Dritter Zukauf in vier Monaten Die Medialine Group übernimmt MentIQ

Von Michael Hase 4 min Lesedauer

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Nach GID und Cyberdyne erwirbt Medialine jetzt ein weiteres Systemhaus: Durch die Akquisition von MentIQ aus Dornach bei München baut die rheinland-pfälzische IT-Gruppe ihre Kompetenz bei Data Protection weiter aus und schließt eine geografische Lücke.

Die Medialine-Vorstände Martin (l.) und Stefan Hörhammer (r.), heißen Dietmar Ulrich (2. v. l.) und Günter Maier, beide geschäftsführende Gesellschafter bei MentIQ, in der Gruppe willkommen.(Bild:  Medialine)
Die Medialine-Vorstände Martin (l.) und Stefan Hörhammer (r.), heißen Dietmar Ulrich (2. v. l.) und Günter Maier, beide geschäftsführende Gesellschafter bei MentIQ, in der Gruppe willkommen.
(Bild: Medialine)

Medialine zieht das Akquisitionstempo spürbar an. Erst im Januar gab die Systemhausgruppe mit Hauptsitz in Bad Sobernheim die Übernahme der beiden Kölner Systemhäuser GID und Cyberdyne bekannt. Jetzt erwerben die Rheinland-Pfälzer den Storage- und Data-Management-Spezialisten MentIQ aus Dornach bei München. Mit dem Zukauf baut die Medialine Group ihre Kompetenz auf diesem Technologiegebiet weiter aus und treibt ihre langfristig angelegte Wachstumsstrategie voran. Zugleich schließt sie eine geografische Lücke. Denn in München waren die Rheinland-Pfälzer bisher nur mit einem kleinen Büro präsent.

MentIQ wurde 2007 in Dornach von Günter Maier gegründet. Der Vertriebsprofi, der sich nach Stationen bei EDS, Morse und Inforsacom (heute Logicalis) selbstständig machte, führt die Geschäfte des Unternehmens bis heute. Das Systemhaus betreut mit 26 Mitarbeitern gut 270 Kunden aus dem gehobenen Mittelstand und dem Enterprise-Segment. Für sie plant, realisiert und betreibt der Spezialist primär Lösungen für Daten- und Informationsmanagement. Das Leistungsspektrum erstreckt sich von der Beratung über Konzeption und Implementierung bis hin zu Wartung und Managed Services.

MentIQ erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 30 Millionen Euro. Im Herbst 2018 stieg Dietmar Ulrich, Gründer des Münchner Storage-Distributors Orchestra, als Chief Operating Officer (COO) und Mitgesellschafter bei MentIQ ein. Orchestra ging nach zwei Akquisitionen in Tech Data (heute: TD Synnex) auf.

Schwerpunkt Data Protection

Durch das starke Datenwachstum auf Kundenseite und die Zunahme von Ransomware-Angriffen hat sich der Schwerpunkt bei MentIQ in den vergangenen Jahren von klassischem Storage zu Data Protection und Cyber Recovery verlagert. Bei diesem Themenkomplex sieht auch das Management von Medialine großes Marktpotenzial. „Exponentielles Datenwachstum erfordert ein Umdenken im Datenmanagement und innovative Cyber-Recovery-Lösungen“, führt Martin Hörhammer, CEO der Gruppe, aus. Durch die Akquisition von MentIQ stärke Medialine die Kompetenz auf diesem Technologiefeld und sei künftig in der Lage, Kunden „noch leistungsfähigere Managed-Service-Angebote“ bereitzustellen.

Auch beim im Januar erworbenen Systemhaus GID liegt der Schwerpunkt auf Data Protection und Cyber Recovery. Wie der Kölner Spezialist so ist MentIQ ebenfalls ein enger Partner des Herstellers Dell mit dem Statuts Titanium, den auch Medialine seit langem führt. Durch die aktuelle Akquisition wird die Gruppe zum größten deutschen Partner des IT-Konzerns im Geschäftsbereich Data Protection Solutions (DPS). „Wir sehen bei Kunden einen wachsenden Bedarf, Aufgaben im Data Management an vertrauenswürdige Dienstleister auszulagern“, erläutert Stefan Hörhammer, COO bei Medialine. „Deswegen gibt der Markt auch das Potenzial her, wenn wir unsere Expertise dort weiter ausbauen.“ Trotz des ähnlichen Profils haben MentIQ und GID wegen der räumlichen Entfernung und der Fokussierung auf andere Kundensegmente so gut wie keine Überschneidungen in der Klientel.

Technologische Schnittmengen zwischen Medialine und MentIQ gibt es außer bei Dell bei den Herstellern NetApp, Veeam und Veritas. Neue Expertise bringen die Oberbayern bei den Herstellern Avepoint, Cloudian und Pure Storage in die Gruppe ein. Umgekehrt profitieren sie Maier zufolge von der Kompetenz der neuen Muttergesellschaft bei Anbietern wie Microsoft und VMware. „Der Zusammenschluss mit Medialine bietet für uns ideale Möglichkeiten, unser Angebot auszubauen“, betont der Unternehmer. „Wir erweitern damit unsere Fähigkeiten in wichtigen Bereichen. Während sich der Markt ständig verändert, können wir so unsere Werte erhalten und gleichzeitig unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhen.“

Sicherung der Zukunftsfähigkeit

Wie Maier berichtet, suchte er einen starken Partner, der die Zukunftsfähigkeit von MentIQ langfristig sichert. Nach seinen früheren Erfahrungen in Konzernen habe er sich bewusst für eine inhabergeführte, mittelständisch geprägte Gruppe wie Medialine als Muttergesellschaft entschieden. Der 53-Jährige wird den Dornacher Dienstleister weiter führen. Dagegen denkt sein Geschäftspartner Ulrich, der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden ist, über den Ausstieg aus dem operativen Geschäft nach. Bis Ende des Jahres werde er aber an Bord bleiben, und wenn er noch gebraucht werde, möglicherweise sogar länger.

Neben der fachlichen Expertise bringt MentIQ auch Prozesskompetenz und damit verbundene Tools in die Gruppe ein. So hat das Unternehmen eine automatisierte Service-Plattform entwickelt, die Funktionen für Asset Management, Monitoring und Support bereitstellt. Sie unterstützt das technische Personal dabei, die Aufgaben im Managed-Service-Geschäft effizient zu bearbeiten. Managed Services tragen etwa ein Drittel zu den Erlösen des Systemhauses bei. Auch der Vertrieb nutzt die Lösung, um sich ein Bild vom Speicherbedarf der Kunden zu machen. Da die Software auf einer Microservices-Architektur basiert und auf der gleichen Cloud-nativen Plattform entwickelt wurde, die auch Medialine einsetzt, lässt sie sich der Gruppe zufolge relativ einfach in ihre Systemlandschaft einbinden.

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Durch die Akquisition von MentIQ kommt Medialine nun auf 20 Standorte in Deutschland und übertrifft bei der Mitarbeiterzahl die 500er-Marke. Das Unternehmen wurde 1999 von Martin Hörhammer, der damals noch Schüler war, als PC-Assemblierer und PC-Händler gegründet. Seit 2003 entwickelte er das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Stefan zu einem auf IT-Infrastruktur fokussierten, bundesweit aufgestellten Systemhaus weiter. Neben den deutschen Büros unterhält die Gruppe fünf Standorte in Österreich und einen in Rumänien.

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