Gesellschaft für Konsumforschung Die Distribution erwartet ein spannendes Jahr

Von Dominik Bunk 3 min Lesedauer

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Trotz Inflation und hoher Energiekosten steigen die Umsätze der Distributoren weiter. Die Absatzzahlen sinken allerdings im gleichen Zug. Tatjana Wismeth von der GfK erklärt, wie es aktuell um die Distribution steht und wie es weitergehen könnte.

Die Umsätze der Distributoren steigen immer noch, doch der Absatz geht zurück.(Bild:  ©TarikVision-stock.adobe.com)
Die Umsätze der Distributoren steigen immer noch, doch der Absatz geht zurück.
(Bild: ©TarikVision-stock.adobe.com)

Für die Distribution waren die Jahre, in denen die Corona-Pandemie das öffentliche Leben bestimmt hat, fette Jahre. Damit sie trotz Personenbeschränkungen annähernd normal weiterarbeiten konnten, nahmen Firmen viel Geld in die Hand, um zu digitalisieren: Notebooks, Collaboration-Tools, Webcams, Headsets und alles, was sonst für das Arbeiten unterwegs oder zuhause gebraucht wird, ging weg wie warme Semmeln.

Obwohl Corona gefühlt keine große Rolle mehr spielt, Energiepreise hoch sind und der Konflikt in der Ukraine Unsicherheiten schürt, ist das Jahr 2023 für die Distributoren gut gestartet, sagt Tatjana Wismeth, Head of Distribution & Supply Chain Intelligence bei der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Mehr Umsatz, weniger Absatz

„Die Distribution hat sich 2022 mit einem um 2 Prozent höherem Umsatz gegenüber dem Vorjahr nicht schlecht geschlagen“, sagt die Expertin. Gegenüber 2019, dem Jahr vor der Pandemie, entspricht der Umsatz sogar einem Plus von 4 Prozent. Doch der gute Wert verdanke sich vor allem den immensen Preissteigerungen. Denn „der Absatz ist im Vergleich zu 2021 um 6 Prozent gesunken“. Besonders in den vergangenen Monaten sei die Nachfrage zurückgegangen. Die Lager waren voll, und es kam zu regelrechten „Rabattschlachten“, um sie wieder leerer zu bekommen.

Der B2B-Sektor wuchs im Jahr 2022 um 6 Prozent. Gerade bei großen Systemhäusern zeigte sich eine hohe Dynamik. Im Vergleich zu 2019 stiegen die Erlöse der Distribution mit diesen Partnern um gut 20 Prozent. Der Anteil der großen Systemhäuser am Gesamtumsatz erhöhte sich damit 2022 auf 24 Prozent, während er 2019 noch bei knapp 21 Prozent lag. Dafür sah es im Bereich Retail mit einem Umsatz-Minus von 7 Prozent schlechter aus. Vor allem das Geschäft der Distribution mit Generalisten war rückläufig, dafür hat der Online-Handel zugenommen.

Entspannung bei den Halbleitern

Was allerdings in den Corona-Jahren für Probleme gesorgt hatte, war die Halbleiterknappheit. Dafür gibt Wismeth teilweise Entwarnung: „Es hat sich bereits im vergangenen Jahr deutlich verbessert.“ Trotzdem seien einige Produkte noch schwer zu bekommen. Steigende Erlöse erzielte die Distribution mit Communication-Geräten wie Repeatern und Routern. Der Verkauf von Mobile-Computing-Artikeln war dagegen rückläufig. Weil während der Pandemie vieles neu angeschafft wurde, gibt es noch wenig zu ersetzen. Dafür ist aber der Umsatz mit Desktop-Geräten um 6 Prozent gestiegen, der Absatz sogar um 9 Prozent. Ebenfalls um 9 Prozent gestiegen ist der Umsatz bei Consumer Electronics, vor allem im Audiosektor. Positive Impulse verzeichnete die Distribution generell im Bereich Enterprise Computing, wozu insbesondere das Server-Geschäft beigetragen hat.

Wie stark wird die Rezession?

Aufgrund der hohen Inflationszahlen im vergangenen Jahr wurde mit einer starken Rezession für 2023 gerechnet. Entlassungen gab es deshalb bereits viele, weitere wurden bereits angekündigt. Die Investitionsfreudigkeit von Unternehmen sank deshalb ebenfalls. „Man versucht möglichst, die Kosten zu drücken“, erklärt die GfK-Expertin Wismeth.

Projekte sind nach ihrem Wissen nach aber noch nicht im großen Stil verschoben worden. Zudem spreche die Marktentwicklung immer mehr gegen eine starke Rezession. Distributoren wollten weiterhin geschickt investieren und ihre Partner unterstützen.

Das Jahr 2023 startet gut

Das aktuelle Jahr 2023 ist bisher gut gestartet, beobachtet Tatjana Wismeth. Und zwar, ähnlich wie im Vorjahr, auf einem „hohen Niveau“. Zwar ist der Bereich Retail laut Zahlen der ersten drei Kalenderwochen leicht rückläufig, Reseller seien von den Inflationszahlen dafür noch weitestgehend unberührt. Ein Investitionsstopp sei bei deren Kunden noch nicht erkennbar.

Die Erwartungen für Distributoren in diesem Jahr seien zwar gut. Trotzdem gibt Wismeth zu bedenken, dass die Situation, gerade im Hinblick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine, allgemein unsicher sei.

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