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Digitale Plattformen als Bedrohung für das Geschäft

| Autor: Sarah Gandorfer

Digitale Plattformen ermöglichn es, gemeinsam Produkte und Dienstleistungen anzubieten und sich eng mit den Nutzern zu vernetzen.
Digitale Plattformen ermöglichn es, gemeinsam Produkte und Dienstleistungen anzubieten und sich eng mit den Nutzern zu vernetzen. (Bild: © Hyejin Kang - stock.adobe.com)

Ob digitale Plattformen eine Gefahr darstellen oder eher Nutzen, darüber sind sich deutsche Geschäftsleute uneins. Wo der eine Kosteneinsparungen und Vertriebschancen sieht, wittert der andere die Bedrohung durch abgeworbene Kunden sowie Verluste durch Preiskampf. Nichtsdestotrotz haben digitale Plattformen für 74 Prozent der Unternehmen eine große Bedeutung.

Der Wettbewerbsdruck steig, die Welt wird immer digitaler. Um neue Geschäftsmodelle aufzubauen, gewinnen Plattformlösungen für Unternehmen an Bedeutung. Das Beratungsunternehmen Sopra Steria befragte 355 deutsche Entscheider, Manager und Fachkräfte, ob und wie ihr Unternehmen auf digitalen Plattformen vertreten ist und welche Chancen sowie Risiken sie in der Plattformökonomie sehen.

Rund die Hälfte der Unternehmen (52 %) bewerten diese als vorteilhaft. Sie versprechen vor allem Kosteneinsparungen sowie verbesserte Vertriebsmöglichkeiten. Während die andere Hälfte sie als Bedrohung für das eigene Geschäft empfinden: Davon spüren 24 Prozent bereits jetzt den härteren Wettbewerb, 23 Prozent rechnen in den kommenden Jahren mit Verlusten.

Zugang zu Konto- und Kundendaten

Dabei sehen sich die Firmen nicht von den großen Tech-Plattformen bedroht. Zwar betrachten 58 Prozent der Studienteilnehmer Google, Amazon, Facebook und Apple als geschäftsschädigende Wettbewerber. Deutlich mehr (73 %) befürchten jedoch, dass ihnen Branchen- und Nischenplattformen das Leben schwermachen – bei den Finanzdienstleistern sind es 83 Prozent. „Banken sorgen sich vor allem, dass ihnen ab September mit dem obligatorischen PSD2-Zugang zu Kontodaten für Dritte einige Plattformen Geschäft wegnehmen“, sagt Martin Stolberg, Director Banking und Experte für digitale Plattformen bei Sopra Steria Consulting.

Jedes dritte Unternehmen fürchtet Vergleichsportale wie Check24 und Verifox. Denn diese könnten die direkte Verbindung zum Kunden kappen und in absehbarer Zeit eigene digitale Produkte wie Finanz-, Energie- und Internetdienstleistungen anbieten. Zumal die Plattformen sowohl Kapitalkraft wie auch Marktkenntnisse besitzen.

Die größte Sorge ist die Abhängigkeit von einem oder mehreren Betreibern: 71 Prozent sehen das Risiko, dass ihnen große Plattformen wie Google, Amazon und Alibaba Prozesse diktieren und sie auf deren Daten angewiesen sind. Jedes zweite Unternehmen erwartet einen härteren Preiskampf und, dass es zum reinen Zulieferer ohne Kundenkontakt verkommt. Die konventionellen Autohersteller haben beispielsweise Bedenken, zum Teil einer Lieferkette degradiert und austauschbar zu werden.

Deutschland als B2B-Plattformstandort

Für die Mehrheit der befragten Manager (63 %) überwiegen die Vorteile, da sie durch die Plattformen Zugang zu digitalen Diensten, Daten und neuen Kunden erhalten. Außerdem versprechen sie sich erhebliche Kosteneinsparungen, unter anderem da sie Märkte nicht selbst erschließen müssen.

Obwohl Banken und Versicherer sich am stärksten bedroht fühlen, sind sie gleichzeitig die aktivsten User. 66 Prozent der Finanzdienstleister sind auf einer Plattform vertreten. Branchenübergreifend nutzt jedes zweite Unternehmen Plattformen beispielsweise als Vertriebs- oder Einkaufskanal. 30 Prozent der Firmen bauen derzeit Know-how auf, und jedes vierte Unternehmen ist bereits selbst Plattformbetreiber. In der Automobilbranche arbeiten zum Beispiel Daimler und BMW unter dem Now-Markendach an einem eigenen Ökosystem verschiedener Mobilitätsplattformen.

Mit einem Blick auf die deutsche Gesamtwirtschaft kann festgestellt werden, dass digitale Plattformen noch nicht dominieren. Bekannt sind meist Vergleichsportale. Als neuer Player für den Handel, neben bekannten Größen wie eBay und Amazon, wandelt sich derzeit der Versandhändler Otto mit einem Plattform-Umbau zum Marktplatz. Unter den Finanz-Plattformen hat Interhyp eine enorme Marktrelevanz mit großer Reichweite und ohne physische Beschränkungen erlangt.

„Vielfach wird ausgeblendet“, erläutert Stolberg, „dass Deutschland ist ein ambionierter B2B-Plattformstandort ist. Siemens MindSphere und Bosch IoT für das industrielle Internet der Dinge sowie MAN Rio in der Logistik sind drei namhafte Plattformen in der Industrie. Im Finanzsektor entwickelt sich die Allianz mit der offenen Plattform Allianz Business System zum Softwareanbieter. Die Hannover Rück hat mit hr Equarium ebenfalls eine vielversprechende Fintech-Plattform errichtet. Bei den Banken sind we.trade und Marco Polo zwei relevante Trade-Finance-Konsortien mit deutscher Beteiligung. Zudem bereiten die großen Banken derzeit B2B2C- Plattformlösungen vor.“

Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Haupteinstiegshürde ins Plattformgeschäft das rückständige Datenmanagement hierzulande. Zu selten reichern Firmen ihre Produkte mit Nutzungs- und Prozessdaten an. „Die Kompetenz, Daten zu nutzen, um Entscheidungen zu automatisieren und um Produkte und Dienstleistungen skaliert und kundenindividuell zu gestalten, bauen derzeit viele Unternehmen erst auf. Bei dieser Aufholjagd gegenüber US-Anbietern und asiatischen Unternehmen abgehängt zu werden, ist das größte Risiko für Unternehmen in Deutschland überhaupt“, glaubt Plattformexperte Stolberg.

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