorkonfigurierte SAP Business All-in-One-Lösung aus, inklusive Installationsskript. Dieses Bundle kam bislang im Markt sehr gut an, nicht zuletzt bei unseren Channel-Partnern, deren Tagesgeschäft wir dadurch immens erleichtern konnten. Auch die beteiligten Reseller unserer Hardwarepartner können über unser Referral-Programm an den Softwarelizenzumsätzen für die von ihnen empfohlenen Interessenten partizipieren. Dieses ergänzende Einnahmenmodell wird von den Händlern sehr begrüßt.

ITB: Die jüngsten Quartalszahlen von SAP waren trotz der Finanzkrise gar nicht so schlecht: Der Gesamtumsatz stieg im dritten Quartal um 14 Prozent auf 2,76 Milliarden US-Dollar. Das Quartals-Betriebsergebnis nach US-GAAP lag bei etwa 614 Millionen US-Dollar und damit etwas über dem Vorjahresniveau. Warum wurden SAP-Mitarbeiter darum gebeten, freiwillig auf Urlaub zu verzichten und Geschäftsreisen einzuschränken?

Fajic: Unser Management hat nach einer gründlichen Einschätzung der Situation die angemessenen Maßnahmen für eine gesamtwirtschaftliche Umgebung, wie wir sie heute sehen, ergriffen. Es geht darum, Kosten einzusparen, ohne dabei den Service gegenüber unseren Kunden und Partnern einzuschränken, die für uns an erster Stelle stehen. Mit unseren Lösungen haben wir die Möglichkeit, Kunden und Partnern auch in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu helfen. Mittels unserer Business-Objects-Lösungen ermöglichen wir es unseren Kunden beispielsweise, schnelle Entscheidungen auf der Basis aktueller Unternehmensdaten zu treffen. Diese Transparenz ist in unsicheren Zeiten immens wichtig. Außerdem unterstützen wir die Kunden mit verschiedenen Finanzierungsvarianten, dazu gehört auch eine Null-Prozent-Finanzierung. Dadurch helfen wir, wichtige Prozess-Innovation sofort umzusetzen und nicht durch den begrenzenden Faktor Liquidität aufzuschieben.

ITB: Um auf die Sparmaßnahmen zurück zu kommen: Ist es übertrieben zu sagen, das Sparschwein herrsche in Walldorf?

Fajic: Das ist einfach falsch.

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