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Unternehmensentscheidungen mit Fokus auf den Menschen Die Digitale Transformation richtig anpacken

Autor: Sarah Gandorfer

Eine von Lenovo beauftragte Studie hat untersucht, wie neue Technologien in Unternehmen eingeführt werden. Daraus ergeben sich Handlungsempfehlungen, was vor allem hinsichtlich der Mitarbeiter zu beachten ist, denn ohne diese läuft nichts.

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Technologie soll ein Wegbereiter sein und kein Hemmnis.
Technologie soll ein Wegbereiter sein und kein Hemmnis.
(Bild: alphaspirit - stock.adobe.com)

Menschen stehen im Mittelpunkt aller Aktivitäten von Unternehmen, angefangen bei Mitarbeitern, die jeden Tag – physisch oder virtuell – zur Arbeit erscheinen, über Kunden bis hin zu Partnern, Zulieferern und Dienstleistern. Dennoch orientiert sich die Einführungen neuer Technologien nicht unbedingt an den Bedürfnissen von diesen, wie die Studie „Think human – Ready for the next normal“ von Lenovo zeigt. Dafür wurden tausend IT-Entscheider aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden befragt.

Zwar ist es für es für Unternehmen wichtig, neue Technologien einzusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, doch wenn dabei der menschliche Faktor nicht berücksichtigt wird, bleibt die Produktivität auf der Strecke. Wie die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse aus der Studie zeigt, lassen sich Unternehmen jedoch noch immer primär von unternehmerischen Überlegungen bei IT-Investitionen leiten:

  • Nur 6 Prozent der befragten IT-Manager sehen die Mitarbeiter als ihre oberste Priorität bei Entscheidungen für Investitionen in neue Technologien an.
  • Fast die Hälfte (48 %) der Teilnehmer berichtet von Technologie-Neueinführungen, in deren Folge die Arbeitsfähigkeit von Teams unmittelbar beeinträchtigt wurde.
  • 47 Prozent der IT-Manager geben an, dass sich Mitarbeiter schwer tun, neue Software gewinnbringend anzuwenden, was letztlich die Produktivität beeinträchtigt.
  • 21 Prozent der Anwender berichteten, dass neue Technologien dazu geführt haben, bestehende Prozesse zu verlangsamen, anstatt sie zu verbessern.
  • 52 Prozent gaben an, dass sie eine gestiegene Zahl an Anfragen beim IT-Helpdesk aufgrund der Implementierten neuen Lösungen verzeichnet haben.

Digitalisierung steht bereits seit Jahren ganz oben auf der Agenda, nicht nur von IT-Organisationen und Unternehmen, sondern auch von Politik und Gesellschaft. Doch bislang sind die erzielten Fortschritte überschaubar, die Erwartungen bleiben hinter den Hoffnungen zurück. Das haben nicht zuletzt die IT-Probleme zu Beginn und während der Covid-19 Pandemie deutlich gemacht.

Technologie hält nicht, was sie verspricht

Das Fazit der Studie: Die Einführung neuer Technologien hält nicht, was sie verspricht, wenn die Mitarbeiter nicht mit an Bord genommen werden. Während die IT-Manager meist optimistisch sind, was die potenziellen Auswirkungen neuer Technologien anbelangt, kommt es aufgrund des Tempos und der Komplexität der intelligenten Transformation zu Schwierigkeiten bei den Mitarbeitern. Mehr als die Hälfte der Befragten hat Fälle erlebt, in denen die Einführung neuer Technologien die Arbeitsfähigkeit eines Teams tatsächlich beeinträchtigt hat.

Oftmals werden Entscheidungen für Technologie-Investitionen, von wirtschaftlichen Interessen wie dem Shareholder Value und den Auswirkungen auf das Endergebnis geprägt. Das geschieht zu Lasten von weicheren, aber nicht weniger wichtigen Erfolgskriterien wie der Benutzerzufriedenheit. Letztendlich gelingt eine erfolgreiche Transformation am besten, wenn Menschen sich für Veränderung begeistern.

Drei Feststellungen

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass es drei grundlegende Elemente gibt, um die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation zu gewährleisten.

  • Erstens sollten Unternehmen durch sorgfältige Planung und Unterstützung den Fokus darauf richten, dass ihre Mitarbeiter durch Schulungen und Fortbildungen bestmöglich vorbereitet werden und die Benutzerfreundlichkeit bei der Wahl der neuen Lösung stärker berücksichtigt wird. Bei der Auswahl eines Anbieters sollten sie darauf achten, ob dieser den Onboarding-Prozess so einfach wie möglich gestaltet und dazu beiträgt, künftige Anforderungen an das Service-Desk im Unternehmen zu reduzieren, indem beispielsweise AR-Tutorials und dialogorientierte KI-Software angeboten werden.
  • Zweitens sollten Firmen Nachhaltigkeit und ethisches Handeln zu einem integralen Bestandteil bei der Wahl neuer Technologien und bei der Optimierung ihrer Lieferketten machen, da verantwortungsbewusstes Wirtschaften und unternehmerische Nachhaltigkeit nicht nur von den Kunden, sondern auch von den eigenen Mitarbeitern geschätzt wird.
  • Drittens durchlaufen derzeit Unternehmen einen grundlegenden Wandel. Entscheidungsträger in Unternehmen müssen darüber nachdenken, welche Rolle ihr Unternehmen in der „neuen Normalität“ spielen soll. Sowohl in Bezug auf die Art und Weise, wie sie ihre internen Abläufe verändern als auch in Bezug darauf, wie sie in ihrem Markt interagieren. Die gesamte IT-Branche muss ihren Teil dazu beitragen, dass Technologie ihr volles Potenzial entfalten kann.

Es lässt sich schwer in Zahlen messen, ob Mitarbeiter zufrieden und engagiert sind. Beinahe unmöglich ist es, KPIs rund um das Thema zu definieren. Dennoch sind genau diese Werte für ein erfolgreiches Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Wer den Menschen in den Mittelpunkt von Entscheidungsprozessen stellt, erzeugt eine Dynamik, die weitere Erfolge nach sich zieht. Um im Wettbewerb zu gewinnen, muss man zuerst die eigenen Arbeitnehmer für sich gewinnen.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS