Trotz globaler Krisen, Konjunkturschwäche und Fachkräftemangel blüht die Systemhauslandschaft. Dennoch ist viel Bewegung im Markt und gerade für kleinere IT-Dienstleister wird es eng. Mögliche Auswege sind Spezialisierungen oder Zusammenschlüsse.
Trotz zahlreicher Herausforderungen und der starken Dynamik im Markt: die Systemhauslandschaft blüht.
(Bild: KI-generiert / Midjourney)
IT-Dienstleister werden trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auch dieses Jahr mit einem Umsatzplus abschließen. So rechnen Marktforscher von Lünendonk mit einem durchschnittlichen Wachstum von 12,2 Prozent für 2023. Besonders stark sollen dabei die Umsätze bei der Cloud-Transformation (12,3 %) und Managed Cloud Services (12,0 %) zulegen. Und auch das nächste Jahr sieht nicht schlecht aus für Systemhäuser. Die Lünendonk-Analysten prognostizieren ein Wachstum von 13,5 Prozent. So überrascht es nicht, dass viel Bewegung im Markt ist, wenn auch nicht alle IT-Dienstleister gleichermaßen von dem Kuchen profitieren.
Auch im kommenden Jahr rechnen die Analysten von Lünendonk mit positiven Umsatzentwicklungen.
(Bild: Lünendonk)
Zusammenschluss als Vorteil
Zwar gab es 2023 keine großen Käufe von Systemhäusern und IT-Dienstleistern, dennoch kam es immer wieder zu Akquisitionen und Umschichtungen. Aktuell hat sich gerade der Investor Fremman Capital die Connexta-Gruppe einverleibt. Sicherlich sind Übernahmen nicht ausschließlich negativ behaftet. Und Kauf heißt nicht gleich Kauf. Oftmals werden neu erworbene Unternehmen nicht einfach geschluckt, sondern als erweiterte Kompetenz integriert. Zum anderen kann eine Akquisition schlicht und ergreifend die Lösung einer Nachfolgeregelung bedeuten – ein Problem, das auch im Systemhausgeschäft immer stärker an Bedeutung gewinnt. Und schließlich gibt es noch Kooperationen, Gruppen und Verbünde, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und ihre Kompetenzen dadurch erweitern.
Erweiterung ist auch das Stichwort bei der Public Cloud Group (PCG). Die Gruppe ist durch einen Merger fünf verschiedener Unternehmen entstanden. Sie setzt sich aus einzelnen Business Units zusammen, die aus Legal Entities bestehen und auf einen Hyperscaler spezialisiert sind. So gibt es für die Hyperscaler sowie die Bereiche Data & AI, DEV und SAP jeweils eine Business Unit. Die GmbH mit Multibrand-Ansatz wurde zwar aufgelöst, die Struktur, wie die Einheiten funktionieren, aber nicht. Jede Unit ist eigenständig: Sie darf entscheiden, was aus dem Portfolio des Hyperscalers angeboten wird und hat einen eigenen Vertrieb. Die Units arbeiten aber teilweise eng zusammen. Die Aufgabe von PCG dabei: „Den Mantel der Kultur, der Synergien, des Upstanding, des Cross-Selling, der Zusammenarbeits-Möglichkeiten zum Kunden herstellen“, erklärt PCG-COO Thorsten Raquet.
Konsolidierungen prägen den Markt
„Der gesamte IT-Dienstleistungsbereich ist im Wandel. Während noch vor einigen Jahren viele kleinere IT-Dienstleister die Branche geprägt haben, konsolidiert sich der Markt heute zunehmend“, bestätigt auch Oliver Mauss, CEO der Netgo Group. Und ebenso wächst die Netgo Group durch strategische Akquisitionen weiter. „Auf diese Weise gewinnen wir nicht nur Marktanteil und Kundennähe. Sondern wir erweitern gezielt unsere Expertise und Kompetenz in kundenrelevanten Bereichen und Technologien“, erklärt der Netgo-CEO. Erst kürzlich übernahm die Gruppe die ITgration und damit Expertise im Managed-Cloud-Bereich. Zuvor erwarb die Netgo Group durch einige Konsolidierungen mehr Expertise im DATEV-Bereich.
Konsolidierung ist auch für Sven Glatter von Comteam, „ein sehr präsentes Thema“. Doch, so führt der Chef des Systemhausverbunds aus, „lässt die Konsolidierung Systemhäusern aus unserer Sicht Raum für mehr als eine Denkrichtung“. Der Verbund stärke die Mitglieder und lasse „sie nicht im Regen stehen – ob es um Bedenken und Fragen zum Thema Nachfolge geht, Effizienz oder Festigung von Unternehmenswerten, Investitionen, Forderungsausfälle oder andere Baustellen“, bekräftigt Glatter.
Für kleinere Systemhäuser wird es zunehmend schwieriger, sich am Markt zu behaupten. Die Meinung vertritt auch Kai Grunwitz, CEO von NTT Ltd. Deutschland. Das liegt laut Grunwitz unter anderem daran, dass „die Großen sehr preisaggressiv am Markt arbeiten“. Darüber hinaus seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit schwierig und durch die hohe Inflation werde nicht jede Kostensteigerung vom Kunden mitgetragen. Die Preispolitik der großen Player hat aber gleich in mehrerer Hinsicht Einfluss auf kleinere Häuser. So bestätigt Stanilaw Panow, Leiter von Netcos, einem Systemhauses mit 20 Mitarbeitern in München, dass es gerade in Städten mit hohen Lebenshaltungskosten, wie der bayerischen Hauptstadt, schwierig sei, bei den Gehältern der Mitarbeiter mithalten zu können.
Sven Glatter, Geschäftsführer Comteam
(Bild: Comteam)
Wer sich mit den aktuellen Themen rund um die Optimierung von Dienstleistungen für Kunden auseinandersetzt, kann am Markt bestehen.
Sven Glatter, Geschäftsführer Comteam
Nachhaltigkeit in der IT
Und nicht nur die Preispolitik stellt die Branche vor Herausforderungen. IT-Dienstleister werden in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Fachkräftemangel konfrontiert. Außerdem werden sie sich aber auch vermehrt der Nachhaltigkeit widmen müssen. Das liegt zum einen daran, dass ab 2024 die von der EU verabschiedete Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD oder Nachhaltigkeitsberichterstattung) für viele Unternehmen Pflicht wird. Zwar betrifft sie zunächst nur große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und/oder einem Nettoumsatz von mehr als 50 Millionen Euro und/oder einer Bilanzsumme von mehr als 25 Millionen Euro. IT-Hersteller und viele kleinere Unternehmen, die Teil der Lieferkette sind, werden aber ebenfalls dazu verpflichtet, Rechenschaft über ihren CO2-Fußabdruck abzuliefern. Spätestens ab 2028 sind dann alle Unternehmen (einschließlich Nicht-EU-Unternehmen mit EU-Niederlassungen oder EU-Tochtergesellschaften) von der CSRD betroffen und müssen einen Nachhaltigkeitsbericht abliefern. Damit kommen neue große Herausforderung auf IT-Dienstleister zu.
Stand: 08.12.2025
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Die Auswirkungen spüren bereits 37 Prozent der in der Lünendonk-Studie befragten IT-Dienstleister. So müssten viele Systemhäuser auch heute schon interne ESG-Audits durchführen, um überhaupt bei ihren Kunden zu Ausschreibungen zugelassen zu werden. Und insgesamt 32 Prozent der IT-Dienstleister rechnen damit, dass ab 2025 alle IT-Produkte mit einem CO2-Preis hinterlegt sein müssen. So sei gewährleistet, dass Kunden bereits im Einkauf Transparenz über deren Kohlendioxid-Fußabdruck in der IT-Lieferkette erhielten. Laut Lünendonk hat bereits jeder zweite IT-Dienstleister eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und eingeführt. Dennoch gilt es, noch viele Herausforderungen zu meistern. Schließlich müssen im Rahmen der ESG-Audits nicht nur Umweltbelange berücksichtigt werden. Auch soziale Fragen innerhalb des Unternehmens fließen in die Berichte ein. Und da ist beispielsweise mit einem durchschnittlichen Frauenanteil von 28,7 Prozent bei den untersuchten IT-Dienstleistern noch viel Luft nach oben – das geht aus der IT-Dienstleister-Studie von Lünendonk hervor.
Oliver Mauss, CEO Netgo Group
(Bild: Netgo Group)
Bedürfnisse und Herausforderungen des Kunden zu verstehen, sichert unsere Zukunftsfähigkeit.
Oliver Mauss, CEO Netgo Group
NTT-Chef Grunwitz sieht auch, dass das Thema Nachhaltigkeit das Unternehmen in Zukunft noch stärker beschäftigen wird. Systemhäuser müssten zusammen mit Kunden kontinuierlich dran arbeiten, ihre Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen. Dabei gehe es unter anderem darum, den Energieverbrauch der Kunden im Auge zu behalten. Außerdem müssten Unternehmen dabei unterstützt werden, ihre Scope 1 und Scope 2 Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Auch Oliver Mauss, CEO von Netgo, bestätigt: „Eine große Herausforderung liegt beim Thema Nachhaltigkeit: Als Netgo tun wir bereits vieles dafür, unseren CO2-Abdruck kontinuierlich zu verkleinern. Auch unseren Kunden helfen wir, ihre Nachhaltigkeit zu steigern, indem wir mit Sustainable-Workplace-Lösungen moderne und nachhaltige Arbeitsumgebungen bieten und mit Process Mining Umweltauswirkungen durch smarte Prozessanalysen reduzieren.“