Suchen

Gartner-Prognose bis 2030 Digitalisierung macht etablierte Finanzdienstleister obsolet

Autor: Lisa Jasmin Nieberle

Bis 2030 werden laut eines aktuellen Gartner-Berichts 80 Prozent der traditionellen Finanzdienstleistungsunternehmen ihr Geschäft aufgeben müssen oder nur noch formal existieren. Grund dafür sind unter anderem digitale Plattformen und Fintechs, die immer mehr Marktanteile gewinnen und die Branche verändern.

Firmen zum Thema

Traditionelle Finanzdienstleister müssen laut Gartner aufhören, an veralteten Geschäftsmodellen festzuhalten.
Traditionelle Finanzdienstleister müssen laut Gartner aufhören, an veralteten Geschäftsmodellen festzuhalten.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Gartner Vice President und Analyst David Furlonger sieht für Banken ein großes Risiko darin, an veralteten Geschäftsmodellen festzuhalten: „Die digitale Transformation bleibt ein Mythos, solange sich institutionelle Einstellungen, Prozesse und Strukturen nicht ändern.“ Etablierte Finanzdienstleistungsunternehmen müssten schnellere Fortschritte im digitalen Geschäft machen, indem sie beispielsweise digitale Plattformen aufbauen oder Nischenprodukte und -dienstleistungen finden, die sich auf Plattformen anderer verkaufen lassen.

Laut Gartners CEO-Umfrage 2018 stellen Firmenchefs weiterhin das Umsatzwachstum in den Vordergrund. Allerdings gibt es eine deutliche Verschiebung hin zu Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Das zeigt, dass sich der digitale Aspekt hauptsächlich auf die Geschäftsoptimierung und nicht auf eine echte Transformation konzentriert.

„Die Zukunft der Finanzdienstleistungsbranche erfordert nur wenige physische Vermögenswerte, um präsent zu sein. Das macht die Branche besonders anfällig für Störungen durch digitale Wettbewerber“, erklärt Pete Redshaw, Practice Vice President bei Gartner.

Diese drei Typen werden überleben

Laut Gartner werden gerade einmal 20 Prozent der etablierten Finanzunternehmen die Digitalisierung überleben. Diese lassen sich in folgende drei Typen einteilen:

  • Power-Law-Firmen nutzen eine eigene digitale Plattform, mit der sie aus Kundeninformationen neue Services und Märkte erschließen können. Laut Gartner haben nur fünf Prozent der besten Unternehmen das Zeug dazu, eine solche Power-Law-Firma zu werden.
  • Fintechs: Den Prognosen zufolge können sich 15 Prozent der Überlebenden in Fintechs verwandeln. Fintechs sind spezialisierte „Pure-Player“, die traditionelle Dienstleister in einigen Produkt-Bereichen ablösen werden. Sie nutzen digitale Plattformen, besitzen diese aber nicht.
  • Long-Tail-Unternehmen: Hier liegt das größte Potenzial für die Gewinner-Unternehmen, denn immerhin 80 Prozent könnten zu Long-Tail-Unternehmen werden. Die wesentlich geringeren Kosten beim Einsatz von digitalen Plattformen machen es traditionellen Unternehmen möglich, als Service Broker aufzutreten. Außerdem könnten sie sich als Concierge-Anbieter von gebündelten Angeboten für vermögende Privatpersonen etablieren.

Letztendlich hängt laut Gartner die Geschwindigkeit des digitalen Wandels in Finanzdienstleistungsunternehmen zum Teil von politischen Regulierungen ab, ebenso wie von der Demografie und dem Verhalten der Kunden, welches sich länderspezifisch unterscheidet. In manchen Ländern werden konservative Regulierungen Innovationen behindern, während andere Länder wie Australien, Brasilien, China, Indien oder Großbritannien Regulierungen nutzen werden, um die Transformation zu beschleunigen.

(ID:45574796)

Über den Autor

 Lisa Jasmin Nieberle

Lisa Jasmin Nieberle

Redaktion IT-BUSINESS